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Künstler Serhii Poiatzi und Mittelschul-Leiter Frank Pfaffenberger zeigen eine der Vorlagen, die auf eine Stele übertragen werden sollen. Im Hintergrund ist durch die Glasscheibe ein Teil des bunten Reliefbildes von Poiatzi zu erkennen. © Hans-Helmut Herold
Der ukrainische Künstler gestaltet ein monumentales Kunstwerk für die Mittelschule Schongau. Das Motiv zeigt seine tiefe Dankbarkeit gegenüber der Stadt.
Schongau – Es geht dem Ende entgegen: Vor allem im Außenbereich der Mittelschule Schongau herrscht Hochbetrieb. Bis zu den Osterferien muss dieser Bereich fertig angelegt sein, nach den Ferien soll bekanntlich der Unterricht in den neu gestalteten Räumen beginnen. Auch dort werden noch die letzten Feinarbeiten verrichtet.
Mit einem Messer zeichnet Serhii Poiatzi die Konturen in den noch feuchten Beton, der auf die Stele aufgetragen wurde. © Herold
In der großen Aula fällt ein Arbeiter auf, der dort an einem fast unförmigen Gebilde arbeitet. Der Mann rührt verschiedene Materialien an, die er mischt und mit Spachtel und Kelle an dem Gebilde anbringt. Mit einem Messer ritzt er Linien ein, die er von einem bunten Gemälde überträgt. Das Ganze gibt Rätsel auf. Vor allem aber auch, wer sich hinter dem Arbeiter verbirgt.
Das Gesicht des Arbeiters kommt dem Betrachter bekannt vor. Des Rätsels Lösung kommt wie von selbst. Es ist Serhii Poiatzi, der nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine sein Land verlassen musste. Auf Umwegen ist er in Schongau gelandet und darf hier in einem Zimmer wohnen.
Er möchte sich erkenntlich zeigen
Serhii Poitazi war in seiner ukrainischen Heimatstadt Enerhodar Ingenieur für Keramik-Produktion. Als er merkt, was man aus diesem Material für tolle Skulpturen schaffen kann, wechselt er in Richtung Kunst. Seit den 90er Jahren betrieb er eine eigene große Werkstatt mit Atelier, wo er Großskulpturen aus Beton herstellte. Sein Herz aber schlägt für Mosaiken, die er in den verschiedensten Variationen gestaltet.
So hat er in seinem Heimatland viele große Mosaiken geschaffen, die in der Technik an die der Antike erinnern. Eine Arbeit, die von ihm viel Feingefühl und Geduld abverlangt. Die Farbkombinationen sind bei Poiatzi nicht dezent und verwaschen, er bevorzugt leuchtende Farben. Einige seiner Mosaikbilder, die er in Schongau aus bunten Kartonschnipseln gestaltet hat, sind in der Schongauer Wärmestube zu bewundern. Poitazi hat sie dort als Dankeschön überlassen, um sich für sein tägliches Frühstück zu bedanken.
Lange hat es gedauert, bis man in Schongau die künstlerische Schaffenskraft von Serhii Poitazi erkannt hat. Immer wieder hat er versucht, sich mit einem Kunstwerk der Stadt gegenüber erkenntlich zu zeigen. Aber die Mühlen mahlen, wenn sie mahlen, langsam.
Der Umbau der Mittelschule ist dann wie ein Lichtblick: Dort sieht der Künstler seine Chance, mit seiner Kunst in den öffentlichen Raum zu treten. Es ist ein erneuter Versuch von ihm in Richtung Stadt, irgendwo im näheren Bereich eine von ihm geschaffene Skulptur aufstellen zu dürfen. Standortförderer Jürgen Erhard bringt den Stein ins Rollen. Ein Kuratorium wird gebildet, dem auch Erhard angehört.
Der holt Frank Pfaffenberger, den Schulleiter der Mittelschule, mit ins Boot. Pfaffenberger ist sofort Feuer und Flamme. Mit einem wie aus der Pistole geschossenen „ja wunderbar“ überspringt er die üblichen bürokratischen Hürden, die oft viel verzögern oder gar verhindern. Es wird beschlossen, die große Wandfläche im inneren Teil des Eingangsbereiches und einen kleinen Bereich davor für den Künstler zur Verfügung zu stellen.
Kinder liegen ihm besonders am Herzen
Das große Wandreliefbild im Schulhausinneren ist mittlerweile fast fertig. Nur noch wenige Kleinigkeiten müssen von Sergii Poiatzi ergänzt werden. Der erste Eindruck ist verblüffend: Farbenfroh in der Gestaltung, faszinierend in der Technik, vom Motiv ganz zu schweigen. Die Maße sind stattlich, gute zwei mal vier Meter groß ist das Kunstwerk geworden.
Für eine kurze Erklärung der Bildmotive legt Poiatzi sein Werkzeug zur Seite. Gleichzeitig bittet er, von dem Gesamtwerk noch kein Bild zu veröffentlichen. „Das soll bei der Einweihung der neu gestalteten Schule eine Überraschung werden“, hilft Schulleiter Frank Pfaffenberger sprachlich aus. Die beiden verstehen sich auch ohne Dolmetscher in einer gestenreichen Sprache.
Ganz klar, dass Poiatzi Ansichten der Stadt Schongau mit aufs Bild bringt. Darunter sind Motive mit Situationen von Bildung und Erziehung zu erkennen. Dabei sind Lehrer und Schüler bei gemeinsamer Arbeit vom logischen Denken bis zur Kreativität dargestellt.
Die rechte Hälfte des Bildes beherrschen händehaltend Kinder aus aller Welt, so wie sie in diesem Schulhaus zusammen den Unterricht besuchen. Darüber sind Frieden und Freundschaft beeindruckend dargestellt. Selbst an die Urlaubszeit hat Poiatzi gedacht: In bunten Heißluftballons lässt er die Kinder in die Ferien entschweben.
Man kann unschwer erkennen, dass dem Künstler besonders das Wohl von Kindern am Herzen liegt. Und mit diesem Kunstwerk, an dem er wochenlang gearbeitet hat, möchte er sich bedanken, dass Kinder aus der Ukraine in diesem Schulhaus so willkommen sind.