In seiner einzigen Oper „Herzog Blaubarts Burg“, die auf der Grundlage eines Librettos von Béla Balázs entstand, vertonte Béla Bartók (1881–1945), eine 1697 erstmals von Charles Perrault erzählte Geschichte von Blaubart, dessen Frauen auf rätselhafte Weise verschwanden. Dieses geheimnisvolle Psycho-Kammerspiel, unter der Regie und szenischen Einrichtung von Martin Valdés-Stauber, brachte das vom Dirigenten Daniel Grossmann 2005 gegründete Jewish Chamer Orchestra Munich (JCOM), jetzt zur Erstaufführung ins Landsberger Stadttheater.

Das hohe künstlerische Niveau des 18-köpfigen Ensembles sowie der beiden Gesangssolisten hätte etwas mehr Premierenpublikum verdient, zumal eine 2024 vom JCOM inszenierte minimalistische Kammeroper die Landsberger Besucherinnen und Besucher vollkommen begeisterte. Im etwas mehr als zur Hälfte besetzten Haus nahm das Orchester auf der Hauptbühne Platz. Auf einer erhöhten Plattform dahinter, interpretierten Levente Páll, Ensemblemitglied des Staatstheaters am Gärtnerplatz, als Blaubart, zusammen mit der ungarischen Sopranistin Andrea Brassói-Jörös von der Staatsoper Budapest, als Judith, das raffinierte Spiel von Täuschung und Verführung in ungarischer Originalsprache.

Oper in Landsberg: Ein Seufzen hinter verschlossenen Türen

Die deutschen Übertitel waren je nach Position der verschiedenfarbigen Lichtstrahler teilweise nur schwer zu entziffern. Jedoch mit der enormen Vielfalt seiner Tonsprache beschrieb das großartige Orchester kontrastreich, manchmal wie von eisigem Windhauch durchzogen, zuweilen dissonant aufgeladen, die düstere, extreme Stimmungslage in den Dialogen von Liebe, Beharrlichkeit und Machtfantasien. Herzog Blaubarts junge Geliebte mit dem biblischen Namen Judith, was auf eine gewisse Courage hindeutet, verlässt aus Liebe zu ihm, Vater, Mutter und ihre hübschen Brüder und kommt auf dessen unheimlicher Burg an. Dort nimmt sie alsbald ein Seufzen hinter den sieben verschlossenen Türen wahr. Mit funkelndem Klang in ihrer Stimme stellt sie fest, „Deine Burg weint, armer Blaubart“.

Keine Geheimnisse duldend, bringt sie den sich sträubenden Blaubart dazu, ihr die Schlüssel zu überlassen. Sie bleibt mutig bei ihm, auch nach der Entdeckung blutiger Grausamkeiten und einer Gewalt symbolisierenden Folter- und Waffenkammer. Nach der Öffnung einer Schatzkammer mit Gold, Perlen und Diamanten will Blaubart ihr diese überlassen, um sie von weiterem Tun abzulenken. Ein duftender Garten und ein weißer See aus Tränen lassen sie ahnen, was sich hinter der letzten Tür verbirgt. „Sag mir, Blaubart, wenn liebtest du vor mir?“, fragt Andrea Brassói-Jörös als Judith, mit der Intensität ihrer alle in den Bann ziehenden, dunkel leuchtenden, dramatischen Sopranstimme.

Stürmischer Beifall vom Landsberger Publikum

„Erblicke die, die ich einmal liebte, schön sind sie, so wunderschön. Am Morgen fand ich die Erste, zu Mittag fand ich die Zweite, am Abend fand ich die Dritte, dir gehört nun die Nacht“. Stimmgewaltig auch Levente Páll als Blaubart, der dieser Bariton-Partie eine zur düsteren Inszenierung passende, glanzvolle Bass-Schwärze verlieh. „Du warst meine allerschönste Frau“, beteuert er. Doch Judith weicht zurück ins Dunkel, sie verlässt die Bühne. „Von nun an bleibt immer Nacht – Nacht“, klagt Blaubart am Ende. Unter stürmischem Beifall für das beeindruckende Orchester mit seinem Dirigenten holt das begeisterte Publikum die wunderbaren Solisten immer wieder, zuletzt zusammen mit dem Regisseur, auf die Bühne.

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