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Gefährden Pläne aus Berlin die Energiewende? (4 Min)
Stand: 17.03.2026 10:39 Uhr
Ursprünglich sollten in Deutschland erneuerbare Energien verstärkt ausgebaut werden. Mittlerweile aber steuert die Bundesregierung um. Ein Dorf in Schleswig Holstein geht auch deshalb eigene Wege: Ellhöft macht sich unabhängig von politischen Entscheidungen.
In Ellhöft, einem kleinen Dorf im Kreis Nordfriesland an der dänischen Grenze, setzt man seit Jahren erfolgreich auf Wind- und Solarenergie. Das Motto: Energie von Sonne und Wind für ein schönes Dorf hoch im Norden. Reinhard Christiansen leitet in dem Ort einen Wind- und Solarpark, der seit 1995 Strom produziert und mit dem mehrere Tausend Haushalte versorgt werden können.
Bürgerwind- und Solarpark: „Uns allen macht das Spaß“
Der Bürgerwind- und Solarpark wird genossenschaftlich betrieben. Insgesamt wurden in den umliegenden Gemeinden eigenständig 45 Windmühlen errichtet, acht kommen noch dazu, wie Christiansen berichtet. Das Besondere dabei ist, dass sich viele Bürger finanziell beteiligen.

Windpark-Betreiber Reinhard Christiansen setzt auf Unabhängigkeit von fossilen Energien – und Entscheidungen der Bundesregierung.
Schnell wird klar, dass der Energiepark-Betreiber aus Leidenschaft handelt: „Weil ich hier wohne, habe ich keinen langen Weg zur Arbeit. Ich kann auch nach den Nachrichten ins Büro – oder am Samstagmorgen um 7 Uhr. Man hat die Freiheit – und Projekte bringen Spaß. Uns allen macht das Spaß.“
Die Bürgergenossenschaft ist in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen. Im ganzen Dorf ist die Bereitschaft groß für neue Wind- und Solarprojekte. Teamwork spiele dabei eine große Rolle, berichtet Christiansen: „Wir sind ein duftes Team, ergänzen uns hervorragend. Mit unseren 15 Leuten schaffen wir was weg.“
Wind-Erntedankfest als neue Tradition
Es wird klar, wie wichtig der Wind- und Solarpark für das Dorf und die umliegenden Gemeinden geworden ist. So wichtig, dass daraus sogar eine kleine Tradition entstanden ist: Einmal im Jahr wird statt des normalen Erntedankfestes das Wind-Erntedankfest gefeiert. „Bauern gibt es ja fast nicht mehr, die wurden damals ganz massiv weniger“, erzählt Christiansen.
Zu viel erzeugter Strom muss abgeriegelt werden
Das Dorf hat in den 2000er-Jahren sehr viel an den erneuerbaren Energien verdient. Aber auch hier hatten sie – wie bei anderen Projekten – in der Vergangenheit das Problem: Wenn zu viel Strom produziert wird, der nicht ins Stromnetz eingespeist werden kann, werden die Windräder abgeriegelt. Das wird auch als „Redispatch“ bezeichnet.
Bundeswirtschaftsministerin will an Ausgleichszahlungen sparen
Bisher haben Windrad-Betreiber eine Ausgleichszahlung bekommen, wenn sie auf ihrem Strom sitzen geblieben sind. Da das die Steuerzahlerinnen und -zahler zuletzt im Jahr 2024 insgesamt 554 Millionen Euro kostet, will die Bundesregierung gegensteuern. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plant, die Entschädigungszahlungen an Windparks auszusetzen. Der Netzbetreiber E.ON befürwortet das. Der Solarverband hingegen spricht von einem massiven Angriff auf die Branche.

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Windpark-Betreiber Christiansen hält ebenfalls nichts von diesen Plänen: „Wir sind von diesen irren Beschlüssen, die da gefasst werden, mit den jetzigen Projekten nicht betroffen. Wir haben ja fast keine Abschaltung.“ Vor drei Jahren sei das noch anders gewesen, da seien laufend Windkraftanlagen abgeschaltet worden. Das passiere jetzt aber kaum noch.
Insgesamt kann Christiansen nicht verstehen, warum die Wirtschaftsministerin künftig stärker auf Gas zur Stromerzeugung zurückgreifen will. Aus seiner Sicht sei das nicht nötig, sondern im Gegenteil: „Alles ein Wahnsinn. Wir haben die Erneuerbaren, können alle Energie durch sie erzeugen.“
Gerade der aktuelle Krieg in Nahost zeige, wie wichtig es sei, dass man unabhängig ist. „Das kann doch nicht sein, dass da irgendwelche Typen Kriege anfangen und schon steigen die Preise überall.“ Dabei könnten wir uns selbst versorgen. Es sei traurig, dass die Ministerin das nicht erkenne. Gerade wenn die Bevölkerung beteiligt ist, habe man auch die Akzeptanz, meint Christiansen.

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Unabhängig durch Batteriespeicher und Grünen Wasserstoff
Da schon länger klar war, dass die Bürgergenossenschaft auf ihrem Strom sitzen bleiben und keine Entschädigung bekommen könnte, haben sie in Ellhöft Maßnahmen ergriffen. Geplant ist beispielsweise, einen Batteriespeicher zu bauen. In dem wollen sie Strom zwischenspeichern, bis dieser ins Netz geht, um dann finanziell davon zu profitieren. Zusätzlich soll überschüssige Energie eigenständig in Grünen Wasserstoff umgewandelt werden. Im Frühjahr soll außerdem das eigene Umspannwerk fertig sein. Damit wollen sie sich unabhängig machen von möglichen Entscheidungen aus Berlin.

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