Benjamin Weber sprach mit ruhiger Stimme. Wie der Sportdirektor des FC Augsburg das meist macht. In seiner Position kann es hilfreich sein, die Ruhe zu bewahren. Auch in schwierigen Momenten. Am Samstag war ein solcher, die 0:2-Niederlage des FC Augsburg in Dortmund hatte eher aufgrund der eigenen Leistung als wegen des reinen Ergebnisses aufs Gemüt geschlagen. Wie ein ungebetener Gast bei einer Hochzeit, der in letzter Minute die Trauung verhindert.
Weber also stand im Pressekonferenzraum der Dortmunder Arena. Es ist ein großer Saal mit vielen Sitzplätzen. Die Einlassungen der beiden Trainer hatte Weber zunächst aus dem hinteren Teil des Raums gemeinsam mit Geschäftsführer Michael Ströll verfolgt. Später analysierte er das Gesehene. Selbst die ruhige Tonlage nahm nichts von der Klarheit seiner Aussagen. „Die Botschaft muss sein: Wir sind noch nicht durch. Wenn das einer glaubt, ist er komplett falsch bei uns“, sagte Weber.
Noch nicht durch bedeutet in der Sprache des Fußballs, dass das Ziel noch längst nicht erreicht ist. Beim FC Augsburg ist das Jahr für Jahr zunächst der Klassenerhalt. Der scheint mit 31 Punkten greifbar, könnte aber bei einer Fortsetzung solcher Leistungen wie am Samstag tatsächlich noch einmal in Gefahr geraten. Weber war wichtig, darauf hinzuweisen.
Finn Dahmen überzeugt als einziger Augsburger
Wohl auch, weil er die Augsburger Vergangenheit kennt und weiß, dass in den vergangenen Jahren an den letzten Spieltagen nicht mehr sehr ausgiebig gepunktet wurde. Weil die Luft raus war, als der Klassenerhalt feststand. „Das lasse ich nicht zu“, sagte Weber am Samstag.
Die Augsburger haben nun zweimal in Folge verloren. Dem 1:2 in Leipzig folgte das 0:2 in Dortmund durch die Treffer von Karim Adeyemi (13.) und Luca Reggiani (59.). Es hätten noch weitere Gegentreffer folgen können, das aber verhinderten ein starker Torwart Finn Dahmen sowie das Dortmunder Ungeschick. Gleich zweimal klatschte der Ball an die Latte des FC Augsburg. Der FCA war noch glimpflich davongekommen. „Wir müssen wieder anfangen, zu kämpfen“, sagte Weber.
Die Augsburger sind deutlich weniger gelaufen als die Gastgeber, sie sind seltener gesprintet und lagen auch sonst in jeder erdenklichen Statistik hinten. Die aber hatte Trainer Manuel Baum am Samstag gar nicht gebraucht. Sie bestätigen lediglich sein Gefühl, das er während der gesamten Partie hatte. „Wir sind heute nicht annähernd an unsere Leistungsgrenze gekommen“, sagte Baum. Aber weshalb?
„Wir gehen jetzt an die Ursachenforschung“, sagte der Coach. Im Training habe nichts auf einen solchen Leistungseinbruch hingedeutet. Am Samstag konnte Baum nur Vermutungen anstellen. So könnten die Spieler mit dem Gedanken in die Partie gegangen sein, dass es auch in Dortmund irgendwie klappen werde. Hatte es ja bereits beim FC Bayern und zumindest von der Leistung her vor einer Woche auch in Leipzig. In Dortmund aber funktionierte es nicht. „Mit einer solchen Leistung wird es schwer, Punkte zu holen“, sagte Baum.
Die Spieler saßen enttäuscht in der Kabine
Entscheidend sei es nun, wie das Team mit dieser Niederlage umgehe. Nach Spielschluss seien alle enttäuscht und mit hängenden Köpfen in der Kabine gesessen. „Die Spieler müssen nun selbst die Antwort auf diese Leistung geben“, sagte Baum. Und: „Mein Gefühl ist, dass uns heute früh der Mut verlassen hat.“ Dortmund nutzte das und zeigte eine starke, weil spielerisch wertvolle Leistung. Der FCA erinnerte dagegen an längst vergangen geglaubte Zeiten.
Es habe keinen Moment in diesem Spiel gegeben, der für Hoffnung auf Augsburger Seite gesorgt habe, meinte Benjamin Weber. Dazu habe zu viel gefehlt. Laufbereitschaft und Einsatz. Grundtugenden, die es im FCA-Spiel immer braucht. Sonst wird es mit Zählern schwer. „Es gibt noch viele Punkte“, betonte Weber, „aber wir waren heute nicht bereit, diese Punkte zu holen. Das ärgert mich.“ Es solle bloß keiner glauben, dass die Saison beendet sei, betonte er immer wieder. „Wir müssen nochmal alle wachrütteln. Wir haben das Ziel, jede Woche abzuliefern“, sagte Weber. Nächste Chance ist am Sonntag (19.30 Uhr) im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart.
Am Samstag hatte der FCA neben Dahmen mit Nediljko Labrovic und Daniel Klein zwei weitere Torhüter im Kader. Ungewöhnlich, war aber nötig, um den Kader aufzufüllen. Mit Tim Schnitzer und Ismael Gharbi fehlten zwei Akteure kurzfristig krankheitsbedingt. Yannik Keitel ist ebenso wie Jeffrey Gouweleeuw und Chrislain Matsima weiter verletzt. Noahkai Banks saß diesmal wegen seiner Probleme am Sprunggelenk nur auf der Bank. Personalprobleme also, die allerdings nicht ursächlich für die Leistung waren.
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Marco Scheinhof
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