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Die Drittliga-Löwen sind wieder dran an den Aufstiegsplätzen zur 2. Liga! Auch, weil Trainer Markus Kauczinski (56) überzeugt – auf und neben dem Platz.

BILD: Sie haben mit fünf Siegen in Folge einen Löwen-Rekord eingestellt …

Kauczinski (unterbricht): Interessiert mich nicht. Glauben Sie mir: Das ist alles nicht wichtig. Wichtig ist nur das nächste Spiel. Und auch nur das. Und auch Druck und Nervosität – hören Sie damit auf. Ich ticke da anders.

Wie denn?

Ich bin so cool, ich pinkle Eiswürfel (lacht). Im Ernst: Je heißer es wird, desto mehr kann ich alles ausblenden. Ich habe schon so viel erlebt. Mir kommt es nur darauf an, dass die Spieler zuhören, mir vertrauen und mutig sind. Jeder hat Stärken, jeder Schwächen. Und die Schwächen muss man in den Griff bekommen. Immer nur die Stärken trainieren, das ist mir zu einfach.

Seit ihrem Amtsantritt am 11. Spieltag stehen die Löwen in der Kauczinski-Tabelle auf Platz 1. Was konkret haben Sie denn verändert?

Ich bin nahbar. Kein Kumpel, denn ich muss ja auch weh tun und Entscheidungen treffen, die den Jungs nicht passen. Aber jeder hat seine Chance, auch wenn er mal draußen sitzen muss. Ich kann gut zuhören, egal um welches Thema es geht. Die Mannschaft kann immer zu mir kommen. Und ganz wichtig: Es muss Freude machen. Denn damit haben wir ja alle angefangen: Fußball zu spielen, weil es Spaß macht. Und nun haben wir das große Privileg, dass es unser Job geworden ist, und wir gutes Geld damit verdienen. Das muss jedem klar sein.

Kritiker sagen, Sie trainieren viel zu wenig…

Jeder darf sich seine eigene Meinung bilden. Wenn es kurz und intensiv ist, habe ich mir was dabei gedacht. Bei mir passiert nichts ohne Hintergedanken. Da bin ich auch selbstbewusst genug und sage: Leute, ich bin der Fachmann. Genauso lasse ich meine Co-, Fitness-Trainer und Physios ihre Bereiche verantworten. Ich rede niemanden rein, wenn ich es nicht besser weiß.

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Was wäre aus Ihnen eigentlich geworden, wenn Sie nicht Fußballtrainer geworden wären?

Lehrer. Ich habe Sport studiert. Aber ich hätte noch ein zweites Fach gebraucht, um damals an eine Schule gehen zu können. Daran ist es gescheitert (lacht). Ich bringe nur etwas zu Ende, wenn es mich auch wirklich interessiert. Mittlerweile wären das Sprachen, Englisch oder Französisch.

Sie waren bei Karlsruhe, Ingolstadt, St. Pauli, Dresden, Wiesbaden – wieso hat es eigentlich so lange mit dem Job hier gedauert?

Ich war wohl immer zu teuer (lacht). Die Löwen waren immer mein Lieblingsgegner. Meistens habe ich gegen sie gewonnen. Ich komme so langsam in München an, habe jetzt auch eine kleine Wohnung, nächste Woche bringe ich mein Fahrrad her. Ich habe ja noch ein paar Monate hier Vertrag (lacht). Ich spaziere viel, bin gerne an der Isar unterwegs. Und nein, ich trinke nach wie vor kein Bier. Damit habe ich aufgehört. Es schmeckt mir einfach nicht mehr. An das letzte erinnere ich mich aber: Das war auf dem Rückweg von Bielefeld im Bus, als wir mit Wiesbaden die Relegation gewonnen hatten und den Aufstieg in die 2. Liga feierten. Ein Dosenbier. Eiskalt. Aber in dem Moment schmeckt einem sowieso alles.

Sonderlob bekommt nur einer

Den Löwen-Fans würde der Aufstieg schmecken …

Zu Beginn hieß es: Vermeintlich schwache Gegner bauen wir auf, gegen starke haben wir keine Chance. Es war ein negatives Selbstbild. Das wandelt sich jetzt. Die Leute sehen, dass die Mannschaft ihre Mängel hat, aber kämpft und Leidenschaft zeigt. Die Mischung aus erfahrenen und jungen Spieler passt. Ich werde hier aber niemandem mit einem Sonderlob hervorheben. Das gibt es bei mir nicht. Nur für einen, Raphael Schifferl: Der macht als Kabinen-DJ einen überragenden Job. Sein Mix aus Rock, Pop und Ösi-Schlager, das ist das Beste, was ich in den letzten Jahren in einer Kabine gehört habe (lacht).

Wann werden Sie laut?

Bei Faulheit und Bequemlichkeit. Aber ich werde eigentlich nicht laut, weil anschreien bringt nichts, das ist wie bei der Kindererziehung.

Sie können Aufstiege …

Mich interessieren die Geschichten aus der Gruft nicht. Auch nicht die von 1860. Tradition alleine nützt doch nichts. Mir geht es immer nur um das Jetzt. Ist wirklich so. Wie oft habe ich schon montags den vermeintlichen perfekten Trainings- und Matchplan fertig und dann knickt einer um, wird krank – irgendwas ist immer. Ich muss flexibel agieren können und dann die Situation annehmen.

Woher holen Sie sich Inspiration?

Hier? Von Steges. (Norbert Stegmann, Zeugwart). Der ist 77 Jahre alt und was dieser Mann hier schleppt, tut und macht – das ist Inspiration. Und Huub Stevens. Bei ihm habe ich mir viel abgeschaut und versuche auch, zu kopieren. Strenge, Härte gepaart mit Lachen und Nahbarkeit – das ist meine Philosophie und die habe ich von ihm.

Schaut dem Training genau hin: 1860-Coach Markus Kauczinski

Schaut beim Training genau hin: 1860-Coach Markus Kauczinski (56)

Foto: Dennis Brosda

Und daheim?

Meine Frau, mein Sohn (Gero, 27, d. Red.) leben in Karlsruhe, dort ist unser Lebens-Mittelpunkt. Das wird auch so bleiben. Ich bin furchtbar normal. Frühstücken, Gartenarbeit, Rasen nachsäen, netflixen und gut essen. Dazu ein Rotwein, fertig. Mit meiner Frau rede ich nicht über Fußball. Sie hat eine Meinung, aber meistens kommt: ‚Ach, der Spieler ist aber hübsch‘ (lacht schallend). Ich brauche die Pause und den Abstand – wobei, wenn ich ganz ehrlich bin, mir das gerade nicht gelingt.

Ach, doch nervös?

Positiv angespannt. Ich habe grad so ein Kribbeln. Wenn wir klar bleiben, dann spielen wir am Ende der Saison eine Rolle.

Die Spieler sollten ihren Urlaub als nur mit Reiserücktrittsversicherung buchen?

Wenn da jetzt gerade einer an der Urlaubsplanung für Ende Mai sitzt, wenn die Relegationsspiele anstehen, dann ist dem auch nicht mehr zu helfen.