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Eine Ausfahrt der etwas anderen Art
Das Gravelfest hat mittlerweile schon vier Ausgaben hinter sich und ist eine gemeinsame Gravel-Ausfahrt im östlichen Teil Nordrhein-Westfalens, direkt am Teutoburger Wald gelegen. Wir lassen die obligatorischen Bielefeld-Verschwörungswitze jetzt mal kurz beiseite – und stellen stattdessen die ernsthafte Frage: Warum eigentlich ausgerechnet hier?
Diashow: Frühlingstrails im Teutoburger Wald: Darum war das Gravelfest in Bielefeld so gut
Das hat Gründe, denn der Gründer dieses Events ist Sven Busse. Sven betreibt mit dem „Gegenüber“ eine beliebte Bar im Herzen von Bielefeld am Kesselbrink. Und Sven ist nicht nur Barbetreiber, sondern einer der frühen BMX-Locals der Stadt – passenderweise ist der riesige Kesselbrink-Skatepark samt Halfpipe nur einen Steinwurf entfernt. Man kann es sicherlich so zusammenfassen: Sven ist generell Fahrradfan.
Egal ob Mountainbike, Gravelbike oder eben BMX – der Bielefelder legt nicht nur ein außerordentlich hohes Level an Fahrtechnik an den Tag, sondern ist fahrradtechnisch überall zu Hause. Auch das Interieur des Gegenüber zeugt von Action-Sportarten: Tische aus alten Snowboards, der Barbereich mit dutzenden alten Skateboard-Decks gepflastert. Dass dieser Laden schon so einige feuchtfröhliche Nächte durchlebt hat, ist auf jedem Quadratmeter spürbar.
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Im Gegenüber.
Und warum nicht so einen Ort als Start- und Ausgangsort für ein Gravel-Event nutzen? Das dachte sich Sven vor zwei Jahren auch: „Ich bin mal irgendwie durch einen anderen Community-Ride aus der Mountainbike-Szene im Allgäu auf die Idee gekommen, dass man so was machen kann. Ich fand das irgendwie eine tolle Sache, viele Menschen zusammenzubringen, Radbegeisterte. Und dann hab ich mir gedacht, ja geil, hier so mit der Kneipe hast du gute Startbedingungen, machst du das doch auch einfach mal. Dann hab ich mir halt so ein paar Sponsoren gesucht: hier den lokalen Radhändler Liquid-Life, meinen Bierbrauer Krombacher. Und immer verschiedene Limo-Leute wie jetzt Sinalco.“
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Leidenschaftlicher Biker und Gegenüber-Betreiber Sven.
Mittlerweile ist das Gravelfest bei Ausgabe 4 angekommen. Für Sven ist dabei vor allem eines entscheidend: dass möglichst viele Menschen gemeinsam eine gute Zeit auf dem Rad verbringen. Dabei ist die Teilnehmerzahl gedeckelt; first come, first serve, bei 60 Leuten ist Schluss. Für die Planung gibt’s eine WhatsApp-Gruppe, in der neben Infos und Haftungsausschluss auch die GPX-Route geteilt wird.
Zwar fährt hier garantiert keiner alleine rum, aber Sicherheit geht vor – und eine so große Gruppe zieht sich fast automatisch irgendwann auseinander. Und schließlich will man den Weg zur Kneipe natürlich auch zurückfinden. Ganz so ein Selbstläufer sind die Runden übrigens nicht – besonders beim ersten Probefahren für Ausgabe 1.
Sven dazu: „Auf jeden Fall war es unglaublich aufregend, die Strecke zu scouten. Und genau das macht mir immer noch riesigen Spaß: tolle Routen zu finden, möglichst viele Singletrails einzubauen – das fand ich einfach richtig geil. Wir hatten damals, in Anführungszeichen, „schlechtes“ Wetter. Es lag noch lange Schnee, die Strecken waren teilweise vereist.“ Die Runde war für Sven und seine Freunde beim Scouting im tiefsten Winter 2025/2026 bei Matsch und Schnee so anstrengend, dass sie teilweise abgebrochen werden musste.
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Das Scouting der Runde gestaltete sich als ziemlich schweißtreibend.
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Bei diesen Bedingungen hätte die Runde in Sachen Anstrengung eine andere Qualität gehabt …
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Glücklicherweise wurde es beim Gravelfest nicht so frostig wie hier.
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… und geregnet hat es auch nicht! – Fotos: Sven Busse
Du bist draußen im Wald, die Stimmung ist gut – und gleichzeitig kannst du der Szene auch ein bisschen etwas zurückgeben.
Sven Busse
Die Begeisterung über die bisherigen Ausgaben des Events ist Sven anzumerken: „Beim ersten Mal habe ich auf jeden Fall Blut geleckt, weil ich gemerkt habe, wie viel Spaß mir das Ganze macht. Du fährst mit so einem riesigen Pulk los – und vielleicht als kleine Zwischenbemerkung: Durch den GPX-Track kann im Grunde jeder in seinem eigenen Tempo fahren. Und was ich besonders schön finde: Wenn am Ende einfach so viele glückliche Gesichter zurückkommen. Du bist draußen im Wald, die Stimmung ist gut – und gleichzeitig kannst du der Szene auch ein bisschen etwas zurückgeben.“
Für die Frühlings-Ausgabe in diesem Jahr hat sich allerdings etwas verändert. Denn so schön Forstwege auch sind, ein bisschen trailiger durfte es für Sven dann doch werden. Während die ersten drei Veranstaltungen fast ausschließlich im Teutoburger Wald stattfanden, führte die Route dieses Mal stärker in die nördliche Hügellandschaft rund um Bielefeld.
„Bei der ersten Ausgabe und auch bei den beiden Malen danach sind wir fast ausschließlich in verschiedene Richtungen durch den weit verzweigten Teutoburger Wald gefahren. Das war supergeil, aber dieses Mal wird es ein bisschen „gravelesker“, wie ich ja schon angekündigt habe. Wir fahren eher in Richtung Nordwesten und orientieren uns dabei teilweise an alten historischen Stadtgrenzen. Auf dem Papier sieht die Route vielleicht erst mal ein bisschen langweilig aus. Aber es ist mega spannend zu sehen, wie viele kleine Wälder mit kleinen Singletrails uns da erwarten werden. Und da ist noch lange nicht alles ausgereizt“, so Sven.
55 km, 900 Höhenmeter: Das war das Gravelfest IV
Kommen wir zum eigentlichen Gravelfest. Am Samstag, den 7. März 2026, begab es sich also, dass sich rund 50 Recken auf den Weg ins Gegenüber machten, um dort gemeinsam das Gravelfest zu begehen. Und die vorher über die gemeinsame WhatsApp-Gruppe ausgegebene Route versprach durch den hohen Trail-Anteil durchaus knackig zu werden.
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Abfahrt nach Bielefeld! – Der Test des CheckOut steht übrigens in den Startlöchern – bald zu lesen!
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Erstmal ankommen.
Wetterprobleme hatten wir dieses Mal nicht, für Anfang März war das Wetter fast schon unverschämt gut. 17 Grad, perfekter Boden, kein Matsch und strahlende Sonne. So ging es nach einer ersten Stärkung mit Riegeln, Limo und dem obligatorischen Gruppenbild vor dem Gegenüber quer durch die Stadt. Den anstrengendsten Kletterteil der Runde gab es direkt zu Beginn: Mit ungefähr 250 Höhenmetern erkletterten wir den Sender in Bielefeld, den Fernmeldeturm Hünenburg. Und schon hier dankten wir dem Wettergott, dass wir trockene Wege erwischt hatten – bei schwergängigen Wegen voller Matsch hätte es die Gruppe sicherlich schon hier etwas dezimiert.
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Durch die Stadt …
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… bis es irgendwann Richtung Wald geht.
Die ersten Downhills wurden nach dem Sender hinter sich gebracht, ab nun ging es abseits des Teutoburger Waldes – nach einem fantastischen Fernblick vom Kamm in die Tiefebene – ab in die nördliche Hügellandschaft. Was folgte, war genau das, was sich Gravelbiker wünschen: schnelle Forstwege, überraschend viele Singletrails und kleine Pfade, die sich durch die Vorfrühlingswälder schlängelten. Samt pittoresken Brücken, der einen oder anderen Anhöhe und so mancher Wiesenüberquerung, die im Nassen praktisch unfahrbar gewesen wäre. Man munkelt, dass auch der eine oder andere ins Laub stürzende Fahrer gesichtet worden sei …
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Es geht über niedliche Pfade durch die Wälder.
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Angekommen am Sender – Der anstrengendste Teil der Runde ist geschafft.
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Hannes fotografiert …
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… Sven unterhält.
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Ein Wheelie muss zwischendurch auch mal sein! – Foto: Sven Busse
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Mega-Ausblick vom Kammweg.
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Mehrere Stopps sorgen dafür, dass die Gruppen lange beieinander bleiben.
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Immer mit dabei: Bastis Nusstüte für mehr Power (Schokoladenstückchen inklusive)
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Sven mit unfreiwilligem Bodenkontakt.
Wie so oft bei solchen Ausfahrten zerfiel der große Pulk nach und nach: vorne eine kleine Fraktion mit leichtem Rennmodus, dahinter viele entspannte Grüppchen mit Fotostopps, Sprüngen und gelegentlichen Trail-Spielereien. Einmal mehr machte sich angesichts der kleinen Verspätungen die vorher draufgeladene GPX-Route bezahlt! Die Sonne wanderte, und so langsam merkte man die Kilometer in den Beinen. Aber das Ziel war nicht mehr weit: Die letzten zehn Kilometer führten durch das maximal bevölkerte und frühlingsentspannte Städtchen, bis es am Ende wieder hieß: Einkehr in die Gegenüber-Bar.
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Auf geht’s wieder in die Stadt
Es ist natürlich auch geil, wenn die Leute satt, ein bisschen angetrunken und zufrieden sind und dann noch ein paar schwitzige Scheinchen in den Spendenblock werfen!
Sven Busse
Die Supporter hatten ganze Arbeit geleistet: Es wurden kiloweise selbst gekochtes Chili sin Carne und hopfige Kaltgetränke serviert. Das Event ist für alle Teilnehmenden kostenlos, finanziert wird das Projekt durch Sponsoren und Spenden. Sven dazu:
„Es gibt Freibier von Krombacher, ein paar Kisten Sinalco; Liquid Life sponsert auch noch eine Summe X. Damit kriege ich die Kosten natürlich nicht gedeckt. Ich bin tatsächlich auf freiwillige Spenden angewiesen, sonst zahle ich am Ende drauf. Das ist nichts, womit ich Geld verdiene. Das ist einfach Goodwill – und ich finde es geil, das zu machen. Natürlich wäre es schön, wenn viele von den Leuten, die hier mitfahren, später auch mal als Gäste in den Laden kommen. Das ist vielleicht ein Hintergedanke, der da auch mitschwingt. Und klar, es ist natürlich auch geil, wenn die Leute satt, ein bisschen angetrunken und zufrieden sind und dann noch ein paar schwitzige Scheinchen in den Spendenblock werfen!“
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Das Spendenschwein erfreute sich reger Beliebtheit.
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Einkehr im Gegenüber
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Und ein kühles Blondes gab es dazu.
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Ja, schmeckte so gut, wie es aussieht!
So stieß man also im sonnendurchfluteten Innenhof auf den Tag an, verputzte Chili und hielt das eine oder andere Nerd-Gespräch über Bikes und die gefahrenen Trails – insgesamt standen 55 km und knapp 900 Höhenmeter auf dem Tacho. Für mich ging es noch 30 km (diesmal ohne Berge) mit dem Rad nach Hause – ein absolut gelungener Tag, wie man einstimmig nach der Tour vernehmen konnte. Wir kommen wieder – im Herbst soll es Ausgabe Nummer 5 geben.
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Ein sehr guter Tag – wir danken für die Orga!
Lust auf das Event bekommen? Dann am besten nicht die nächste Gegenüber-Ankündigung auf Instagram verpassen!
Wärst du bei der nächsten Ausgabe dabei?
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