Liebevoll eingedeckte Tische bestimmen das Bild in der Mensa der Anne-Frank-Gesamtschule im Rahser. Wobei auf jedem der Teller eine verpackte Dattel liegt. „Mit der Dattel starten wir jeden Abend das Fastenbrechen“, sagt Reem, die die Q1 der Gesamtschule besucht und an diesem Abend zu den angemeldeten 136 Gästen gehört, die am gemeinsamen Fastenbrechen teilnehmen. Was im vorigen Jahr zum ersten Mal an der Gesamtschule stattfand, wird in diesem Jahr wiederholt. Erneut haben sich Lehrer und Schüler gemeinsam bei den Vorbereitungen eingebracht. „Das gemeinsame Fastenbrechen passt gut ins Schulgeschehen. Wir möchten es ins Schulleben integrieren, wie es auch der Fall bei Weihnachtsfeiern und Karnevalsfeten ist, wo wir genauso gemeinsam feiern“, sagt Schulleiterin Ilka Werner.

Die Gesamtschule mit ihren 1200 Schülern weißt einen hohen Anteil an Personen mit orientalischen Wurzeln auf. Muslime sind in jeder Klasse vertreten. Das spiegelt sich auch darin wieder, dass gut 300 Schüler zum Ramadan fasten. „Probleme zwischen fastenden und nicht fastenden Schülern haben wir aber nicht. Es herrscht eine gegenseitige Akzeptanz“, sagt Werner. Bei ihrer Begrüßungsansprache erinnert sie daran, dass der Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan in diesem Jahr fast in die gleiche Zeit wie die christliche Fastenzeit falle. „Auch wenn die religiösen Traditionen unterschiedlich sind, steckt in beiden Zeiten eine ähnliche Idee. Innehalten, bewusster leben, dankbar sein für das, was wir haben, und aufeinander achten“, sagt die Schulleiterin. Sie stellt den Moment des miteinander Teilens in den Vordergrund. „Gerade in einer Zeit, in der wir täglich von Kriegen, Konflikten und Spannungen in der Welt hören, ist es umso wichtiger, Orte zu schaffen, an denen Menschen friedlich zusammenkommen. Wir können die großen Konflikte der Welt hier nicht lösen. Aber wir können im Kleinen zeigen, wie ein respektvolles und friedliches Miteinander aussehen kann“, betont Werner. Sie hebt hervor, dass das gemeinsame Fastenbrechen mehr als nur eine schöne Tradition sei. Es sei auch ein Zeichen dafür, dass unterschiedliche Kulturen, Hintergründe und Glaubensüberzeugungen an der Schule nicht trennen, sondern bereichern würden. „Wenn wir einander begegnen, miteinander sprechen, voneinander lernen und aufeinander achten, entsteht genau das, was wir in unserer Gesellschaft so dringend brauchen: Verständnis, Toleranz und gegenseitige Wertschätzung“, sagt Werner.

Zu den Gästen, die sich in der Aula für die Begrüßung eingefunden haben, gehören neben Lehrern, Eltern und Schülern auch der Nettetaler Kinderarzt Sulaiman Al Sawaf und Jamal Khalid von der Islamischen Gemeinschaft für Spiritualität und gesellschaftliches Engagement an. Wie im Vorjahr sprechen die beiden einführende Worte zum Ramadan. Für Soukaib gehört das Fastenbrechen seit Jahren zu seinem Leben. Der 19-Jährige fastete mit 13 Jahren zum ersten Mal. „Mir fällt es eigentlich leicht. Man gewöhnt sich daran. Der Ramadan hat eine besondere Atmosphäre“, sagt Soukaib.

Für Elisa ist das Fasten hingegen kein Thema. „Ich respektiere, wenn jemand fastet. Ich persönlich esse dann nicht direkt vor der Nase eines Fastenden. An unserer Schule läuft diese Zeit sehr harmonisch ab. Man achtet sich gegenseitig“, sagt die 18-jährige Oberstufenschülerin. Mykim hat ebenfalls kein Problem damit, dass ihre Freundin Reem fastet, wenngleich „ich mich schon ein bisschen komisch fühle, wenn ich in ihrem Beisein esse, obwohl sie mir immer versichert, dass ihr das nichts ausmacht“, sagt die 18-Jährige.

Für Reem beginnen die Tage in der Fastenzeit früh. Der Wecker geht um 4.30 Uhr, damit die Familie vor Sonnenaufgang mit einem gemeinsamen Frühstück starten kann. „Ich lege mich danach immer noch hin, bis der Wecker für die Schule klingelt“, sagt sie. Was die 19-Jährige in der Fastenzeit schön findet, ist das abendliche gemeinsame Fastenbrechen, das nicht nur mit der Familie, sondern mit Freunden zusammen stattfindet und für das immer etwas Besonderes gekocht wird.