Ist es das schlechte Gewissen, das die Deutsche Bahn in Anbetracht von einem chaotischen Schienenersatzverkehr und einer wochenlangen Bauverzögerung bei der Generalsanierung der Strecke Berlin-Hamburg umtreibt? Fakt ist: Die Bahn nimmt es auf ihren sozialen Kanälen mit der Wahrheit offenbar nicht so genau. So ist dort zu lesen: „Die Strecke Hamburg-Berlin wird 2 Wochen nach Plan wieder in Betrieb genommen, aber es gibt ein kleines Aber.“
Vom 30. April bis zum 14. Juni sind es über sechs Wochen
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Dass die genannten „2 Wochen“ nicht der Realität entsprechen und auch das „kleine Aber“ ein eher großes ist, lässt die Deutsche Bahn unerwähnt. Denn: Die „2 Wochen nach Plan“ beziehen sich lediglich auf den knapp 90 Kilometer langen Bahnabschnitt zwischen Hamburg und Hagenow. Der überwiegend größte, rund 190 Kilometer lange Teil der Strecke von Hagenow nach Berlin ist erst ab dem 14. Juni wieder befahrbar. Mit anderen Worten: Zugpendler von Hamburg nach Berlin – und umgekehrt – müssen satte sechseinhalb Wochen zusätzlich mit der riesigen Umleitung über das niedersächsische Uelzen sowie die sachsen-anhaltinischen Städte Salzwedel und Stendal leben. Ursprünglich hatte die Bahn geplant, die gesamte Strecke bis zum 30. April fertigzustellen.
Spannend in dem Zusammenhang: Noch am 16. Dezember des vergangenen Jahres hatte die Deutsche Bahn in einer Pressemitteilung stolz verkündet: „Generalsanierung Hamburg–Berlin im Zeitplan“. Per Grafik hatte die Bahn den „aktuellen Baufortschritt der Strecke Hamburg–Berlin“ aufgelistet: Schon 99 Prozent der Gleise, 97 Prozent der Weichen und 95 Prozent der Schallschutzwände sind fertig. Täglich sind über 1.000 Mitarbeitende, 120 Baumaschinen und 170 Ersatzbusse im Einsatz, um einen planmäßigen Ablauf zu sichern.“ Im Januar aber kam völlig unerwartet Schnee und Frost – und das Kartenhaus brach zusammen.