Duisburgs Philippe Sanche kassiert kurz vor Schluss eine Zwei-Minuten-Strafe wegen Spielverzögerung. In der Lindauer BPM-Arena weckt das Erinnerungen an das Comeback am Dienstag (5:4 n.V.), als ein solches Vergehen mit dem Ausgleichstreffer bestraft wurde. Aber die Geschichte wiederholte sich am Sonntag nicht. Es fiel zwar ein Tor, aber auf der Gegenseite: Noah Kane verlor zum ungünstigsten Zeitpunkt den Puck und Carter Popoff traf ins leere Tor (59.). Für die EV Lindau Islanders zerplatzte in diesem Moment der Traum vom ersten Viertelfinaleinzug der Vereinsgeschichte. Die Inselstädter verloren das zweite Heimspiel im Play-off-Achtelfinale der Eishockey-Oberliga mit 2:4 (1:1, 0:1, 1:2) und damit auch die Best-of-Five-Serie gegen die Füchse Duisburg mit 1:3.

Ich glaube, dass die Serie eng war. Wir haben mehr Fehler gemacht, die bestraft wurden, aber die Mannschaft hat ihr Herz auf dem Eis gelassen und kann stolz sein.

Michael Baindl, Trainer der EV Lindau Islanders

„Ich glaube, dass die Serie eng war. Wir haben mehr Fehler gemacht, die bestraft wurden, aber die Mannschaft hat ihr Herz auf dem Eis gelassen und kann stolz sein“, sagte Michael Baindl, Trainer der EV Lindau Islanders. Er verlässt den Süd-Oberligisten nach zwei Jahren, sein neues Ziel ist noch nicht bekannt.

Brlic kompensiert das Fehlen von Willerscheid

Frank Petrozza, Trainer der Füchse Duisburg, bekräftigte: „Es war taff.“ Umso glücklicher ist er, dass das Weiterkommen gelungen ist: „Wir genießen das jetzt. Auf dem ganzen Weg nach Hause (rund 630 Kilometer, Anm. d. Red.) wird es eine Feier geben.“ Ein Kompliment richtete er an den jungen und unerfahrenen Torwart Marko Brlic, der in die Bresche springen musste, weil Förderlizenzspieler Leon Willerscheid von seinem Stammclub Adler Mannheim abgezogen wurde.

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Die erneute Serienführung nach dem 5:2-Heimsieg zum Auftakt holte sich die Füchse am Freitag mit dem 4:3-Sieg nach Verlängerung. Duisburg schaffte das, was zuvor Lindau gelang. Die Nordrhein-Westfalen drehten ebenfalls einen Rückstand. Andreas Farny (14., 36.) und Zan Jezovsek (26.) brachten die Islanders mit 3:1 in Front. Sanche, der das 1:0 für die Füchse erzielte, verkürzte in Überzahl auf 2:3 (38.). Ein Schuss von Pascal Grosse wurde zur Bogenlampe und landete hinter EVL-Goalie Daniel Filimonow im Tor (54.). Trotz guter Chancen auf beiden Seiten ging es in die Verlängerung. Und hier schoss Adam Zoweil das entscheidende Tor. Nach zwei Minuten und vier Sekunden verwertete er einen Pass von Carolus Nagtzaam aus aussichtsreicher Position zum 4:3.

Grafenthin bemängelt die fehlende Cleverness

„Duisburg war bockstark“, lobte Baindl den Lindauer Play-off-Gegner. Positiv hob er hervor, dass seine Mannschaft dagegengehalten und gekämpft habe. Aufgeben kam nicht infrage, vor ausverkaufter Kulisse (1250 Zuschauer) wollten die Islanders das Entscheidungsspiel erzwingen. „Das ist das Schönste, was es gibt. Es ist unglaublich, was unsere Fans auf die Beine stellen“, freute sich Dominik Grafenthin – der Entscheider des zweiten Play-off-Spiels – über die Unterstützung im Achtelfinale.

Gleichzeitig forderte der 30-Jährige von seiner Mannschaft mehr Cleverness ein. Die ließ der EVL aus seiner Sicht schon am Freitag vermissen, „sonst hätten wir das Spiel gewonnen“, sagte Grafenthin. Konkret meinte er damit, dass die Lindauer bei Führung, das Risiko minimieren müssen. Als er das im SpradeTV sagte, war der erste folgenschwere Fehler schon geschehen. Eetu Elo gab die Scheibe wenige Sekunden vor Schluss noch einmal her und ermöglichte Duisburg damit eine letzte Chance im ersten Drittel. Diese nutzte Sanche 13 Sekunden vor Schluss zum 1:1-Ausgleich. Für den 30-jährigen Kanadier war es der fünfte Treffer in der Serie. Elo, der beim Gegentreffer schlecht aussah, hatte die Gastgeber in der fünften Minute in Führung geschossen. Bei seinem Schuss ins kurze Eck war Brlic machtlos.

Konterstarke Duisburger treffen zweimal in Unterzahl

Die Füchse Duisburg profitierten von der Rückkehr von Sandis Zolmanis. Der Lette bewies schon am Freitag seine Klasse und bestätigte das auch am Sonntag in Spiel 4. Insbesondere am Anfang des zweiten Drittels, als er einen Konter mit einem Schuss in den linken Winkel hervorragend abschloss (21.). Filimonow war zum zweiten Mal geschlagen und schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Duisburger auf 3:1 erhöhen. Die Gäste schnürten die Islanders hinten ein, ließen ihre Gelegenheiten aber liegen. Das hätte sich beinahe in Form des Ausgleichstreffers gerächt. Immer war Kane beteiligt: Nach einem Alleingang scheiterte er am Pfosten (34.). Außerdem initiierte er mit Puckeroberungen zwei Großchancen von Elo, der aber jeweils an Brlic scheiterte (24., 38.).

Lindau kam gut aus der Pause und belohnte sich. Elo brachte einen Querpass von Kane zum 2:2 im Tor unter – eingeleitet wurde die Szene durch eine starke Aktion von Damian Schneider (45.). Schlussendlich waren zwei Puckverluste des US-amerikanischen Aktivpostens Kane entscheidend. Duisburg spielte seine Konterstärke aus und war zweimal in Unterzahl erfolgreich. Erek-Dirk Virch (55.) und Popoff (59.) vollendeten zum 4:2-Sieg für Duisburg. Das Team setzte somit die Forderung von Michel Ackers um, der in der zweiten Drittelpause die klare Marschroute vorgab, weiter die qualitative Überlegenheit auf dem Eis zu zeigen.

Eine Serie wird im fünften Spiel entschieden

In mehreren Play-off-Duellen ist schon früh eine Entscheidung gefallen. Die Hannover Scorpions, die Tilburg Trappers, die Hannover Indians, der Deggendorfer SC und die Selber Wölfe feierten nach nur drei Spielen am Freitagabend den Einzug ins Viertelfinale der Eishockey-Oberliga. Neben Duisburg kam auch der ECDC Memmingen (7:2 bei den Icefighters Leipzig) am Sonntag eine Runde weiter. Die Hammer Eisbären verhinderten ein Ausscheiden am Sonntag. Nach 2:4-Rückstand siegten sie mit 5:4 nach Verlängerung gegen die Tölzer Löwen. Diese Serie wird damit in Spiel 5 am Dienstag (19.30 Uhr) in Bad Tölz entschieden.

Oberliga-Achtelfinale:

Spiel 4: EV Lindau Islanders – Füchse Duisburg 2:4 (1:1, 0:1, 1:2). – Tore: 1:0 (04:03) Eetu Elo (Kane), 1:1 (19:47) Philippe Sanche (Üffing, Popoff), 1:2 (20:25) Sandis Zolmanis (Kiedewicz, Kuschel), 2:2 (44:13) Eetu Elo (Kane, Grafenthin), 2:3 (54:06 UZ) Erek-Dirk Virch (Zolmanis), 2:4 (58:31 UZ/empty net) Carter Popoff (Zolmanis) – Strafen: Lindau 13 Minuten, Duisburg 13 Minuten – Zuschauer: 1250.

Spiel 3: Füchse Duisburg – EV Lindau Islanders 4:3 n.V. (1:1, 1:2, 1:0, 1:0). – Tore: 1:0 (08:42) Philippe Sanche (Üffing, Popoff), 1:1 (13:57) Andreas Farny (Jezovsek, Feigl), 1:2 (25:11) Zan Jezovsek (Farny, Baßler), 1:3 (35:35) Andreas Farny (Grafenthin, Elo), 2:3 (37:44 ÜZ) Philippe Sanche (Üffing, Zolmanis), 3:3 (53:10) Pascal Grosse (Üffing), 4:3 (62:04) Adam Zoweil (Nagtzaam, Virch) – Strafen: Duisburg 4 Minuten, Lindau 4 Minuten – Zuschauer: 2007.