Skadi Jennicke arbeitet schon jetzt im Leipziger Rathaus (hinten) und will es ab 2027 führen.

Skadi Jennicke arbeitet schon jetzt im Leipziger Rathaus (hinten) und will es ab 2027 führen.

Foto: IMAGO/Christian Grube

Die Leipziger Stadtverwaltung wird seit 36 Jahren von SPD-Oberbürgermeistern geführt. Auf Hinrich Lehmann-Grube und Wolfgang Tiefensee folgte im Jahr 2006 der jetzige Amtsinhaber Burkhard Jung. Der 68-Jährige war zuvor Beigeordneter für Jugend und Sport und ist aktuell zum zweiten Mal Präsident des Deutschen Städtetages. Nach drei Amtsperioden wird er zur nächsten Wahl des Rathauschefs aber aus Altersgründen nicht mehr antreten. Das Rennen um seine Nachfolge gilt als offen, und deshalb bringen sich, obwohl bis zum Wahltermin am 21. Februar 2027 noch mehr als elf Monate Zeit sind, immer mehr Bewerber in Stellung.

Auch Die Linke hat bereits jetzt eine Kandidatin aufgestellt: Skadi Jennicke, die seit 2016 Kulturbürgermeisterin in der 611 000-Einwohner-Stadt ist. Auf einer Mitgliederversammlung wurde sie von 77,5 Prozent der Anwesenden gewählt. Die 48-Jährige, die in Leipzig geboren ist, Dramaturgie studiert hat und promovierte Philosophin ist, war zuvor vom Stadtvorstand vorgeschlagen worden. Nina Treu, Ko-Vorsitzende des 5000 Mitglieder zählenden Stadtverbands, verwies darauf, dass in Leipzig »seit über 700 Jahren ausschließlich Männer an der Spitze des Rathauses« gestanden hätten; es sei »endlich Zeit für die erste Frau«. Jennicke habe in den vergangenen zehn Jahren »glaubwürdig unter Beweis gestellt, dass sie strategisch, führungsstark und kommunikativ einen für Leipzig zentralen Politikbereich im Rathaus leiten kann«. Diese Erfahrung und ihre »engagiert gelebte eigene Leipzig-Biografie« prädestinierten sie auch für das Amt als Oberbürgermeisterin.

»Seit über 700 Jahren haben ausschließlich Männer an der Spitze des Rathauses gestanden. Es ist endlich Zeit für eine Frau.«


Nina Treu Ko-Vorsitzende Die Linke Leipzig

Die Linke fährt in Leipzig traditionell immer wieder gute Wahlergebnisse ein. Bei der Wahl des Bundestags im Februar 2025 wurde sie mit 22,5 Prozent der Zweitstimmen stärkste Partei. Aus der Wahl des Stadtrats war sie 2019 als stärkste Kraft hervorgegangen, mit damals 21,4 Prozent der Zweitstimmen. Bei der Abstimmung im Jahr 2024 landete sie mit 17,5 Prozent auf Platz zwei hinter der CDU. Im Stadtrat ist sie derzeit mit zwölf Abgeordneten vertreten.

Bei OB-Wahlen war sie bislang weniger erfolgreich. Vor mehr als einem Vierteljahrhundert brachte es der PDS-Kandidat Lothar Tippach einmal auf 29,8 Prozent, was aber den siegreichen Wolfgang Tiefensee nicht in Bedrängnis brachte. Bei späteren Wahlen fuhren die Bundestagsabgeordneten Barbara Höll und Dietmar Peilmann mit jeweils gut 15 Prozent sowie die jetzige Fraktionschefin im Stadtrat, Franziska Riekewald, mit 13,5 Prozent zwar passable Ergebnisse ein. Mit der Entscheidung hatten sie aber nur insofern zu tun, als im Jahr 2020 unter anderem der Rückzug von Riekewald dazu beitrug, dass Jung noch gegen den im ersten Wahlgang siegreichen CDU-Bewerber Sebastian Gemkow gewann.

Für die Wahl 2027 hat die CDU bislang ebensowenig einen Bewerber aufgestellt wie SPD und Grüne. Das BSW will mit Eric Recke antreten, der die Ratsfraktion führt und Landtagsabgeordneter ist. Erster erklärter Bewerber war der parteilose Lars Kulesch, der einst Mitglied der Linken war und sich im Bündnis Grundeinkommen in Sachsen engagierte.