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theatershciff völlig ausgeloöst foto vd„Völlig losgelöst“: Coco (Sabine Bönecker, v.l.), Moni (Arlette Stanschus), Tanja (Anne-Kathrin Fremy) und Rosi (Suzanne Andres). © privat

Das neue Stück „Völlig losgelöst“ feiert Premiere mit vertrauten Gesichtern. Die Komödie über Wellness-Coaching und so weiter sorgt für Begeisterung beim Publikum.

Bremen – Das neue Stück „Völlig losgelöst – Auszeit für Anfängerinnen“ holt altbekannte Gesichter auf das Theaterschiff Bremen. Vor der Premiere am Freitagabend, der zehnten unter „Kapitän“ Paulo Bezerra, sagt dieser außerdem klar: „Wir bleiben hier.“ Das gibt Applaus. Nach der Aufführung präsentiert er stolz das neue Logo der schwimmenden Spielstätte. Entworfen hat es Kira Weigelt aus der Marketingabteilung.

Hinein ins Stück: Wellness, ein Entkommen aus dem Alltag, Glück – all das soll Moni liefern. SIe wird gespielt von Arlette Stanschus, die 2019 mit dem Ein-Personen-Stück „Verliebt, verlobt, verschwunden“ begeisterte. Aber: Kaum auf der Bühne, bricht Moni in Tränen aus. Singen hilft – erst mal. Doch bald kommen die Tränen zurück. Es kommen drei Gäste und wollen ihr Glückscoaching.

Moni setzt zur Begrüßung auf die Kraft der Umarmung. „Der Mensch braucht mindestens vier Umarmungen am Tag, um gesund zu bleiben“, sagt sie. Tanja (Anne-Kathrin Fremy) hat allerdings eine ganz andere Einstellung und verfügt über einen kommunikationsstarken Gesichtsausdruck, zumindest bei negativen Affekten. Keine Umarmungen, nicht mal eine!

Kommunikationsstarker Gesichtsausdruck

Fremy hat das Stück zusammen mit Florian Miro geschrieben. Es entstand für die Erstbesetzung, in die allerdings statt Stanschus die Schauspielerin Tabea Scholz gehört, die bald in die Rolle der Mona schlüpfen wird. Das gut harmonierende Team soll auch bei der Entstehung des Stückes eingewirkt haben. Fremy wollte zudem auch einmal die toughe Geschäftsfrau spielen. Dem Theaterschiff ist sie als burschikose „Mama Anke“ in der „Weiber“-Trilogie bekannt. Die extrem leicht reizbare und kaum entspannungsfähige Geschäftsfrau, geprägt vom harten Kampf darum, als Frau in der Führungsrolle anerkannt zu werden, liegt ihr genauso. Ihre zynischen Kommentare sind immer wieder absolut treffsicher.

Rosi, gespielt von Suzanne Andres, die auch Regie führte, ist frisch in Rente nach der Arbeit im Kirchenbüro und nun, wo ihre Kinder groß sind, mit der neuen Freiheit überfordert. Zudem hat sie Schwierigkeiten, ihren eigenen Wortschwall zu bändigen. Andres war bei „Weiber“ Claudia, eher tough und sich selbst als Diva des Schauspiels sehend. Als Rentnerin wirkt sie etwas durcheinander – sie verdreht laufend Sprichwörter und Sprachbilder. Auch das passt. Rosi erlebt eine immense Persönlichkeitsentwicklung.

Rosi verdreht Sprichwörter und Sprachbilder

Diese wird angestoßen von Influencerin und Beauty-Coachin Coco, herrlich nerdig gespielt von Sabine Bönecker, die etwa als Sandra in „Café Harmonie“ in der Komödie Bremen im Packhaus-Theater zu sehen war. Coco filmt heimlich für ihre Follower, als sie Rosi hilft, ihre „Inner-Sexiness“ zu finden. Moni stellt klar, Rosi muss in den „Full Transformation Mode“ (Erneuerungsprozess). „Was ist Dein Purpose? Was ist Deine Passion? Wofür brennst Du?“ Leider versteht Rosi sie nicht. Doch neue Kleider und auch der Song „Pink“ aus „Barbie“ helfen. Rosi tritt danach selbstbewusst auf. Moni nutzt Musik auch, um die Gäste voranzubringen, etwa wenn gemeinsam gesungen wird: „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich.“ Auch singen die Damen in Meditationspose „Völlig losgelöst von der Erde, schwebt die Seele völlig schwerelos“.

Vieles kommt zum Vorschein: Moni ist keine Coachin, sondern Besitzerin des Hauses, die von der engagierten Coachin im Stich gelassen wurde. Doch ihre Praktiken bringen die Handlung voran, auch wenn die Situation außer Kontrolle gerät. Gruppendynamik, Trinkspiele, eine Pilzvergiftung mit Folgen – die Damen machen einiges durch.

Und das Publikum im vollen Saal ist begeistert – das Wiedersehen mit den Schauspielerinnen entwickelt sich zu einem gelungenen Vergnügen. „Völlig losgelöst“ steht zunächst bis Ende Juni auf dem Spielplan des Theaterschiffs an der Tiefer.