Die Verbände aus Stuttgart und dem Land sind sich eigentlich einig – für mehr Transparenz für den Fahrgast. Doch bei der Frage nach dem wie, gehen die Meinungen auseinander.
In Berlin, Köln oder auch München gibt es ihn bereits: den flexiblen Festpreis für Taxifahrten. Das heißt schlicht, bereits im Vorfeld wissen die Kunden, wie viel die Fahrt tatsächlich kosten wird. Auch in Stuttgart sind sich die Verbände aus Stadt und Land im Grunde einig, einen Festpreis einführen zu wollen. Nur über den Weg gibt es noch Gesprächsbedarf. Im Blickpunkt steht dabei wieder einmal die ungeliebte Konkurrenz der Mietwagenanbieter.
Flexibler Taxi-Festpreis: Unterschied von bis zu 40 Cent pro Kilometer
Seit 2022 sind die Taxipreise in Stuttgart unverändert – auf einem sehr hohen Niveau. Der Grundtarif liegt bei 4,20 Euro, für die ersten vier Kilometer beträgt der Preis dann je drei Euro, für jeden weiteren Kilometer 2,50 Euro. Damit zahlen die Kunden in der schwäbischen Landeshauptstadt mehr als zum Beispiel in London. Diese Preise sollen nicht noch weiter steigen. „Wir können das nicht unendlich weiterführen. Das ist den Fahrgästen irgendwann nicht mehr zumutbar“, weiß Iordanis Georgiadis, der Vorsitzende der Taxi Auto-Zentrale Stuttgart.
Vielmehr will das Gewerbe einen neuen Weg einschlagen: das Angebot eines flexiblen Festpreises. Das Ziel ist klar: Durch die größere Transparenz erhofft man sich, neue Kunden gewinnen zu können. Seit Monaten führe man daher bereits Gespräche mit der Stadt Stuttgart, die die Tarifordnung gesetzlich festlegt. „Sobald ein konkreter Antrag zur Aufnahme von Festpreisen in die Taxitarifordnung vorliegt, werden wir diesen gemäß den gesetzlichen Bestimmungen prüfen“, erklärt ein Stadtsprecher. Eine Besonderheit: Durch die Lage des Flughafens wurde ein gemeinsamer Bereitstellungsbezirk Stuttgart, Filderstadt und Leinfelden-Echterdingen gebildet. Somit muss eine neue Tarifordnung in Stuttgart immer gemeinsam mit dem Landkreis Esslingen entschieden werden.
„Heutzutage gibt es nicht mehr viele Dienstleistungen, bei denen man im Vorfeld nicht weiß, wie viel es tatsächlich kostet.“
Tolga Karakas, Vorstand Taxiverband Stuttgart
Durch den Festpreis erhofft sich die Branche, neue Kunden gewinnen zu können. „Heutzutage gibt es nicht mehr viele Dienstleistungen, bei denen man im Vorfeld nicht weiß, wie viel es am Ende tatsächlich kostet“, betont Tolga Karakas, der Vorstand des Stuttgarter Taxiverbandes. Auch sein Gewerbe dürfe sich der gesellschaftlichen Entwicklung nicht mehr verweigern. Allerdings müsse sich die Festlegung in einem festen Rahmen bewegen – entgegen der Vorstellungen der Kooperationspartner wie Uber und Freenow, die eine größtmögliche Spanne fordern. Maximal stellen sich die Taxifahrer dabei eine flexible Preisspanne von plus oder minus 20 Cent pro Kilometer vor.
Mit einer Protestfahrt machten rund 140 Taxifahrer vergangenen Monat in Esslingen auf die Probleme aufmerksam. Foto: Roberto Bulgrin
Zum einen, um auch als Kleinunternehmer solide wirtschaften zu können, zum anderen auch zum Wohle der Fahrgäste. So könne man, wenn etwas Außergewöhnliches passiere oder bei „Großveranstaltungen wie dem Cannstatter Volksfest nicht auf einmal den dreifachen Preis verlangen“, macht Karakas an einem Beispiel deutlich. Denn nach wie vor sehen sich die Taxifahrer als einen wichtigen Teil des öffentlichen Nahverkehrs.
Das gilt besonders auch für den Taxiverband Baden-Württemberg, weil gerade im ländlichen Raum oftmals das Angebot an Bussen und Bahnen eher spärlich gesät ist. „Grundsätzlich sind wir einem Festpreis gegenüber auch nicht abgeneigt“, betont der Vorstandsvorsitzende Onur Gürsönmez, allerdings stellen die Mitglieder dafür eine eindeutige Bedingung: Die Einführung eines Mindestbeförderungsentgelts für Fahrdienst-Plattformen wie Uber für die Mietwagenanbieter. Diesen legt per Gesetz jede Kommune für sich selbst fest.
Mindestentgelt für Mietwagen gefordert
Städte wie Heidelberg oder Essen haben das Mindestbeförderungsentgelt bereits eingeführt. Aber in der „Region fehlt bislang der Mut, dieses umzusetzen“, sieht Gürsönmez die Politik gefordert, „Stuttgart muss es vormachen“. Dabei sei die Landeshauptstadt nicht einmal das große Problem, sondern vielmehr die umliegenden Landkreise. Der Verband beklagt dabei die zahlreichen Mietwagen, die zugelassen würden, aber nicht ausreichend kontrolliert würden. Viele seien dauerhaft im Stadtgebiet Stuttgart oder auch der Region unterwegs, anstatt – wie vorgeschrieben – nach jeder abgeschlossenen Fahrt wieder an den Betriebssitz zurückzukehren.
Um dem Nachdruck zu verleihen, hatten rund 140 Taxifahrer erst im vergangenen Monat in Esslingen demonstriert. Die Folge: Gerade bei geringer Nachfrage könnten die Mietfahrzeuge teilweise mit Dumpingpreisen sehr viel günstigere Tarife anbieten. „Das ist für unsere Mitglieder existenzgefährdend“ – ohne bessere Kontrollen ändere sich daher auch mit einem Festpreis nichts.