In einem Interview mit dem Sender „NBC News“ machte der US-Präsident Donald Trump den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für die schleppenden Verhandlungen über ein mögliches Ende des russischen Angriffskriegs verantwortlich.

Mit Selenskyj ist es weitaus schwieriger, eine Einigung zu erzielen.

Donald Trump, US-Präsident

Dabei warf der US-Republikaner dem Ukrainer erneut vor, ein größeres Hindernis für ein mögliches Kriegsende zu sein als Kremlchef Wladimir Putin.

Ich bin überrascht, dass Selenskyj kein Abkommen schließen will. Sagen Sie Selenskyj, er soll ein Abkommen schließen, denn Putin ist bereit dazu“, sagte Trump in dem NBC-Interview. „Mit Selenskyj ist es weitaus schwieriger, eine Einigung zu erzielen.“

Selenskyj fürchtet US-Abkehr von Ukraine

Tatsächlich hatte Selenskyj zuletzt eher sein Bedauern darüber geäußert, dass die Verhandlungen über ein mögliches Ende des russischen Angriffskriegs wegen der Eskalation im Nahen Osten ins Stocken geraten waren.

Die nächste Runde der Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA hätte eigentlich in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden sollen. Allerdings wurden die Verhandlungen infolge der US-israelischen Luftangriffe auf Iran, die am 28. Februar den Krieg in der Region auslösten, verschoben.

Zwar habe die US-Regierung ein Treffen in den USA für die kommende Woche vorgeschlagen, allerdings wolle die russische Seite sich dort nicht treffen, sagte Selenskyj vergangene Woche. „Wir möchten auf keinen Fall, dass die Vereinigten Staaten sich wegen des Nahen Ostens vom Thema Ukraine abwenden“, betonte der Ukrainer vor Journalisten und ergänzte: „Wir wollen die Amerikaner nicht verlieren“, während sie „derzeit zweifellos mit der Golfregion beschäftigt sind“.

Trump verteidigt Lockerung der Russland-Sanktionen

In dem Interview rechtfertigte der US-Präsident außerdem die Lockerungen von Sanktionen gegen Russland. Infolge des Kriegs gegen Iran und der steigenden Energiepreise hatte Trump in der vergangenen Woche nach eigenen Worten angeordnet, dass man „bestimmte ölbezogene Sanktionen aussetzt, um die Preise zu senken“.

Einige Länder sollten demnach die befristete Erlaubnis erhalten, russisches Öl zu kaufen. Medienberichten zufolge erhielt Indien als erstes Land eine solche Ausnahmeregelung.

USA beschließen Ausnahmeregelung für Russland-Sanktionen

Der US-Finanzminister Scott Bessent teilte letzte Woche mit, dass russisches Öl, das sich bereits auf Schiffen befinde, straflos verkauft werden dürfe. Nachdem die Ölpreise infolge des Irankriegs drastisch gestiegen waren, wolle man mit dieser Maßnahme das Angebot auf dem Weltmarkt verbessern. Die befristete Ausnahme von US-Sanktionen soll zunächst bis zum 11. April gelten.

Die Maßnahme sollte Trump zufolge greifen, bis sich die Lage beruhigt habe. Eventuell sei es anschließend auch nicht mehr nötig, die Restriktionen wieder in Kraft zu setzen, fügte der US-Präsident letzte Woche hinzu.

President Donald Trump points after delivering his State of the Union address during a joint session of Congress in the House Chamber at the U.S. Capitol in Washington, DC on Tuesday, February 24, 2026. Dozens of Democrats have boycotted the speech and are attending an alternative rally called the People s State of the Union held on the National Mall. PUBLICATIONxNOTxINxUSA WAP20260224450 BONNIExCASH Präsident Donald Trump am 24. Februar 2026 im US-Kapitol in Washington, D.C.

© imago/UPI Photo

In dem jüngsten „NBC“-Interview verteidigte Trump nun diese Entscheidung und begründete sie mit den Worten: „Ich will Öl für die Welt haben.“

Die von der Trump-Administration beschlossene befristete Ausnahmeregelung für US-Sanktionen gegen Russland stieß in Deutschland und bei anderen Unterstützer-Staaten der Ukraine auf massive Kritik. Die Verbündeten verwiesen in dem Zusammenhang darauf, dass der Druck auf Russland aufrechterhalten werden müsse, wenn man den Krieg zeitnah beenden wolle.

Auch Selenskyj mahnte jüngst zur stärkeren Einhaltung der Sanktionen gegen Moskau. Am Sonntag schrieb er via Telegram, dass Russlands Truppen allein in der vergangenen Woche 1770 Kampfdrohnen sowie 86 Raketen und Marschflugkörper gegen die Ukraine eingesetzt hätten.

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Diese Angriffe seien teils auch infolge von Sanktionsumgehungen in der russischen Raketenproduktion möglich gewesen, mahnte der Ukrainer. „Jede dieser Raketen beinhaltet mindestens 60 ausländische Bauteile, die Russland unter Umgehung der Sanktionen erhält.“

Insbesondere in Anbetracht der anhaltenden Kämpfe im Nahen Osten müsse man Russland nun die Möglichkeit nehmen, Raketen in ihren Fabriken herzustellen, forderte Selenskyj. Das sei umso wichtiger, als dass die Welt aktuell nicht genügend Ressourcen habe, um eine Flugabwehr für Europa und den Nahen Osten auf die Beine zu stellen.