
Stand: 16.03.2026 15:18 Uhr
Die meisten Gewaltdelikte in Hannover passieren am Hauptbahnhof und im Partyviertel am Steintor. Wie sicher fühlen sich die Menschen hier? NDR Reporterin Anja Schlegel hat sich umgeschaut und umgehört.
Von den mehr als 3.500 Fällen von Gewaltkriminalität und knapp 600 Messerangriffen im Jahr 2024 in der Stadt Hannover passierten die meisten im und am Hauptbahnhof und eben am Steintor. Das geht aus der aktuellen Kriminalstatistik hervor. Meine beiden Kollegen und ich parken an einem Samstagabend am Marstall und gehen vom Leineufer rüber zu den Bars, Diskotheken, Laufhäusern und Pornokinos. Wir wollen Menschen fragen, die hier ausgehen, wohnen oder arbeiten, wie sicher sie sich fühlen. Wir treffen Liliana und Vivian – beide Anfang 20 – auf dem Weg in den Club. Sie wollen heute am Steintor feiern und tanzen. Das Problem hier sei nicht das Viertel oder die mangelnde Beleuchtung, sondern die vielen Männer. Und Alkohol. „Im Club gibt es fast immer irgendwie Stress“, sagt Vivian. Und fügt hinzu: „Und sehr selten hat man Frauen gesehen, die sich mal vor einem Club anfeinden.“ Auch zu zweit sei es schon unangenehm, weil sie ständig angequatscht werden. „Am Steintor fühlt man sich nicht sicher, definitiv nicht“, betont Liliana.
Kioskbesitzer: Polizei ist sofort da

Liliana Müller (links) und Vivian Glan erleben häufiger, dass es in Clubs zu Stress kommt.
Nach einer Umfrage der Landeshauptstadt von 2024 haben 86 Prozent der Hannoveraner nachts in der City „ein mulmiges Gefühl“. Auch Ayhan Yücel (62), Betreiber eines Kiosks an der Münzstraße, bestätigt das Gefühl mangelnder Sicherheit: „Es ist gefährlich. Es gibt viel Kriminalität hier am Steintor.“ In seinem Geschäft komme es regelmäßig zu Diebstählen, bei denen die Täter immer dreister und gewaltbereiter vorgingen. Dennoch will er am Steintor bleiben. Er verlässt sich auf seine langjährige Erfahrung, Überwachungskameras und die verstärkte Präsenz der Polizei im Rotlichtviertel. „Wenn was passiert, wir rufen an, die sind sofort hier.“
Türsteher begrüßt Einführung der Waffenverbotszone

Ayhan Yücel verlässt sich auf die Polizei, die sei sofort zur Stelle, wenn was passiert.
Vor einer Disco im Bahnhofsviertel kontrolliert Türsteher Klaus Aden die Gäste. Selbstbewusst, breit, viele Muskeln. Wir kommen ins Gespräch. Seit über 40 Jahren ist er im Sicherheitsdienst tätig. Dass besonders junge Männer Messer dabeihaben und diese bei Meinungsverschiedenheiten auch ziehen, „das hat im Laufe der Zeit leider zugenommen“, sagt er. „Dass du heute eine Waffenverbotszone überhaupt deklarieren musst, das ist schon starker Tobak.“ Aden begrüßt das. „So hat das Tragen von Waffen hier Konsequenzen“, meint er. Wer in dieser Zone mit gefährlichen Gegenständen erwischt wird, muss mit Bußgeldern bis zu 10.000 Euro rechnen.

Klaus Aden findet es gut, dass es Strafen für jene gibt, die mit Messern herumlaufen.
Während unserer Gespräche erleben wir selbst einige unangenehme Momente: Wir werden beschimpft und beleidigt. Die Kamera provoziert. In wirklich gefährliche Situationen geraten wir in dieser Nacht aber glücklicherweise nicht.

Niedersachsens Innenministerin hat neue Zahlen zur Kriminalität vorgestellt. Auch häusliche Gewalt bleibt ein Problem.