Norwegen stellt sich angesichts neuer geopolitischer Spannungen demonstrativ als zentraler Energielieferant für Europa auf.
Ministerpräsident Jonas Gahr Støre sagte an einer Branchenkonferenz in Oslo laut Politico: «Es ist ein Krieg, der offenbar keinen Plan hat. In solch unberechenbaren Zeiten muss Norwegen verlässlich sein.»
Tatsächlich hat sich Norwegen seit dem russischen Angriff auf die Ukraine zum wichtigsten Pipeline-Gaslieferanten Europas entwickelt. Ein grosser Teil der Förderung fliesst direkt in den europäischen Markt. Der Chef des Energiekonzerns Equinor, Anders Opedal, erklärte: «Das gesamte Gas, das wir in Norwegen produzieren, geht nach Europa, und rund 90 bis 95 Prozent unseres Öls ebenfalls.»

Übersicht über die Energieanlage von Equinor auf der Insel Melkøya bei Hammerfest in Norwegen. Seit dem Ukraine-Krieg sind Norwegens Gaseinnahmen stark gestiegen.
Ole Berg-Rusten/NTB/Keystone
Gleichzeitig bremst Oslo allzu grosse Erwartungen. Energieminister Terje Aasland betonte, die Produktion laufe bereits nahe am Limit: «Wir sind derzeit am oberen Ende unserer Förderkapazität.» Mehr Lieferungen seien nur mit neuen Investitionen und weiterer Exploration möglich.
Politisch sendet Norwegen dennoch eine klare Botschaft: Europa braucht weiterhin stabile fossile Energielieferanten. Oslo präsentiert sich deshalb als verlässlicher Partner – gerade in Zeiten wachsender Unsicherheit auf den globalen Energiemärkten.