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Im Namen der British Army hat die europäische Beschaffungsagentur Occar mit der ARTEC einen Vertrag über die Lieferung von 37 Waffensystemen für die Radhaubitzen RCH 155 abgeschlossen. Nach einer Information des britischen Verteidigungsministeriums vom 13. März hat der Auftrag ein Volumen in Höhe von 53 Millionen Pfund (umgerechnet 60 Millionen Euro). Davon fließen 30 Millionen Pfund (34 Millionen Euro) in den Aufbau der Produktionsstätte für großkalibrige Geschützrohre (gun hall) durch Rheinmetall in Telford. Es wird erwartet, dass in der Anlage rund 100 hochqualifizierte Arbeitsplätze entstehen und darüber hinaus Beschäftigung in der gesamten britischen Lieferkette gefördert wird. Das bewertet das MoD als bedeutenden Aufschwung für die britische Verteidigungsindustrie.
Die Radhaubitze RCH 155 ist die einzige Haubitze weltweit, die aus der Fahrt schießen kann. (Foto: DES MoD UK)

Erfüllung des Trinity-House-Abkommens

Die Radhaubitze RCH 155 besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem Boxer-Antriebsmodul und dem Artilleriegeschützmodul (AGM) als Missionsmodul. Das AGM wiederum besteht aus dem Turm und dem Waffensystem. Der Vertrag umfasst der Mitteilung zufolge insbesondere die Beschaffung der Waffensysteme, auch bekannt als „höhenverstellbare Masse“, bestehend aus Rohr, Mündungsbremse, Verschluss, Rückstoßsystem und Zapfen (Befestigungspunkte für die Montage am Turm).

Als systematische Weiterentwicklung auf Basis der PzH 2000 verfügt die RCH 155 über alle Funktionalitäten eines modernen Rohrartillerie-Systems, mit höchstem Schutzniveau für die Besatzung.

„Dieser Vertrag beweist die Stärkung unserer Lieferketten und erfüllt unsere im Trinity-House-Abkommen mit unserem engen Verbündeten Deutschland eingegangenen Verpflichtungen“, sagte Brigadegeneral Toby Lambert, Leiter der Abteilung Internationales, Industrie und Wohlstand im Hauptquartier der Army.

Gemeinsame Beschaffung mit Deutschland

Die Radhaubitze RCH 155 kann je nach Munition acht Schuss pro Minute auf Ziele in bis zu 70 km Entfernung in der Bewegung abfeuern. Sie ist innerhalb von Sekunden einsatzbereit, wird mit nur zwei Besatzungsmitgliedern bedient und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h – was es dem Gegner erschwert, ihn ins Visier zu nehmen.

Im Dezember 2025 hatte das UK MoD einen Rahmenvertrag über die Lieferung von Radhaubitzen RCH 155 im Wert von 52 Millionen Pfund (umgerechnet 60 Millionen Euro) geschlossen. Damit war UK in den Rahmenvertrag eingetreten, den die OCCAR für die Bundeswehr wenige Tage zuvor abgeschlossen hatte, mit dem bis zu 500 Radhaubitzen RCH 155 beschafft werden. 84 Radhaubitzen waren sofort abgerufen worden mit einem Lieferbeginn 2028.

Großbritannien wird nach der Ukraine, die die erste RCH 155 demnächst erhalten soll, und Deutschland der dritte Nutzer der Radhaubitze.

Gerhard Heiming