„Die sind neu“, stellt Manfred Goldermann bei einem Blick auf die Bestuhlung im Saal des Atelier-Kinos fest. Über drei Jahrzehnte hinweg war er der Herr über Düsseldorfs Kinos. Er betrieb Anfang der 1990er-Jahre insgesamt 43 Lichtspielhäuser, unter anderem auch in Duisburg, Düren und Bonn. Doch Düsseldorf war seine Nummer Eins im Portfolio und damals eine angesagte Filmstadt. Internationale Stars wie Alfred Hitchcock, Franҫois Truffaut, Bud Spencer, Terence Hill, Lex Barker, Roger Moore, Sergio Leone, Heinz Rühmann oder Götz George kamen zu den Premieren ins Savoy-Theater. Aus Hollywood reiste auch Erfolgsproduzent Sam Spiegel an, um „Lawrence von Arabien“ am Rhein vorzustellen.
„Als Heintje da war, musste die Graf-Adolf-Straße gesperrt werden, weil so viele Menschen ihn sehen wollten“, erinnert sich Manfred Goldermann, der am 16. März 90 Jahre alt wird. Er ließ es sich nun nicht nehmen, an eine seiner Wirkstätten zurückzukehren, um von den goldenen Jahren zu erzählen. Immer an seiner Seite war und ist seine Frau Anita. „Wir feiern im Juli unsere eiserne Hochzeit“, erzählt Goldermann und macht es sich im Kinosessel bequem. Auch Udo Heimannsberg ist gekommen, um den Gast zu begrüßen. Die beiden verbindet eine lange Freundschaft. „Die Zeit mit Manfred Goldermann war mit die schönste, die ich erlebt habe“, schwärmt Heimannsberg, der bei Düsseldorfs Kino-König sein Handwerk lernte, bevor er selbst Kinobetreiber wurde.
Die Liebe zum Film bekam Manfred Goldermann praktisch in die Wiege gelegt. Sein Vater Willi Goldermann war der erste in der Familie, der nach dem Zweiten Weltkrieg von den Briten die Lizenz bekam, Lichtspielhäuser zu eröffnen. 1960 wurde sein Sohn Manfred Teil der Filmtheaterbetriebe Willi Goldermann. Als Trainee Manager lernte er bei Sir Arthur Rank in London das Geschäft von der Pike auf. Denn Rank besaß nicht nur 360 Kinos und einen Filmverleih, er war auch Produzent und Inhaber der berühmten Pinewood Studios. „Als die Queen zu einer Premiere nach Birmingham mit dem Zug und 50 Koffern anreiste, bekamen wir einen dicken Ordner mit Anweisungen“, schaut Goldermann auf seine Londoner Jahre zurück. Die prägten den Mittzwanziger. „Als ich zurückkam habe ich unsere Kinos erst einmal auf das britische Vorbild umgestellt“, sagt er. Die Kartenabreißerinnen und Eisverkäuferinnen bekamen schicke Uniformen.
Zu den selbst gebauten Lichtspielhäusern gehörten das Savoy-Theater und das Rex am Hauptbahnhof, später kam auch die Lichtburg auf der Kö hinzu. Zwischen 1960 und 1990, als Manfred Goldermann entschied, seine Kinos zu verkaufen, gaben sich die Stars bei Deutschland-, – Europa- und Weltpremieren wie „Momo“ die Klinke in die Hand.
Dabei ging natürlich nicht immer alles glatt, wie Goldermann schmunzelnd verrät: „Vor der Eröffnung des Savoy mit der Aufführung der zehn Gebote hat es gebrannt und innerhalb einer Stunde musste der Teppich neu verlegt werden.“ Eine Absage stand überhaupt nicht zur Diskussion. Als Kirk Douglas angekündigt war, seinen Film „Spartacus“ in Düsseldorf vorzustellen, musste das Goldermann-Team einen Plan B finden, weil der Star in Wien bei Dreharbeiten festsaß. „Wir haben dem Publikum dann eine aufgezeichnete Grußbotschaft von Kirk Douglas gezeigt. Da erklärte er auf Deutsch, warum er nicht kommen konnte.“ Die Zuschauer hätten den Schauspieler dafür gefeiert.
Der Besuch Alfred Hitchcocks im Savoy war ein weiterer Meilenstein in Goldermanns Karriere. Gerade hatte der Regisseur „Die Vögel“ abgedreht und dafür auch einen Trailer produziert, in dem er mit britischem Humor über die Eigenheiten der Tiere erzählte. Natürlich zeigte Goldermann dieses Kleinod vor der großen Premiere. „Hitchcock schenkte mir eine Zeichnung mit Autogramm“, erzählt Goldermann, der 2016 dem Filmmuseum sein umfangreiches Archiv überließ, das Düsseldorfs bewegte Kinogeschichte lebendig hält.
„Als klar wurde, dass die Multiplexe die kleineren Kinos verdrängen würden, habe ich entschieden, die Häuser an die Ufa-Theater AG zu verkaufen“, resümiert Goldermann. Bereut hat er diesen Schritt nie. „Diese drei Jahrzehnte waren die beste und die wildeste Zeit meines Lebens“, zieht er eine positive Bilanz.