Paderborn/Bielefeld. Den Fahrtwind im Gesicht spüren, ohne von ihm erschlagen zu werden. Die Landschaft trotz Verkehrs bestaunen zu können. Das macht für mich die Leidenschaft des E-Radelns aus.

All diese Erfahrungen möchte ich zum Ostwestfalenduell für zwölf Mitradler erlebbar machen. 45 Kilometer liegen zwischen dem Paderborner und Bielefelder Stadion – der Weg ist das Ziel.

Schon bei der Terminierung am 27. Juni 2025 schiele ich auf das Wochenende der Partie von Paderborn auf der Bielefelder Alm – im Winter würde die spätere Erfolgsgeschichte sicher nicht in der Form zustande gekommen sein. Es wird der 14. März 2026. Eine Jahreszeit, in der bei Radelfreunden die Saison startet.

So begann meine Fahrradleidenschaft für den SC Paderborn

Ein Besuch beim Trainingslager des SC Paderborn am Walchsee auf der Reise von Budweis nach Verona bringt mich noch als einfacher Leser in meine zukünftige Zeitung. Weitere Auswärtsspiele auf dem Rad folgen.


Um 7 Uhr haben sich die Paderborner Radelfreunde am Paderborner Stadion getroffen. - © Marek Schnelle

Um 7 Uhr haben sich die Paderborner Radelfreunde am Paderborner Stadion getroffen.
| © Marek Schnelle

Durch Mundpropaganda kommt eine vielfältige Truppe zusammen. Sebastian als Mitglied des Paderborner Fanpodcasts „Padercast“, Verteter des Fanclubs „Old Boys United“ und zahlreiche Freunde meines jüngeren Bruders Jonah Maxim. Auch der stellvertretende Pressesprecher des Vereins, Henry Lausen, schließt sich an.

Ebenso radelt das Bielefelder-Fanherz mit, ist Mitfahrer Mathis doch stets gespalten zwischen der Arminia-Leidenschaft seines Vaters und dem Aufwachsen im SCP-Freundeskreis. Er wird ebenfalls heile am Bielefelder Stadion ankommen.

Zum Thema: Fan reist mit Rad und Röhrstimme dem SC Paderborn 07 ins Trainingslager hinterher

Die Wettervorhersage: zwischen Problem und Motivation

Noch bevor überhaupt geradelt wird, droht die Unternehmung aufgrund des Wetters zu scheitern – drei bis sieben Grad und Regen versprechen eher eine Erkältung als eine gemütliche Tour. Erste Zweifel von Mitfahrern werden laut.

Aber wie heißt es doch so schön: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.“ Für Padercast-Mitglied Sebastian ist es ein ganz besonderes Prestigeprojekt: Für die Teilnahme und die Trainingszeiten zur Tour gibt er laut eigener Aussage nach Verhandlungen mit der Chefin des Familienrates mehrere weitere SCP-Spiele auf. Das ist wahre Hingabe.

Die Fahrt aus Paderborn beginnt stockend

Um 7 Uhr morgens trifft sich die Truppe schließlich am Paderborner Stadion. Nach einigen Fotos setzt sich der Tross schließlich in Bewegung – und kommt bloß zwei Kilometer weit. Die Menge hat Hunger. Beim Bäcker wird sich eingedeckt. Sogar die angrenzende Fleischerei wird für Mettbrötchen aufgesucht.

Mit großen Ambitionen starten wir erneut – um doch nach weiteren zwei Kilometern zu einer weiteren Pause gezwungen zu werden: Der Korb von Louan löst sich. Geistesgegenwärtig fragt Sebastian auf dem Elsener Penny-Parkplatz einen dort parkenden Handwerker nach Kabelbindern. Kurze Zeit später ist der Korb wieder befestigt.


Louan (v.l.) und Frank Chomiak vom Baubeschlaghandel Brune reparieren das Fahrrad mit Kabelbindern. - © Marek Schnelle

Louan (v.l.) und Frank Chomiak vom Baubeschlaghandel Brune reparieren das Fahrrad mit Kabelbindern.
| © Marek Schnelle

Als wir nach rund einer Stunde Sande erreichen, machen sich erste Zweifel breit. Wenn es so weitergeht, würde die Gruppe die Alm niemals bis zum Anpfiff erreichen.

Internetverbindung wird zum Problem

Parallel befinde ich mich im ständigen Kampf mit der Internetverbindung, um das Social-Media-Team der NW zu versorgen. Leider wird es am Ende nur rund die Hälfte der Aufnahmen planmäßig zum Medienteam schaffen.

Fortan geht es schließlich zügig weiter. Nachdem wir das Zentrum von Hövelhof durchfahren, mehren sich die Arminia-Fahnen in den Vorgärten. Vor uns liegen noch rund 30 Kilometer bis zur Alm.


Nach rund 15 Kilometern hat die Reisegegruppe die Ems überquert. - © Marek Schnelle

Nach rund 15 Kilometern hat die Reisegegruppe die Ems überquert.
| © Marek Schnelle

Wir passieren einen trotz Regen gut befahrbaren Waldweg und überqueren dabei die Ems. Eine schöne Gelegenheit für ein weiteres Foto. Beim Aufstellen fürs Foto werden die abgestellten Räder beinahe zum Domino. Jona als Verursacher stoppt das Kippen der Räder jedoch reaktionsschnell.

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Im Holter Wald wird es matschig

Über die Felder von Riege und Liemke erreichen wir den Holter Wald. Ich kenne ihn bereits als wahre Schlammgrube, selbst bei trockenem Wetter. Deshalb überrascht es mich, dass bei diesem Dauerregen die Strecke überhaupt passierbar ist. Überrascht bin ich aber auch aus einem anderen Grund: Eigentlich habe ich im Navi wegen des Wetters eine Ausweichroute eingeben.

Ich scheine bei der Matschpartie die meisten Schwierigkeiten zu haben. Von Anne, unserer einzigen Radlerin, höre im Hintergrund nur: „Das macht echt Spaß.“


Zwischen Radeln und guter Gastgeberschaft: Die Arbeitskollegen Robert Böhle und Petra Erosser. - © Anne Leithäuser

Zwischen Radeln und guter Gastgeberschaft: Die Arbeitskollegen Robert Böhle und Petra Erosser.
| © Anne Leithäuser

Wenige Minuten später erreicht die Community in Sennestadt das Haus der netten Arbeitskollegin Petra vom Mitradler Robert. Alle freuen sich über eine Toilette, einen Snack oder einen heißen Tee. Allzu viel Zeit haben wir aber nicht.

Fahrttipps von Bielefeldern

Für die Weiterfahrt warnt uns Petra vor einer Baustelle in Brackwede:„Ihr müsst vermutlich um den Berg herumfahren.“ Da ich die Strecke mitsamt Baustelle bereits aus vergangenen Fahrten kenne, entscheiden wir uns als Gruppe dennoch für den Weg des Navis.

Im Video: Das sagen die Arminia-Fans nach dem 2:2 im OWL-Duell gegen den SC Paderborn

Mit Erfolg: Wir stehlen uns durch die Fußgängerwege und kommen wie geplant im Zentrum Brackwedes heraus. Ich tröte einige Male mit meiner gelben Hupe. „Genießt die weitere Strecke jetzt“, rufe ich. Nun steht nämlich die „Brackweder Autobahn“ an – eine Abfahrt, auf der Radler sich einfach rollen lassen können.

„Kette raus!“ Höre ich plötzlich von Louan hinter mir. Ich möchte ihn gerade für verrückt erklären, dass er den Paderborner Trainer rausschmeißen möchte. Sein Bruder Matheo erinnert mich aber daran, dass wir Fahrrad fahren. Schnell ist die Fahrradkette aber wieder eingehängt.

Paderborner Fanmarsch in Bielefeld


Im Stadion trennten sich die Wege der Radler: Vielleicht nehmen auch diese SCP-Fans aus Elsen und Minden das nächste Mal das Fahrrad. - © Marek Schnelle

Im Stadion trennten sich die Wege der Radler: Vielleicht nehmen auch diese SCP-Fans aus Elsen und Minden das nächste Mal das Fahrrad.
| © Marek Schnelle

An der Kunsthalle vorbei ist es nun nicht mehr weit bis zur Alm. Passenderweise kommen wir kurz vor dem Paderborner Fanmarsch am Stadion an. Dort angekommen ist noch einiges an Überzeugung bei den Ordnern notwendig, um die Fahrräder auf dem ebenerdigen Ascheplatz zu parken und nicht auf einer abschüssigen Einfahrt des Tennisplatzes.

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Mein Respekt gilt vor allem Padercast-Mitglied Sebastian und den Old-Boys-United: Während ich in Bielefeld bleibe, wird die Gruppe nach dem Spiel den gleichen Weg ins Paderborner Land zurückfahren – samt Kettenbruch. Wie sie den so schnell behoben bekommen haben, müssen sie mir noch erklären.

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