• Blumenthal und Vegesack im Bremer Norden gelten laut Gesundheitsbehörde als schlechter versorgte Gebiete, trotz stadtweiter Überversorgung laut Kassenärztlicher Vereinigung.
  • Kinderärzte wie Joachim Schlage und Andreas Mühlig-Hofmann beklagen vollen Wartezimmer, Aufnahmestopps und warnen vor weiterer Verschärfung, da viele Kollegen demnächst in den Ruhestand gehen.
  • Behörde plant Maßnahmen wie Sozialarbeiter, Dolmetscher, Hebammenzentren und medizinisches Versorgungszentrum. Kinderärzte fordern zusätzlich bundesweite Werbung und mehr finanzielle Unterstützung.

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Im Vorjahr gab es wieder einen Brandbrief von Nordbremer Kinderärzten, dann wieder ein Treffen mit der Behörde – jetzt hat sich wieder die Deputation mit der angespannten Situation in den pädiatrischen Praxen befasst. Das Ressort hat diesmal ein Papier vorgelegt, in dem es Blumenthal zu den schlechter versorgten Gebieten zählt und auflistet, was momentan dagegen unternommen wird und künftig getan werden soll. Mediziner aus dem nördlichsten Stadtteil Bremens sehen gute Ansätze, finden aber auch, dass die Unterstützung nicht schnell genug kommt.

Die Lage:

Mehrfach haben die Blumenthaler Kinderärzte Joachim Schlage und Andreas Mühlig-Hofmann mit Nordbremer Berufskollegen darauf hingewiesen, dass es so nicht weitergehen kann. Dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen steigt und die der Mediziner, die sie behandeln sollen, sinkt. Und dass die Wartezimmer der Praxen zwischenzeitlich so voll sind, dass immer wieder ein Aufnahmestopp verhängt werden muss. Sie wandten sich an die Kassenärztliche Vereinigung, ans Ressort, an Politiker – ohne dass sich ihrer Meinung nach die Situation verändert hat. Und weil in den nächsten Jahren weitere Kinderärzte in den Ruhestand gehen, die wahrscheinlich genauso wie ihre Vorgänger keine Nachfolger finden, rechnen die Mediziner damit, dass sich die Lage weiter zuspitzen wird.

Der Bericht:

Auf 26 Seiten beschreibt die Gesundheitsbehörde die pädiatrische Versorgung in Bremen. Sie erläutert, was schon häufig erklärt wurde: Dass nach den Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung die Stadt insgesamt gesehen überversorgt ist – und dass es, kleinteiliger betrachtet, dennoch Regionen gibt, in denen die Praxen- und Medizinerdichte weitaus geringer ausfällt. In Zahlen heißt das: Während Blumenthal und Vegesack zusammen auf einen Versorgungsgrad von 96,1 Prozent kommen, beträgt er in Schwachhausen und den angrenzenden Stadtteilen 150,9 Prozent. Auch der Bevölkerungsanteil an Kindern und Jugendlichen unterscheidet sich deutlich. Laut Behördenbericht liegt er in Blumenthal und Gröpelingen bei über 20 Prozent, in Findorff und Schwachhausen bei unter 15 Prozent.

Die Behördenprojekte:

Kristin Viezens, Sprecherin von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke), zählt Vorhaben auf, die im Bericht auftauchen – sagt aber auch, was nicht in dem Papier steht: Dass etwa die Behörde gerne eine kleinteiligere Bedarfsplanung für die Ärzteversorgung hätte statt einer stadtweiten, dafür aber die Kassenärztliche Vereinigung zuständig ist. Viezens zufolge versucht die Behörde auf andere Weise zu helfen: mit Sozialarbeitern, die die Mediziner entlasten sollen, mit Dolmetschern, Hebammenzentren, Gesundheitsfachkräften, Hausbesuchen. Auch das seit Jahren angekündigte medizinische Versorgungszentrum erwähnt sie. 1,3 Millionen Euro sollen dafür bereitgestellt werden. Nur: keine Zuweisung von Arztsitzen durch die Kassenärztliche Vereinigung, kein Bauvorhaben.

Die Ärzteforderungen:

Schlage und Mühlig-Hofmann wissen, was die Behörde macht und worauf sie setzt – die Kinderärzte und ihre Berufskollegen wollen aber mehr. Zum Beispiel, dass Bremen bundesweit für den Standort wirbt, damit endlich Nachfolger für Mediziner gefunden werden, die in den Ruhestand gehen. Dass Kinderärzte genauso wie Hausärzte finanzielle Unterstützung bekommen, wenn sie junge Kräfte in der Praxis weiterbilden. Dass Anreize geschaffen werden, so wie in anderen Kommunen, in denen Praxisnachfolgern beispielsweise bei der Wohnungssuche geholfen wird. Ohne das, glauben sie, geht es nicht, wenn zusätzliches Personal für ein neues Versorgungszentrum gefunden werden soll. Die verbliebenen Ärzte, argumentieren beide, können nicht auch noch dort Dienst schieben.

Der Ausblick:

Die beiden Blumenthaler Kinderärzte haben mal hochgerechnet, wie viele Berufskollegen von ihnen allein im Bremer Norden in den nächsten Jahren altersbedingt aufhören werden – und wie viele dann noch da sind, wenn sich so wie bisher niemand auf die frei werdenden Stellen bewirbt. Für 2025 sind sie auf elf Praxissitze, acht Voll- und ebenso viele Teilzeitkräfte gekommen. Und für 2030 nur noch auf rund halb so viele Sitze und halb so viele Voll- sowie Teilzeitkräfte. Auch ihr Praxisteam ist kleiner geworden. Statt zu dritt sind sie jetzt zu zweit. Seit Monaten gibt es deshalb einen Hinweis auf ihrer Startseite im Internet: Ärztin/Arzt zur Mitarbeit gesucht.

Diese Fragen und Antworten wurden mit KI basierend auf unseren Artikeln erstellt.

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