„Die Demokratie lebt von der Debatte“, führte Bürgermeister Sebastian Becker aus, als jetzt im Aachener Marschiertor das Finale der Campus-Debatte Aachen ausgetragen wurde. Die vier besten Teams traten gegeneinander an und warfen ihre Argumente in die Waagschale, um zu klären, wie die Ukraine in Zukunft verfahren sollte. Sie taten das im „British Parlamantary Style“. Die Regierungsteams vertraten dabei die Pro-Position, die Oppositionsredner argumentierten dagegen. „Aber so wird nicht wirklich im britischen Parlament debattiert“, sagte Josef Hoppe vom Organisationsteam. Das Format sei nur angelehnt an die Debatten im britischen Parlament.
Ganz oben im Marschiertor, wo die Oecher Penn beheimatet ist, hatten sich die Studierenden eingefunden, um über einen möglichen Friedensvertrag der Ukraine und Russland zu debattieren. Konkret stand die Frage im Raum, ob die ukrainische Bevölkerung selbst über den Friedensvertrag abstimmen sollte, oder doch eher ihre politischen Vertreter. Auf der einen Seite saßen die Teams der Regierung, auf der anderen die der Opposition. Dann trat der erste Redner ans Mikro, und machte seinen Standpunkt deutlich. „Das ukrainische Volk muss unbedingt selbst entscheiden“, sagte Dario Werner, Team Hamburg, und führte eine Reihe von Argumenten an, die seine Haltung stützten. Selbstbestimmung hob er als besonders hohes Gut hervor.
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Die Juroren hörten aufmerksam zu. Die Studierenden-Jury sollte später das Gewinnerteam ermitteln, die Ehrenjury hatte die Aufgabe, den besten Dabattierer in der Einzelwertung zu kühren. Die Redner und Rednerinnen hatten sich an strenge Regeln zu halten. Sie traten vor, positionierten sich vor dem Mikro, legten ihre Notizen zurecht und starteten schließlich. Ihre Rede sollte nicht länger als sieben Minuten dauern, wurde es mehr, ließen die Juroren das Gesagte nicht mehr in ihre Wertung einfließen.
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Hin und wieder meldete sich einer der Kontrahenten zu Wort. Es lag in der Entscheidung des Redners am Mikro, ob sie zu Wort kommen oder nicht. „Es ist heikel, die Bevölkerung über einen Friedenvertrag entscheiden zu lassen“, hieß es in einem Einwurf, denn das ukrainische Volk sei doch gar nicht ausreichend informiert und emotional viel zu involviert, um eine so weitreichende Entscheidung treffen zu können. Die Studierenden hatten im Vorfeld nur 15 Minuten Zeit, um sich mit dem jeweiligen Thema zu befassen. Seit 2008 ist der Debattierclub der RWTH in Aachen fest verankert. Mitmachen darf jeder, nicht nur Uni-Angehörige. Iin regelmäßigen Abständen nehmen die Debattierer an internationalen und nationalen Turnieren teil. Auch die Campus-Debatten finden regelmäßig statt.
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Eine gewisse Nervosität spielte dabei durchaus eine Rolle. Hier und da brauchte es eine Weile, bis die Rednerinnen und Redner in den Redefluss kommen. Es war offensichtlich gar nicht so einfach, vor einem Publikum in aller Kürze politische Ideen darzulegen. „Es lohnt sich aber in jedem Fall“, meint der Verband der Debattierclubs an Hochschulen (VDCH) in seiner Broschüre. „Im politischen Diskurs ist es wichtig, Urteile sinnvoll, nachvollziehbar und überzeugend begründen zu können“, heißt es da weiter. Denn erst wenn wir in der Lage seien, dem Gegenüber unsere Position zu erklären und im Gegenzug auch in der Lage seien, die Position des Gegners zu verstehen, sei ein konstruktiver Austausch möglich.
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Ziel ist demzufolge nicht, möglichst viele Fakten zu kennen und zu präsentieren. Es gehe laut Veranstaltern vielmehr darum, sich „ausführlich, tiefgreifend und argumentativ“ mit einem Thema auseinanderzusetzen und die eigene Argumentation dann strukturiert zu präsentieren.
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Ein solch konstruktiver Austausch war beim Finale der Campus-Debatte im Marschiertor sicher gelungen. Und Benedikt Rennekamp war besonders gut darin, alle Argumente abzuwägen. Er erhielt den Preis für die beste Einzelleistung. Zu diesem Ergebnis kam die Ehrenjury, zu der neben Bürgermeister Sebastian Becker auch der Chefredakteur der Aachener Zeitung, Thomas Thelen, zählte. Als Gewinner-Team des Campus-Finale Aachen gingen Julius Klikar und Inge Peters, Team Berlin-Potsdam, hervor.
Weitere Infos und Kontakt unter www.debatte.rwth-aachen.de.