
AUDIO: Endzeitstimmung bei „Penthesilea“ an der Staatsoper Hannover (3 Min)
Stand: 15.03.2026 10:37 Uhr
Nach Richard Brunels „Lohengrin“ hat an der Staatsoper Hannover nun die deutsche Erstaufführung der „Penthesilea“ des französischen Komponisten Paul Dusapin Premiere gefeiert.
Das Spannungsfeld zwischen der Zartheit der Liebe und der Brutalität des Krieges, die Penthesilea und Achilles verbinden, kündigt sich schon in den ersten Takten an: Harfentöne auf düsterem Streichergrollen. Links und rechts stehen Gerüste, die eine Flucht bilden, Nebelschwaden wabern – Endzeitstimmung. Oben, quer durch den Raum, führt eine Brücke. Darauf steht Penthesilea – Kriegerin und Amazonenkönigin. Gesungen wird sie von der österreichischen Mezzosopranistin Katrin Wundsam.
„Sie trifft auf Achilles“, erzählt die Sängerin. „In dieser Inszenierung kennen sie sich, seit sie Kinder sind. Sie haben sich ewig lang nicht gesehen, sie kennen sich nicht mehr. Und eigentlich wollen sie sich begegnen. Und sie haben keine Möglichkeit mitbekommen, wie sie das machen – es geht also richtig in die Binsen.“ Denn als Amazone darf sich Penthesilea nur in einen Mann verlieben, wenn sie ihn vorher auf dem Schlachtfeld besiegt hat.
Haut als Symbol für Verletzlichkeit
Der Stoff stammt aus der Antike, die Vorlage ist von Heinrich von Kleist. 2015 hat der renommierte französische Komponist Paul Dusapin daraus eine Oper gemacht. Durchgängig und auf beeindruckende Weise führt sie uns die Brutalität des Krieges vor Ohren. Paul Zoller hat dazu ein gewaltiges, existenziell anmutendes Bühnenbild erschaffen. Immer wieder tut sich der Boden auf und schluckt vom Krieg geschundene Kämpfer.
Die äußerste Schicht des Körpers dient als Symbol für Verletzlichkeit, meint Regisseur Lorenzo Fiorini: „Unser Gedanke ist eigentlich, dass die Gewalt und der Krieg in die Figuren hineinkriecht und unter der Haut tobt. Und diese Haut, die man sieht, ist eigentlich die Haut von Penthesilea. Alles spielt sich ab und die Haut ist die wichtigste Schutzmembran, die der Mensch überhaupt hat und gleichzeitig ist sie ganz empfindlich. Ganz physisch durch Verletzungen wird dieser Schutzwall durchbrochen und durchstoßen.“

Die Staatsoper Hannover erarbeitet mit internationalen Künstlern und Künstlerinnen vielfältige und innovative Programme.
Historische Bandbreite der Kostüme
Dass dies zu allen Zeiten passiert ist, zeigt die historische Bandbreite der Kostüme von Sabine Blickenstorfer. Sie reicht von den kriegerischen Amazonen, ausgestattet mit großen Brüsten und antiken Helmen bis zu schwarz vermummten Scharfschützen unserer Tage. Die Besorgnis um die Welt und ihre Bestialität habe ihn angetrieben, die Oper zu schreiben, sagt Paul Dusapin.
Seitenweise Rhythmen auf zwei, drei Wörtern, die sich ständig wiederholen, Gesang, der mal geflüstert, mal ausgeschrieen wird, das habe viel Zeit für das Lernen ihrer Stimme erfordert, sagt Katrin Wundsam. Mit Bravour meistert das gesamte Ensemble die Partitur und zieht einen in den Bann der verheerenden, kriegerischen Auseinandersetzungen. Das Publikum dankt es mit langem, begeistertem Applaus.

Sechs Studierende aus Hannover haben mehrere Jahre zur Opernform gearbeitet. Am Montag präsentierten sie Ausschnitte ihrer Werke.

Seit 100 Tagen ist Vasco Boenisch Intendant des Schauspiels Hannover. Im Gespräch zieht er eine Zwischenbilanz und blickt auf die neue Spielzeit.