Die italienische Großbank Unicredit hat am Montag im Bemühen um eine Übernahme der Commerzbank den Druck erhöht. Demnach legt das Kreditinstitut mit Sitz in Mailand den Aktionären der zweitgrößten deutschen Privatbank ein offizielles Übernahmeangebot zum Erwerb der Commerzbank-Aktien vor. In einem freiwilligen Tauschangebot will die Unicredit für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue Unicredit-Papiere bieten. Das entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent, hieß es.

„Es ist jetzt an der Zeit, zu sprechen“, sagte Unicredit-Chef Andrea Orcel in einer Telefonkonferenz. Orcel kündigte an, in den nächsten Wochen einen „konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern“ führen zu wollen. Das zielt auf Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und die Bundesregierung, die beide eine Übernahme der zweitgrößten deutschen Privatbank weiterhin ablehnen. Die Commerzbank teilte mit, sie sehe keine Grundlage für Übernahmegespräche mit ihrem größten Einzelaktionär. Orlopp kritisierte, die Unicredit lasse offen, wie eine wertstiftende Transaktion aussehen solle.

Zudem umfasse das Angebot „faktisch keine Prämie für unsere Aktionäre“. Die Mailänder Großbank hatte im September 2024 den Teilausstieg des Bundes genutzt, um groß bei der Commerzbank einzusteigen. Die Unicredit baute ihre Beteiligung nach und nach aus, sie ist mit einem direkten Anteil von 26 Prozent schon größter Aktionär.

Die Übernahmepläne dürfen laut Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) nicht zulasten des Finanzplatzes Frankfurt gehen. „Maßstab für uns ist und bleibt, dass der europäische Finanzplatz Frankfurt am Main gestärkt und nicht geschwächt wird.“ Außerdem müssten in allen Gesprächen die Interessen der Mitarbeiter und der Kunden des wichtigen Mittelstandsfinanzierers Commerzbank angemessen berücksichtigt werden, so der Ministerpräsident.

Commerzbank-Betriebsratschef Sascha Uebel hält das Vorgehen der Unicredit für geschäftsschädigend. „Das ist die nächste Stufe der Unverschämtheit. Das ist nicht nur unabgestimmt, das ist feindlich“, sagte der Vorsitzende von Konzern- und Gesamtbetriebsrat der Deutschen Presse-Agentur.