Es wird ernst für die Münchner Raketenbauer. In wenigen Tagen soll ihre Rakete aus der Arktis in den Orbit steigen und fünf Satelliten ins All schießen. Gelingt die Mission am nächsten Donnerstag im äußersten Norden Norwegens, wäre Isar Aerospace besser als die große Konkurrenz von SpaceX. Das Unternehmen von Elon Musk musste mehrere Fehlschläge und Abstürze einstecken, bis die erste Rakete den Kosmos erreichte.
Die Erwartungen sind groß. „Das ist die Stunde Europas“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz, als er am Freitag die Startrampe auf der Insel Andøya besuchte. „Wir brauchen Kapazitäten, wir brauchen Unabhängigkeit“, betonte der CDU-Chef.
Isar Aerospace bringt den bairischen Dialekt in die Polarzone
Isar-Aerospace-Mitgründer Josef Fleischmann wollte sich davon nicht kirre machen lassen. „Ich bin ganz entspannt“, meinte der Raumfahrtingenieur. Vor einem Jahr ist seine Rakete nach 30 Sekunden explodiert. Schon als kleiner Junge träumte er vom Flug zu den Sternen.
Dieses Mal soll die Spectrum ihr Ziel in einigen hundert Kilometern Höhe erreichen. „Ich bin sicher, es wird klappen“, sagte Fleischmann. Nördlich des Polarkreises ist Bairisch nur selten zu hören, Fleischmann bringt es mit. Der Schub seiner Rakete wird enorm sein. Die Brennkammer wird sie auf neun Kilometer pro Sekunde beschleunigen. Umgerechnet ist das eine Geschwindigkeit von über 30.000 Kilometern pro Stunde.
Das Startfeld liegt auf einer kleinen Landzunge auf der Insel. Ausnahmsweise ist hier Campen verboten, was in Norwegen ein Jedermannsrecht ist. Es hat etwas von einer Agentenserie, als der Bundeskanzler und der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre in ihrer Kolonne mit schwarzen Jeeps und Bussen vorfahren. Polizei und Militär übernehmen den Schutz.
Von den 500 Mitarbeitern von Isar Aerospace sind 25 in Norwegen abgestellt
Auf einer Betonplattform stehen große Tanks mit Propan und Sauerstoff. Sie bilden das Treibstoffgemisch der Rakete. Wenn es nächsten Donnerstag nicht stürmt, wird die Spectrum Richtung Nordatlantik abheben. Die herabfallenden Teile können dort keine Menschen treffen. Die Rakete kommt in Einzelteilen aus München an das Ende Europas. In einer kleinen grauen Fabrikhalle wird sie montiert. Von den 500 Mitarbeitern von Isar Aerospace sind 25 in Norwegen abgestellt.
Ganz in der Nähe liegt die Ortschaft Andenes mit 4000 Einwohnern. Die norwegische Armee baut hier eine Luftwaffenbasis wieder auf, die nach dem Ende des Kalten Krieges geschlossen wurde. Danach fiel das Dorf in einen Dämmerschlaf. Jetzt wird es wieder geweckt. Häuser werden renoviert, Hotels und Kneipen haben aufgemacht.
Von der Basis hat das norwegische Militär einst die sowjetischen U-Boote beobachtet, die in den Nordatlantik fuhren. Heute ist das wieder notwendig. Die russischen Geheimdienste interessieren sich auch für die Münchner Raketen und setzen ihre Computerspitzel darauf an. „Es gab Versuche“, sagte Josef Fleischmann. Die Satelliten, die er in den Weltraum transportieren will, könnten der Forschung, den Kommunikationsnetzen oder der militärischen Aufklärung dienen. Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder Armeen sollen zukünftig seine Raketen buchen. Gelingt das, ist Isar Aerospace einen erheblichen Schritt weiter.
Bundesforschungsministerin Doro Bär, die den Kanzler nach Norwegen begleitete, sieht erhebliche Fortschritte in der deutschen Raketenentwicklung, selbst wenn auch Versuch Nummer 2 verglühen sollte. „Es ist wichtig, dass wir mit jedem Start immer mehr Erfahrungen sammeln. Auch bei SpaceX von Elon Musk hat es beim ersten Anlauf nicht geklappt“, sagte sie. Die Kooperation mit Norwegen soll vertieft werden. Bis zu 30 Starts pro Jahr sind möglich.
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Christian Grimm
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