Der gebürtige Scherpenseeler (Übach-Palenberg im Kreis Heinsberg) folgt auf Heiner Backhaus. Der Ex-Trainer Alemannia Aachens wurde nach nur zwei Punkten aus fünf Spielen, die die Eintracht auf Rang 15 abrutschen ließen (nur das leicht bessere Torverhältnis trennt Braunschweig noch vom Relegationsplatz 16), am Dienstagnachmittag entlassen.

„Mit Lars verpflichten wir einen sehr ambitionierten Trainer, der in unterschiedlichsten Rollen schon viele Erfahrungen auf höchstem Niveau gesammelt hat. Lars hat uns in sehr guten Gesprächen sowohl mit seiner inhaltlichen Herangehensweise als auch im zwischenmenschlichen Bereich total überzeugt. Er ist ein kommunikativer, positiver Charakter. Zudem waren seine Energie und seine sofortige Bereitschaft, die Aufgabe bei uns anzunehmen, hundertprozentig spürbar“, schreibt Benjamin Kessel, Braunschweigs Geschäftsführer Sport, auf der Homepage des Vereins.

„Ich freue mich sehr auf diese Chance bei der Eintracht. Ich verfolge den Weg schon lange: Braunschweig ist ein Name im deutschen Fußball, der mit vielen Erfolgen und extrem hoher Identifikation der Fans verbunden ist“, wird Kornetka dort selbst zitiert – und weiter: „Die Gespräche mit den Verantwortlichen waren vom ersten Moment an zielführend, so dass wir schnell eine Einigung gefunden haben.“

Zwei Aufgaben zugleich für Kornetka

Zugleich bedankte er sich beim ÖFB, dem Österreichischen Fußball-Bund, für dessen Entgegenkommen. Denn beim ÖFB ist Kornetka seit Juni 2022 einer der Co-Trainer Ralf Rangnicks. Diese Funktion wird er bis einschließlich der Weltmeisterschaft im Sommer, für die sich Österreich qualifiziert hat, auch parallel ausüben – egal, wie lange Österreich bei der WM dabei ist. Das heißt konkret, dass er den Trainingsauftakt der Eintracht im Sommer aller Voraussicht nach verpassen wird.

Kornetkas Heimatverein ist der A-Liga-Aufsteiger SV Scherpenseel-Grotenrath. Zu diesem Verein aus der Stadt Übach-Palenberg hält er weiterhin sehr engen Kontakt, ist nicht nur bei Spielen, sondern auch als Referent immer wieder mal vor Ort. Kein Wunder, denn sein Bruder Carsten Kornetka, der eine Versicherungsagentur in Erkelenz leitet, ist schon seit vielen Jahren Vorsitzender der SV. „Ich freue mich daher gleich in Doppelfunktion riesig für ihn, bin mächtig stolz auf ihn – seine erste Stelle als Cheftrainer ist gleich in der 2. Liga. Ich bin auch zuversichtlich, dass er mit seinen Fähigkeiten, seinem Können, den Klassenerhalt schaffen wird“, erklärte Carsten Kornetka am Mittwochmittag auf Nachfrage unserer Redaktion.

Dass sein Bruder die WM als Co-Trainer Österreichs parallel unbedingt noch mitnehmen möchte, kann er nur zu gut verstehen: „Lars hat so viel Herzblut in die Qualifikation gesteckt, da möchte er das Endturnier natürlich nun auch noch erleben.“ Er selbst werde mit seinen beiden älteren Söhnen bei der WM ebenfalls vor Ort sein.

Fußballtrainer statt Sportjournalist

Lars Kornetka hat einen ungewöhnlichen Werdegang hinter sich. Denn ursprünglich wollte er nach dem Abitur am Carolus-Magnus-Gymnasium in Übach-Palenberg Sportjournalist werden. Die komplette Jugend hatte er für seinen Heimatverein SV Scherpenseel gekickt – und spielte dank eines genehmigten Sonderantrags schon mit 17 Jahren für die erste Mannschaft.

Das Erkelenzer Land lernte Kornetka dann aber nicht nur durch den Fußball, sondern auch durch seinen Zivildienst kennen, als er auf langen Autofahrten Essen im Kreis verteilte oder Hilfsbedürftige beim Haushalt und Einkauf unterstützte. „Das waren wilde Touren. Wir kannten uns in der Gegend nicht aus, und es gab kein Navi“, erzählte er unserer Redaktion für ein Porträt im August 2024. Seit 15 Jahren wohnt er mit Frau und Kind in Düsseldorf.

Erste Erfahrungen als Fußballjournalist im Printbereich sammelte er dann für das Magazin „Pfostenknaller“ aus der Region Aachen, als Student arbeitete er für den WDR, Premiere und DSF. „Mein Ziel war es dann, Regisseur zu werden. Eigentlich wollte ich gerade ein Volontariat machen, als ich Bernhard Peters kennenlernte.“

Über den früheren Hockey-Bundestrainer („für Bernhard hatte ich einige Videos geschnitten“) kam Kornetka 2007 mit der TSG Hoffenheim in Kontakt. Peters war seit 2006 dort Direktor für Sport und Nachwuchsförderung. Der Trainer war ebenfalls seit 2006 Ralf Rangnick – und der klopfte bei Kornetka dessen Bereitschaft ab, als Videoanalyst (den Job gab es damals noch gar nicht) für ihn zu arbeiten. Daraus entwickelte sich eine Zusammenarbeit, die bis heute andauert.

Im österreichischen Trainerteam ist er der Spezialist für das Spiel gegen den Ball – also für das Verteidigen und die Umschaltphasen. „Für viele ist Verteidigen das Einfachste, weil man nur dem Ball oder dem Gegner hinterherrennt. Wir im Team sehen das anders. Verteidigen ist eine Fußballart, die sehr viel Verstand und Training abverlangt. Wenn man das gemeinsam macht, im Schwarmgedanken, kann das eine außergewöhnliche Waffe sein“, lautet Kornetkas Credo. In Braunschweig wird er als Cheftrainer nun aber vor allem für das große Ganze zuständig sein.