Aufregung an der Hermann-Runge-Gesamtschule in Moers: „Heute (12. März) hat die Schulleitung dem 13. Jahrgang mitgeteilt, dass wir in unserer Abi-Mottowoche keinen ‚Kulturtag‘ feiern dürfen“, schreiben die Schüler in einer E-Mail. „Unser Jahrgang hat in einer Stufenversammlung demokratisch für diesen Mottotag, im Beisein unserer Abteilungsleiterin, abgestimmt.“ Eine Woche später dann die Überraschung: Aufgrund eines „möglichen Konfliktpotenzials“ habe die Schulleitung den „Kulturtag“ verboten. „Wir sind ein multikultureller Jahrgang und der Auffassung, verschiedene Kulturen sollten gefeiert werden, um so für mehr Verständnis zu sorgen“, schreiben die Schüler.

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Die Mottowoche findet an vielen Schulen traditionell wenige Tage vor den Abi-Prüfungen statt. An insgesamt vier Tagen kommen die Schülerinnen und Schüler der Hermann-Runge-Gesamtschule kostümiert zur Schule. In einer offenen Abstimmung habe sich der Jahrgang auf die Mottos „Anfangsbuchstaben“, „Zeitreise“, „Gruppenkostüm/Kindheitshelden“ und einen „Kulturtag“ geeinigt. Anstelle des „Kulturtags“ soll es nun ersatzweise das Motto „Serien/Filme“ geben – zum Unverständnis der Schüler: „Wir wollten doch einfach nur, dass jeder seine Kultur repräsentieren darf“, erzählt ein Schüler auf Anfrage dieser Redaktion. „Ich verstehe das Problem nicht.“

Schüler genervt: „Es gab in unserer Stufe nie Streit oder Auseinandersetzungen“

Zur Abstimmung über die einzelnen Mottos habe sich der Jahrgang vor einigen Tagen versammelt und verschiedene Ideen an die Tafel geschrieben. Noch bevor jeder Schüler seine Stimme abgeben konnte, seien einige Mottos gestrichen worden. „Es gab zum Beispiel den Vorschlag, einen Geschlechtertausch zu machen“, sagt einer der Schüler. Dieser Vorschlag sei aber vom Jahrgang noch vor der Abstimmung gemeinschaftlich wieder verworfen worden, „weil wir viele islamische Mitschüler haben und niemanden verärgern wollten“. Bei der Idee, einen „Asi-Tag“ zu machen, sei wiederum die anwesende Abteilungsleitung eingeschritten.

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Beide Entscheidungen könnten die Schülerinnen und Schüler der Hermann-Runge-Gesamtschule nachvollziehen, schließlich wolle man lediglich eine friedliche Mottowoche feiern. Dass die Schulleitung allerdings eine Woche nach der Abstimmung den „Kulturtag“ untersagt habe, stößt bei den Schülern auf großes Unverständnis: „Freunde von mir wollten beispielsweise am Kulturtag etwas zu Skandinavien machen“, erzählt eine Schülerin dieser Redaktion. Andere Schüler hätten sich als „Klischee-Deutsche“ mit Birkenstock-Sandalen verkleiden wollen. „Es gab in unserer Stufe nie Streit oder kulturelle Auseinandersetzungen. Ich habe von niemandem gehört, dass eines der Kostüme respektlos werden sollte“, so die Schülerin.

Was den Jahrgang besonders ärgere, sei die vermeintlich fehlende klare Linie der Schulleitung: So habe es in der Vergangenheit zum Beispiel einen Aktionstag gegeben, bei dem „viele Nationalitäten mit verschiedenen kulinarischen Ständen vertreten waren“, so einer der Schüler. „Jeder konnte am Buffet die Spezialitäten aus verschiedenen Kulturen probieren.“ Das Angebot sei von den Schülerinnen und Schülern gut angenommen worden. Wieso fördere die Schulleitung einerseits den kulturellen Austausch und reagiere bei einem geplanten „Kulturtag“ mit einem strikten Verbot, fragt sich der Jahrgang.

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Schulleiterin reagiert irritiert: „Es gab hier keinen Tumult, keine Ver- oder Gebote“

Schulleiterin Gerhild Brinkmann reagierte auf Anfrage dieser Redaktion „irritiert“ auf den Vorwurf, sie habe dem Jahrgang den „Kulturtag“ untersagt. Die Schulleitung könne den Schülerinnen und Schülern gar kein Motto verbieten, da es sich nicht um eine Schulveranstaltung handle. „Es gab hier keinen Tumult, keine Ver- oder Gebote“, unterstreicht Brinkmann. „Was wir den Schülerinnen und Schülern gesagt haben: Verbindet eure Abi-Mottos bitte mit den Grundwerten der Schule. Wir sind eine ‚Schule für Demokratie‘ und eine ‚Schule ohne Rassismus‘, seid respektvoll und denkt vorweg.“

Laut Brinkmann habe es vernünftige Gespräche mit den Schülern gegeben. „Wir besprechen das zusammen, das sind erwachsene Menschen“, so Brinkmann. „Uns war nur wichtig, dass der Jahrgang sich bewusst wird, immer respektvoll zu handeln.“ Der 13. Jahrgang der Hermann-Runge-Gesamtschule sieht das auf Nachfrage anders: „So gemeinschaftlich war die Entscheidung, den ‚Kulturtag‘ zu streichen, nicht“, sagt eine Schülerin. Der Jahrgang habe sich nun schweren Herzens damit abgefunden, dass der „Kulturtag“ vom Tisch ist: „Selbst wenn die Schulleitung in ein paar Tagen sagen würde, wir dürfen den ‚Kulturtag‘ doch feiern, wäre es jetzt irre schwer, so spontan noch geeignete Kostüme zu organisieren.“