Musik kann Brücken bauen, gerade in Zeiten heftiger politischer Spannungen. Besonders beeindruckend gelingt dies, wenn zwei verfeindete Länder wie Israel und der Iran in einen Krieg verwickelt sind. Das Konzert „Jüdische und persische Musiktraditionen im Dialog“ in der Düsseldorfer Synagoge setzte ein starkes Zeichen für Freundschaft und Solidarität.

„Auch wenn Staaten dies nicht tun, Kulturen können miteinander sprechen“, sagte Julia Blüm vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde in ihrer Begrüßung. „Die Verbindung unserer Kulturen hat in 2600 Jahren Imperien, Kriege und politische Umbrüche überdauert und lebt bis heute weiter, in Sprache und Musik.“ Blüm gedachte der Menschen im Iran: „Wir wünschen dem iranischen Volk Frieden, Freiheit und eine Zukunft in Würde.“

Zwei Virtuosen gestalteten ein denkwürdiges Konzert. Der aus Teheran stammende Santur-Meister Kioomars Musayyebi und der jüdische-russische Geiger Alexey Kochetkov verknüpften Elemente der traditionellen Klezmer-Musik mit Radif, einer Sammlung persischer Musik.

Musayyebi sagte über die Merkmale seines Instruments mit 72 Saiten: „Die Santur stammt ursprünglich aus dem Iran, verbreitete sich dann in Ländern wie China, der Mongolei und Großbritannien. Eine Variante mit dem rustikalen Namen Hackbrett kennt man sogar in Süddeutschland.“

Zu erleben war weit mehr als ein Konzert. Alexey Kochetkov entlockte seinem iranischen Freund Erinnerungen an seine Kindheit. „Was wusstest du über Juden?“, fragte er. Kioomars Musayyebi erzählte von zwei jüdischen Familien in der Straße seiner Oma: „Neugierig schlich ich mich heimlich in eine der Wohnungen, weil ich unbedingt mehr über jüdisches Leben wissen wollte.“ Das spielte sich weitgehend im Verborgenen ab. Synagogen durfte man so wenig besuchen wie christliche Kirchen. 2011 war der Musiker gezwungen, seine Heimat aus politischen Gründen zu verlassen. „Ich habe viel gekämpft für mein Land, für Frauenrechte und Menschenrechte. Aber niemand will in einem System der Unterdrückung leben.“

Die beiden Künstler lernten sich 2006 bei einem Projekt über arabische Musik kennen. Alexey Kochetkov wurde nach zehn Jahren in Israel in Berlin heimisch, Musayyebi in Essen. Einmal habe er in einer Synagoge in Tel Aviv auf der Santur gespielt, berichtete er. „Du bist einer der wenigen Iraner, die je in Israel waren“, ergänzte der Violinist und gab spannende Einblicke in das Schicksal der Juden im früheren Persien. Eine endlose Geschichte von Vertreibung und Stigmatisierung, die 586 v. Chr. mit der Verschleppung der geistigen Elite aus Jerusalem nach Babylon begonnen hatte und sich über viele Jahrhunderte fortsetzte.

Erleichterungen setzten erst ab 1925 unter dem Schah-Regime ein. Kein Happy End auf Dauer, wie man weiß. „Unsere Länder sind wie zwei Liebhaber, die nicht zueinander kommen“, sagte Alexey Kochetkov. „Auch wenn sie Bomben aufeinander werfen, gibt es doch Menschen, die sich finden. In den Klängen von Santur und Geige, von Klezmer und Radif.“

Beseelt und stürmisch spielten die Musiker den Klassiker „Hava nagila“. Security und Polizei vor der Synagoge, leider notwendig, erinnerten nach dem Konzert schmerzhaft an den realen Alltag der Juden in Deutschland.