Bundeskanzler Friedrich Merz hat ja mit seiner Aussage, die Deutschen meldeten sich zu oft krank, für viel Aufregung gesorgt. Nun zeigt eine neue Statistik der AOK einen leichten Rückgang bei den ausgefallenen Arbeitstagen. Und weist auf einen statistischen Effekt beim viel diskutierten Anstieg der Krankheitstage in Deutschland hin.
Elektronische Krankschreibung lässt Krankmeldungen deutlich ansteigen
Aus einer am Montag veröffentlichten Analyse der Daten von 14,9 Millionen erwerbstätigen Versicherten der Krankenkasse geht nämlich hervor, dass die Einführung der elektronischen Krankschreibung während der Corona-Pandemie 2022 zu einem starken Anstieg von Krankschreibungen, besonders bei kurzzeitigen Erkrankungen, geführt habe. Das sei ein Hinweis darauf, „dass wir in unserer Statistik jetzt viele Fälle erfassen, die den Krankenkassen früher nicht gemeldet worden sind“, sagte der Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, Helmut Schröder.

Seit der elektronischen Krankschreibung werden Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen direkt an die Krankenkassen übermittelt, was früher den Versicherten vorbehalten war und laut AOK vor allem bei Kurzzeiterkrankungen nicht zuverlässig erfolgte.
Wir sehen seit Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einen deutlichen Anstieg der Krankmeldungen.
Helmut Schröder,, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK
„Folgerichtig sehen wir seit Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einen deutlichen Anstieg der Krankmeldungen infolge kurzer Erkrankungen“, so Schröder. Die Zahlen bestätigen das: So entfielen 2021 bei AOK-Versicherten im Schnitt 5,9 Arbeitsunfähigkeitstage auf Erkrankungen, die in maximal zwei Wochen auskuriert waren. 2022 waren es dann sprunghaft 10,1 Tage. Im vergangenen Jahr lag der Durchschnitt bei 9,4 Tagen.
Psychische Leiden treiben Zahl der Fehltage in die Höhe
Die kurzzeitigen Erkrankungen machen zwar den Hauptteil der Krankschreibungen, nicht aber der Krankheitstage aus. Hinter den meisten Fehltagen, nämlich mehr als 60 Prozent, stecken längere Erkrankungen. Insbesondere Fehlzeiten wegen psychischer Leiden nehmen weiter zu. Im Schnitt waren AOK-Versicherte im vergangenen Jahr 23,3 Tage krankgeschrieben und damit etwas seltener als im Jahr davor (23,9).

Zugleich geht aus den Zahlen der Kasse hervor, dass längere Krankschreibungen von mehr als sechs Wochen zugenommen haben, etwa aufgrund von psychischen Erkrankungen. Diese machten zwar nur etwa drei Prozent der Krankschreibungen aus, schlugen sich aber mit einer hohen Zahl an Ausfalltagen mit mehr als 40 Prozent überproportional stark in der Statistik nieder – mit durchschnittlich 28,5 Arbeitsunfähigkeitstagen je Fall sind sie zudem mit den längsten Ausfallzeiten verbunden.

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen: Hinter den meisten Fehltagen, nämlich mehr als 60 Prozent, stecken längere Erkrankungen.
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„Hier kann die betriebliche Gesundheitsförderung Ansätze bieten, um die Widerstandsfähigkeit und psychische Belastbarkeit von Beschäftigten zu stärken“, erklärte Schröder. „Eine transparente, partizipative und gesundheitsorientierte Unternehmenskultur und Führung sind zentrale Stellschrauben, um Mitarbeitende gesund zu erhalten und langfristig an die Unternehmen zu binden.“ Worte, denen auch Friedrich Merz nicht widersprechen kann.
mit epd/kna/afp/dpa