„Es ist ein wichtiges, ja entscheidendes Jahr – jetzt kommt es wirklich drauf an“. An Überzeugung und Leidenschaft mangelt es den Mitgliedern des Fördervereins Pina Bausch Zentrum sicherlich nicht. Helge Lindh, Vorsitzender des Fördervereins, findet deutliche Worte. Gemeinsam mit Bettina Milz, Leiterin der Vorlaufphase, verschafft der Bundestagsabgeordnete (SPD) dem versammelten Publikum am Mittwochabend in den Räumlichkeiten der Concordia in Barmen einen Überblick über den aktuellen Stand des internationalen Leuchtturmprojekts.

Lindh erklärt zudem mit weiteren Mitgliedern des Fördervereins, darunter Petra Lückerath, neue stellvertretende Vorsitzende, Tanja Schäfer von Wuppertal aktiv, Oskar A. Trost, neuer Schatzmeister, Thilo Prokosch, Architekt, und Ulla Sparrer, warum das Jahr 2026 „ausschlaggebend“ sein werde – und warum der Förderverein seine Aufgabengebiete zunächst einmal neu definieren musste.

Als Hauptaufgabe sehen es die Mitglieder – jetzt mehr denn je – an, „gesellschaftliche und politische Landschaftspflege“ zu betreiben. Denn nachdem im letzten Dezember die Antrags- und Bauunterlagen für den Altbau beim Bund – gerade noch fristgerecht – eingereicht wurden, sollen die Unterlagen für den Neubau in diesem Jahr folgen, die Planungsphase bis August 2026 abgeschlossen sein. Im September soll dann der Ratsbeschluss folgen, der, so die Hoffnung aller, positiv ausfallen wird.

„Wenn es dann hoffentlich richtig losgeht, müssen wir unsere Kräfte bündeln“, betont Petra Lückerath. Bis dahin gehe es nun um Kommunikation, die in alle Ebenen der Stadtgesellschaft dringen müsse. Erreichen möchte das der Verein mit regelmäßigen Veranstaltungen, Flyern, Gesprächen. „Wir betreiben eine Art ‚Microtargeting’“, fügt Helge Lindh hinzu. „Wir werden in Vereine gehen, in Gruppen, Institutionen, Service Clubs. Um auch die Menschen einzubeziehen, die das Projekt Pina Bausch Zentrum bisher noch nicht einordnen können.“ Dabei will man auf Allianzen mit verschiedensten Berufsgruppen, mit Architekten, mit Mitarbeitern der Bundesgartenschau setzen. „Da gibt es kein Gegeneinander, keine Konkurrenz, sondern Bündnisse“, sagt der Vorstandsvorsitzende.

Dem Förderverein geht es um das „Warum“, nicht um das „Wie“

Architekt Thilo Prokosch betont, dass der Förderverein mit dem Entstehungsprozess des Projekts, dem „Wie“, gar nichts zu tun hatte, kam das Konzept doch aus der Tanzszene, wurde politisch beschlossen. Ihnen gehe es in der Folge darum, das „Warum“ in die Welt zu tragen, zu erklären, warum das Pina Bausch Zentrum nicht nur kulturell von höchster Bedeutung für die Stadt sei, sondern für die Bildung, die Wirtschaft, das Stadtmarketing künftig eine große Bereicherung sein werde.

Der Siegerentwurf des ausgeschriebenen Wettbewerbs, „von einem Architekturbüro, das zu den Besten der Welt gehört“, konzentriere sich auf den Nutzen des Gebäudes. „Ohne Eitelkeit, ohne ‚Chichi‘“, so Prokosch. Die tolle Architektur sei das „Sahnehäubchen“, das Projekt an sich „eine großartige Win-win-Situation“.

Bettina Milz freut sich, dass neben der Weiterführung eines wichtigen Erbes, das durch das Projekt in die Welt hinaus strahle, auch das Tanztheater Pina Bausch „endlich seine künstlerische Heimat bekommt“. Lokal verwurzelt, aber überall in der Stadt verteilt, bekomme die darstellende Kunst und die bislang wenig geförderte Unterkategorie des choreografischen Tanzes ein Zuhause, einen „Werkzeugkasten“.

Oskar A. Trost beschreibt das zukünftige Zentrum als einen „unique selling point“, als etwas Neues, was es in dieser Gestalt noch nicht gebe. Ein neuer, großer Leuchtturm, der viel auch mit der Stadt Wuppertal an sich mache, eine Bereicherung für die Gastronomie, den Handel, die Hotellerie darstelle, so Tanja Schäfer.

Dass der Verein sich lange in einer Art Findungsphase befunden habe, liege auch an der Besonderheit, dass sie ein Projekt förderten, das zum jetzigen Zeitpunkt noch Zukunftsmusik sei, so Prokosch. „Die Aufgabe unterscheidet sich etwas von der Arbeit eines üblichen Fördervereins. Wir wissen, dass noch viel zu tun ist, auch, dass wir noch stärker in die Öffentlichkeit treten müssen“, sagt der Architekt.

Ein weiterer Motivationsschub: Vorbereitungsmittel in Höhe von über zwei Millionen Euro sind bereits geflossen, daneben mussten im Vorfeld zahlreiche Voruntersuchungen und Gutachten durchgeführt werden – auch der ausgeschriebene Architekturwettbewerb brachte Kosten mit sich. Lindh meint: „Es geht nicht darum, was bisher ausgegeben wurde, sondern vor allem um das Geld, das verfallen könnte, weil es nur für dieses Projekt gesichert ist. Wenn das Geld nicht genutzt wird, fällt es zurück in den Bundeshaushalt – die Chance ist einmalig.“ Milz betont: „Die Frage ist doch, wie teuer ist es, jetzt nicht in die Menschheit und in unsere Stadt zu investieren?“