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Da kommt Bewunderung auf und das Publikum geizt nicht mit Fragen. © Renate Hoyer Frankfurt
Architektin Antje Sommerkamp führte zwölf Gruppen durch ihr umgebautes Ernst-May-Haus. Die Sanierung zeigt respektvollen Umgang mit historischer Bausubstanz.
Mit so einem Andrang hatte Antje Sommerkamp nicht gerechnet. Eine Führung durch ihr 2024/25 umgebautes, 100 Jahre altes Ernst-May-Haus am Damaschkeanger in Praunheim hatte die Architektin am Wochenende über die Frankfurter Rundschau angeboten; am Ende kamen an zwei Tagen insgesamt zwölf Runden mit jeweils zehn, elf Leuten zusammen. Mit knapp 120 Quadratmetern ist die sich über drei Stockwerke ziehende Wohnfläche bei größeren Gruppen doch spürbar begrenzt. Und obwohl Sommerkamp das Original im Erdgeschoss durch einen Anbau für ein Wohnzimmer in den Garten hinein erweitert hat und Wände entfernen ließ, wurde es beim Durchgang nicht nur auf den schmalen Treppen schnell eng.
Schon die ersten Besucher:innen bewiesen durch ihre Fragen, dass sie sich auskannten mit den Eigenarten der Häusermodelle, die unter dem damaligen Stadtbaurat May und Oberbürgermeister Ludwig Landmann zwischen 1925 und 1930 entstanden. Umso mehr staunten sie über das, was möglich ist, wenn eine auf Umbauten spezialisierte Expertin wie Sommerkamp, die nach einer Bauzeichnerlehre in Dresden und Zürich studierte, sensibel Hand anlegt. Mit Respekt vor dem Ursprünglichen, aber ohne Scheu, Innovatives daraus zu kreieren.
Anregung gesucht
Für Jasmin Yillah könnte das Ergebnis als Vorbild dienen. Hat sie doch selbst 2019 ein ähnliches, mit 67 Quadratmetern allerdings deutlich kleineres May-Haus in der Nähe gekauft und bezogen und will es „irgendwann“ ebenfalls ummodeln. „Damals musste es schnell gehen“, sagt sie. An die noch vorhandenen Elemente der typischen „Frankfurter Küche“ im Stil von Margarete Schütte-Lihotzky hatte sie sich gar nicht herangetraut, für den Fall, dass man sie noch bewahren könnte, und lieber bei der Ernst-May-Gesellschaft angerufen. Die schickten jemanden vorbei, der alles vorsichtig entfernte und abtransportierte. Wahrscheinlich in das Lager an der Borsigallee, wie Alexandra Tielke vermutet. Dort würde wie in einem Museum all das gesammelt, was mal in die Häuser eingebaut gewesen sei.
Tielke hat auch schon bei einer Tour durch Mays eigenes Wohnhaus teilgenommen, das aber ganz anders gestaltet sei als seine Gebäude für die Allgemeinheit. Sie selbst interessiert sich, wie andere in der Gruppe, einerseits für das Thema, weil es zur Geschichte Frankfurts gehöre. Aber sie zeigt sich auch fasziniert von der schon damals fortschrittlichen, in die Zukunft weisenden und ökonomischen Bauweise. Andere Teilnehmer:innen der Führung rühmen die optimale Raumnutzung, die Sommerkamp noch forciert hat, indem sie alle Schränke und Regale in die Wände integriert hat.
Kopfschüttelnd betrachten die Gäste auf Bildern, wie es vorher aussah, als frühere Eigentümer Stück für Stück Veränderungen vornahmen und die Zimmer rustikal einrichteten. „Das kann man sich jetzt kaum mehr vorstellen, wie das ausgesehen hat“, sagt jemand, und es herrscht wenig Verständnis dafür, wie man das, was Sommerkamp wieder an Holzdielen oder Mauerwerk zutage gefördert hat, so lieblos überdecken konnte.
Das Grau, das jetzt im ganzen Haus vorherrscht und nicht zuletzt dem großzügig mit Wanne, Riesendusche und zwei Waschbecken ausgestatteten Bad, das früher das Durchgangs- und Schlafzimmer war, eine moderne Anmutung gibt, ist nicht jedermanns Sache. Aber wenn an sonnigen Tagen dank der neuen Achsen und Durchblicke das Licht durch die Räume flutet, wird das historische Haus sicher noch mehr als an diesem trüben Tag strahlen.