Der Kommandeur einer ukrainischen Luftlandeeinheit, die in Nähe von Oleksandriwka operiert, schilderte laut einem ISW-Bericht vom 10. März, seine Einheit sei bewusst an einem Frontabschnitt eingesetzt worden, in dem Russland keine dichte Truppenkonzentration aufgebaut habe. „Das hat Infiltrationen durch kleine Sturmtrupps ermöglicht“, wird der Mann zitiert.
Bei den Einsätzen in den vergangenen Wochen folgte die Ukraine einem Muster, das bereits in den Jahren zuvor funktioniert hatte: Leichte Infanterieeinheiten tasten sich bei schlechter Sicht, etwa bei Nebel oder Schneefall, durch Lücken in der russischen Stellung. Gleichzeitig bekämpft die Drohnen‑ und Artillerieaufklärung gegnerische Beobachtungsposten. Eine Analyse des ISW geht davon aus, dass es der Ukraine so in den vergangenen Wochen gelang, russische Drohnenabwehr und Aufklärung zeitweise zu unterdrücken, was die ohnehin dünn besetzten Stellungen zusätzlich blind machte.
Laut ISW intensiviert die Ukraine seit Ende Februar außerdem eine Artilleriekampagne gegen die Kriegsinfrastruktur der Russen: Ukrainische Drohnen und Artillerie nehmen russische Munitionslager, Artilleriestellungen, Führungsstellen und Luftabwehranlagen ins Visier, die sich teils mehrere Dutzend Kilometer hinter der Frontlinie befinden. Das schwächt dem Bericht zufolge die russische Fähigkeit zur Vorbereitung der erwarteten Frühjahrsoffensive.
Hinzu kommt noch eine weitere russische Schwäche, die von der Ukraine gnadenlos ausgenutzt wird: die Prioritätensetzung entlang der Front. Wie das ISW, der britische Geheimdienst und der ukrainische Generalstab berichten, bleibt der Donbass samt dem Festungsgürtel aus Slowjansk, Kramatorsk, Kostjantyniwka und benachbarten Städten das Hauptangriffsziel der russischen Führung im Jahr 2026. Moskau soll bereits in den vergangenen Monaten Eliteverbände der Luftlandetruppen und der Marineinfanterie dorthin verlegt haben, um eine große Offensive vorzubereiten.