15. März 2026

Matthias Lindner

Moderne Drohne mit Rückstellvorrichtung für Bomben in den Händen eines ukrainischen Soldaten.

(Bild: Parilov / Shutterstock.com)

Die Ukraine wehrt jede Nacht russische Drohnen ab – jetzt wird dieses Know-how zum Handelsgut für Geld und Technologie.

Es gibt wohl kein Land, das so viel Erfahrung im Krieg mit Drohnen hat, wie die Ukraine und Russland. Und es ist diese Erfahrung, die der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj jetzt als diplomatisches Kapital nutzen möchte.

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Laut Reuters erklärte er gegenüber Reportern, dass Kiew drei Spezialteams in den Nahen Osten entsandt hat. Einmal nach Katar, dann in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Saudi-Arabien und zu einem US-Stützpunkt in Jordanien.

Dort sollen sie zeigen, wie Drohnenabwehrsysteme gegen iranische Kamikaze-Drohnen funktionieren und effektiv angewandt werden können.

Selenskyj erwartet Gegenleistung von Golfstaaten

Es ist aber nicht Altruismus, der die Regierung in Kiew dazu veranlasst hat. Vielmehr erhofft man sich für die Dienste Geld und Technologie als Gegenleistung.

„Für uns sind heute sowohl die Technologie als auch die Finanzierung wichtig“, sagte Selenskyj. Er betonte, dass langfristige Drohnenabkommen mit den Golfstaaten verhandelt werden könnten.

Die genaue Gegenleistung stehe bisher nicht fest. „Es geht hier nicht darum, an Operationen beteiligt zu sein. Wir befinden uns nicht im Krieg mit dem Iran“, stellte er klar.

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Die Golfstaaten setzen große Mengen teurer Luftabwehrraketen gegen iranische Shahed-Drohnen ein. Die Ukraine hingegen schießt jede Nacht russische Drohnen mit günstigeren Mitteln ab – darunter kleinere Abfangdrohnen und elektronische Störgeräte.

Dieses Know-how weckt internationales Interesse: Laut Selenskyj baten auch die USA, europäische und afrikanische Staaten um Unterstützung. US-Präsident Donald Trump erklärte allerdings, Washington brauche keine ukrainische Hilfe beim Abschuss von Drohnen.

Selenskyj kritisierte zudem, dass einige ukrainische Unternehmen und ausländische Regierungen versucht hätten, Geschäfte mit Anti-Drohnen-Ausrüstung ohne Zustimmung aus Kiew abzuschließen.

Einen geplanten Drohnenvertrag mit den USA im Wert von 35 bis 50 Milliarden Dollar habe Washington bislang nicht unterzeichnet.

Friedensgespräche geraten durch Nahostkrieg ins Stocken

Gleichzeitig sorgt sich Kiew um die Auswirkungen des Nahostkonflikts auf die eigenen Luftabwehrbestände und den Friedensprozess. „Wir würden es sehr bedauern, wenn sich die Vereinigten Staaten wegen des Nahen Ostens von der Ukraine-Frage abwenden würden“, sagte Selenskyj.

Die Befürchtung ist nicht unbegründet: Die für Anfang März geplante Verhandlungsrunde in Abu Dhabi fiel nach den völkerrechtswidrigen US-amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran aus.

Ein neuer Termin steht nicht fest. Washington schlug ein Treffen in den USA vor, doch Russland lehnte den Ort ab.

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bestätigte gegenüber der Financial Times: „Es ist klar, dass Amerikas Aufmerksamkeit derzeit auf den Nahen Osten gerichtet ist“.

Russland profitiert – Europa drängt auf Fortschritte

Moskau zieht derweil Vorteile aus der Situation. Steigende Ölpreise durch den Iran-Krieg bescheren dem Kreml laut EU-Diplomaten zusätzliche Einnahmen von bis zu 150 Millionen Dollar pro Tag.

Gleichzeitig lockerten die USA Sanktionen und ihren Druck auf Indien, kein russisches Öl zu kaufen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow räumte die Gesprächspause ein: „Die Amerikaner haben andere Prioritäten, und das ist verständlich“.

Europäische Staats- und Regierungschefs versuchen gegenzusteuern. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empfing Selenskyj in Paris, um dem „Eklipse-Effekt“ des Iran-Kriegs entgegenzuwirken.

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz warb im Weißen Haus für stärkeren Druck auf Moskau – Trump zeigte sich jedoch wenig gesprächsbereit.

Auf dem Schlachtfeld sieht Selenskyj die Lage dennoch nicht aussichtslos. Das ukrainische Militär gehe davon aus, dass eine geplante russische Frühjahrsoffensive „bereits gescheitert“ sei.