Eine Angeklagte sitzt in einem Gerichtssaal.

Stand: 12.03.2026 11:20 Uhr

Das Landgericht Verden hat eine 33-Jährige freigesprochen. Sie war wegen Totschlags an ihrem Baby angeklagt. Familienmitglieder hatten die Leiche in einem Pizzakarton im Gefrierfach gefunden.

Das Gericht entschied zugunsten der Frau, nachdem zwei Sachverständige am Mittwoch erklärt hatten, dass der Säugling nicht dauerhaft lebensfähig gewesen wäre. Das sagte ein Gerichtssprecher dem NDR Niedersachsen. Die Staatsanwaltschaft hatte die Frau wegen Totschlags angeklagt, weil sie aus ihrer Sicht das Baby nach einer Hausgeburt im Herbst 2024 nicht versorgt habe. Demnach kam das Kind etwa in der 27. oder 28. Schwangerschaftswoche zur Welt – mit einem Gewicht von 940 Gramm. Die Mutter habe die Nabelschnur durchtrennt, ihrem Kind jedoch notwendige medizinische Hilfe verwehrt, so die Anklage. Daraufhin sei es nach etwa 30 Minuten gestorben.

Angeklagte nimmt seit ihrer Kindheit Drogen

Der Prozess endete früher als erwartet. Das Landgericht hatte bis Ende des Monats weitere Verhandlungstage angesetzt. Einen Haftbefehl gegen die Angeklagte hatte die Vorsitzende Richterin bereits zu Prozessbeginn aufgehoben, weil nach ihrer Ansicht kein Hinweis auf eine vorsätzliche Tat vorlag. Die Frage nach der Schuldfähigkeit wurde dem Sprecher zufolge nicht mehr erörtert – auch die Frage, ob die Angeklagte einen Drogenentzug machen muss, wurde demnach nicht behandelt. Am ersten Prozesstag hatte die 33-Jährige berichtet, dass sie seit ihrem elften Lebensjahr Drogen konsumiere, darunter Kokain und Heroin. Ihre Sucht habe sie unter anderem durch Prostitution finanziert, so die Frau vor Gericht. Sie habe bereits 2011 ein Kind zur Welt gebracht, das nicht bei ihr lebe.

Eine Angeklagte sitzt in einem Gerichtssaal.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Angeklagten Totschlag vor. Das Kind soll nur etwa 30 Minuten gelebt haben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 12.03.2026 | 08:30 Uhr