Der Architekturkritiker Nikolaus Bernau geht davon aus, dass letztlich höhere Kosten entstehen würden, sollte der Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig nicht entstehen. Im Gespräch mit MDR KULTUR betonte Bernau: „Es wird nicht etwa billiger, sondern es wird teurer werden – weil, wir brauchen diesen Neubau irgendwann.“

Zum Baustopp durch Kulturstaatsminister Wolfram Weimer sagte Bernau: „Dieser Beschluss muss schlichtweg revidiert werden!“ Vor zwei Tagen hatte Weimer bekannt gegeben, dass der schon seit 2018 geplante Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek nicht entstehen soll.

Es wird nicht etwa billiger, sondern es wird teurer werden – weil, wir brauchen diesen Neubau irgendwann.

Nikolaus Bernau, Architekturkritiker

Auch Neubau reicht nur begrenzte Zeit

Bernau verwies darauf, dass die Verlage per Bundesgesetz dazu verpflichtet seien, von jeder in Deutschland entstehenden Publikation zwei Exemplare bei der Nationalbibliothek abzuliefern, unabhängig davon, ob sie digital oder physisch entstünden. Dabei sei es vollkommen egal, ob es ein kleines theologisches Traktat oder ein Pornoheft sei, eine Zeitschrift oder ein großes Buch. Die Deutsche Nationalbibliothek müsse alles annehmen, „egal, ob die Sachen gefallen oder nicht“. Deswegen würde sie natürlich auch ununterbrochen wachsen, so Bernau.

Die Notwendigkeit des Neubaus sei für Bernau daher vollkommen klar, denn die Deutsche Nationalbibliothek bekomme pro Jahr ca. 1,2 Millionen Bände dazu. Selbst der von Weimer verworfene Neubau reiche nur für etwa 35 Jahre, dann wäre er voll. Schon bei der Übergabe des letzten Bauabschnitts 2011 sei gesagt worden, dass man in 20 Jahren den nächsten benötige, sagte Bernau und betont: „Die Nationalbibliothek wird schlichtweg weiter wachsen – da können wir machen, was wir wollen.“

Die Nationalbibliothek wird schlichtweg weiter wachsen – da können wir machen, was wir wollen.

Nikolaus Bernau, Architekturkritiker

Zwei Archiv-Exemplare sind Mindeststandard

Kulturstaatsminister Weimer hatte auch die Anzahl von zwei verpflichtend zu archivierenden Exemplaren hinterfragt. Laut Bernau hat das aber einen ganz praktischen Grund: Ein Exemplar sei für das Archiv und das andere könne man „verbrauchen“, also den Leserinnen und Lesern im Lesesaal vorlegen.

Das sei in den meisten Ländern der Welt so und „eigentlich der Minimalstandard“. Laut Bernau gibt es sogar Länder, in denen mehr Belegexemplare abgeliefert werden müssen. In Großbritannien seien es fünf bis sechs Exemplare, in Russland über zehn und in Polen sollen es „sogar über 20“ sein, so Bernau.