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Vom abgeschlagenen Hinrunden-Schlusslicht zum zweitbesten Rückrunden-Team der 2. Liga: Dynamo Dresdens Neu-Sportchef Sören Gonther (39) kann seit der Winterpause nicht viel falsch gemacht haben. Im Fußball-Podcast „Stammplatz“ gibt der Ex-Profi interessante Einblicke.
▶ Über den aktuellen Höhenflug: „Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir mit dem, was wir verändert haben, konkurrenzfähig sind. Diese Überzeugung habe ich vom ersten Tag an. Und jetzt erst recht“, so Gonther, unter dessen Regie insgesamt zehn Transfers über die Bühne gegangen sind. „Wann du dann überm Strich stehst, ist egal. Entscheidend ist die Platzierung nach dem 34. Spieltag. Aber je früher wir dafür unsere Punkte sammeln, umso besser.“
▶ Über den extrem engen Abstiegskampf: „Wir haben jetzt Bergfest und bisher ordentlich gepunktet. Nochmal 16 Punkte wird es aus den acht Spielen nicht brauchen. Trotzdem kann noch alles passieren“, ist Gonther klar. Deshalb warnt er: „Das Schlimmste, was wir jetzt machen können, ist uns irgendwie zurückzulehnen und durchzuschnaufen. Das ist Käse. Am Ende ist die Crunchtime entscheidend, die letzten drei, vier Spiele. Da zittert das Füßchen vielleicht nochmal ein bisschen mehr. Ich weiß es selbst, hatte solche Phasen mit St. Pauli.“
▶ Über Trainer Thomas Stamm: „Ich habe mich mit ihm schon seit seiner Freiburger Zeit intensiv beschäftigt und Dynamo vor anderthalb Jahren zu seiner Verpflichtung gratuliert“, erzählt Gonther. „Man hat in der Hinrunde klar gesehen, was der Trainer möchte und wofür er steht. Obwohl auf der einen oder anderen Position schwächer besetzt, als die anderen Teams, hat er es geschafft, eine Mannschaft zu formen, die Spiele gewinnen und enge Partien liefern kann. Da hat man gesehen, wozu er in der Lage ist.“

Auf einer Wellenlänge: Sportchef Gonther (r.) und Trainer Thomas Stamm
Foto: Michael Taeger/Jan Huebner
Ein langes Gespräch nach dem letzten Hinrunden-Spiel in Kiel war schließlich entscheidend, um Stamm, der definitiv auch in der Kritik stand, nicht in Frage zu stellen. Gonther: „Das hat mir nochmal den letzten Funken Überzeugung gebracht, dass wir beide, was den Fußball betrifft, deckungsgleich sind. Da war klar, dass er meine hundertprozentige Unterstützung hat.“
Doppelte Arbeit und Schatten-Kader
▶ Über die Planungen für die kommende Saison: „Wenn du in den letzten Jahren zwischen 2. und 3. Liga gependelt bist, ist es nichts Überraschendes, das du zweigleisig planen musst. Das ist doppelte Arbeit, gehört aber dazu“, so Gonther. „Man denkt in Szenarien, hat den berüchtigten Schatten-Kader. Trotzdem haben wir auch viele Spieler für beide Ligen unter Vertrag. Ein Fundament ist also da. Es mag sein, dass es schwieriger ist, den einen oder anderen Spieler zu bekommen, wenn er sich kommitten soll, auch für die 3. Liga zu unterschreiben.“

Die Winter-Leihen wie Ben Bobzien (l.) sind ein Grund für Dynamos Aufschwung
Foto: Robert Michael/dpa
▶ Über die vielen Leihspieler: Gerade die Profis, die jetzt den Unterschied machen, sind im Sommer vielleicht wieder weg (u.a. Thomas Keller, Ben Bobzien, Robert Wagner, Jason Ceka, Julian Pauli). „Im Winter muss es oft schnell gehen. Da geht es erstmal um das kurzfristige Ziel und nicht um die Optionen danach“, erklärt Gonther. „Wir haben nicht immer die Hand drauf, das ist so. Aber die Jungs wissen auch, was sie an uns haben. Ich bin immer im Austausch mit dem Umfeld. Wir werden auch für die nächste Saison versuchen, die bestmögliche Mannschaft zusammenzuholen.“
„Poltern über Schiris bringt nichts“
▶ Über den kommenden Gegner von Dynamo Dresden: „Wir haben am Samstag in Paderborn ein sehr schweres Spiel und einen sehr guten Gegner. Aber so, wie wir in den letzten Wochen aufgetreten sind, können wir auch dort mehr als konkurrenzfähig sein. Und das muss auch unser Anspruch sein.“
▶ Über die ständige Diskussion um Schiedsrichter und Video-Assistent: „Wir würden im Fußball immer diskutieren, egal ob mit oder ohne VAR. Das ist ja auch das Schöne“, meint Gonther. „Beide Seiten sind voneinander abhängig. Was uns in letzter Zeit ein bisschen abgeht, ist die Seriosität. Wir sollten alle wieder etwas sachlicher bleiben. Dieses Poltern bringt dich nicht weiter. Kein Schiri macht irgendwas mit Absicht. Wir müssen die Schiedsrichter auf dem Platz und deren Entscheidungsfindung stärken.“