Özdemir statt Ösdemir, also Z statt stimmhaftes S – der Name des Mannes, der demnächst Ministerpräsident in Baden-Württemberg werden könnte, wird oft falsch ausgesprochen. Die Journalistin Özge Inan sah das kürzlich in der Talkshow „Hart aber fair“ als Ausdruck mangelnden Respekts vor Menschen mit Migrationshintergrund. Cem Özdemir selbst scheint es weniger zu stören. Er bezeichnet seinen Namen teils selbstironisch als „Ötzelbrötzel“.

Aber wie sehen Stuttgarter das Thema, deren Name häufig falsch ausgesprochen wird? Korrigieren sie ihr Gegenüber – oder lachen sie darüber? Vier Betroffene erzählen.

„Manchmal ist es schwer, sich selbst zu erkennen“, sagt Sophie Honoré, die aus Frankreich kommt. Foto: Mikhail Balashov

Sophie Honoré kommt ursprünglich aus Frankreich. In Deutschland ist sie seit mehr als zehn Jahren, in Stuttgart wohnt sie seit anderthalb. Sie macht oft die Erfahrung, dass Leute ihren Namen falsch aussprechen. „Das passiert häufig bei Menschen, die mich nicht kennen, zum Beispiel beim Arzt im Warteraum“, berichtet die 32-Jährige. „Am Anfang ist es manchmal schwer, sich selbst zu erkennen, wenn man gerufen wird.“

Zu Beginn habe sie sich immer bemüht, die Menschen zu korrigieren. Die häufigsten Fehler, die Menschen bei der Aussprache ihres Namens machen, seien das „H“ mitzusprechen und den Akzent auf dem „E“ zu ignorieren. Klingen würde das dann wie „Honore“ anstatt „Onoree“. Mittlerweile sei ihr das aber weitgehend egal und sie verbessere die Leute nur noch, wenn sie öfter mit ihnen zu tun habe, sagt die Mitarbeiterin der Geschäftsstelle des Landesverbands (post-)migrantischer Organisationen Baden-Württembergs. „Jetzt nehme ich das mit Humor.“

Da viele Menschen in der Schule Französisch lernen, gibt es einige, die Sophie Honorés Namen korrekt aussprechen. „Das ist natürlich schön und es fällt mir auf, wenn das direkt gut ausgesprochen wird“, sagt die Französin.

Amina Ousman-Daouda hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Leute seien bei ihrem Namen vor allem wegen des „Os“ irritiert. Dabei wird das gar nicht ausgesprochen. „Usman Dauda“ lautet die korrekte Aussprache. „Viele Leute sagen es ganz langsam oder versuchen es auch nur mit dem ersten Namen und brechen dann ab, in der Hoffnung, dass ich sage, wie man ihn richtig ausspricht“, erzählt die 34-Jährige.

Amina Ousman-Daouda hat die Erfahrung gemacht, dass vor allem Menschen aus muslimischen Ländern ihren Namen korrekt aussprechen. Foto: Cora Mishale Altuner

Ihr ist aufgefallen, dass Menschen aus muslimischen Ländern kein Problem mit dem Namen haben. Das liege daran, dass „Ousman“ dort ein gängiger Vorname sei. Der Ursprung ihres Nachnamens liegt ebenfalls in dieser Region, ihr Vater stammt aus dem westafrikanischen Staat Niger.

Amina Ousman-Daouda ist es wichtig, dass ihr Name im beruflichen und professionellen Kontext richtig ausgesprochen wird. Hier verbessert sie die Aussprache dann auch. Die Co-Geschäftsführerin und künstlerische Co-Leiterin des Kultur-Kabinetts Stuttgart kann es aber auch nachvollziehen, wenn viele dies nicht tun, „um Ressourcen zu schonen und Energie zu sparen“.

Korrekte Aussprache hat „etwas mit Wertschätzung zu tun“

Für sie habe die korrekte Aussprache ihres Namens allerdings „auch etwas mit Wertschätzung zu tun“ und wenn andere Leute nicht darauf achten würden, fühle man sich leicht abgewertet.

Vor allem mit dem zweiten Nachnamen hätten die meisten Menschen Probleme. Amina Ousman-Daouda hat schon die unterschiedlichsten Varianten gehört, wie etwa Duda oder Dadu. Manchmal würden sogar zusätzliche Buchstaben eingefügt. Ihren Namen müsse sie ohnehin jedes Mal buchstabieren.

Für Freweini Tzeggai ist es normal, dass sie ihren Namen immer buchstabieren muss. Foto: Forum der Kulturen

Die Familie von Freweini Tzeggai kommt aus Eritrea, sie selbst ist aber in Stuttgart geboren und aufgewachsen. Dass ihr Name falsch ausgesprochen wird, komme recht häufig vor, vor allem wenn die Leute ihn zum ersten Mal sehen.

Dabei wird ihr Vorname mit einem englischen Einschlag ausgesprochen, also das erste „E“ wie ein „I“ und das „Ei“ eher wie „Ai“. Beim Nachnamen wird das „Tz“ zu einem „Z“. Der 41-Jährigen ist es auch schon passiert, dass sie in E-Mails für einen Mann gehalten wurde. Das sei nicht so tragisch, aber es falle ihr auf, wer sich die Mühe macht, den Namen kurz nachzuschauen – und wer nicht.

Mehr Verständnis füreinander

Freweini Tzeggai ist sich bewusst, dass sie keinen gewöhnlichen Namen hat. „Deswegen sehe ich das überhaupt nicht negativ oder dass ich mich darüber empören muss, wenn jemand meinen Namen falsch ausspricht“, sagt die Mitarbeiterin des Forums der Kulturen. „Das passiert mir manchmal bei anderen Namen auch und da wünsche ich mir dann auch Verständnis. Deswegen bringe ich den Leuten auch immer Verständnis entgegen“.

Für sie sei es schon fast zur Gewohnheit geworden, dass sie ihren Namen buchstabieren muss, auf die richtige Aussprache weist sie immer hin. Viele Leute würden ihn aussprechen, wie er geschrieben wird. Eine Situation ist Freweini Tzeggai ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Als sie in Österreich war, habe man ihren Nachnamen dort „Tscheggai“ ausgesprochen.

Daniel Michalos ist in Deutschland geboren und in Griechenland aufgewachsen. Vor allem mit den „ch“ haben die Leute bei seinem Namen Probleme. Foto: Forum der Kulturen

Auch wenn der griechische Name von Daniel Michalos auf den ersten Blick nicht schwierig auszusprechen scheint, passiert es dennoch jedes Mal, wie er sagt. Das liegt an dem griechischen „Ch“, das „sehr weit hinten am Rachen ist“. Der häufigste Fehler, den Menschen machen, sei aber die Betonung. Richtig ist es, das „Os“ zu betonen. „Wenn ich ihn dann vorsage, merke ich, wie schwierig das ist“, sagt der 49-Jährige.

Was Daniel Michalos aufgefallen ist: dass sich je nach Herkunftsland die Leute mehr oder weniger Mühe machen, Namen richtig auszusprechen. Bei spanischen und französischen Namen werde mehr darauf geachtet, sagt Michalos. Bei nordeuropäischen Namen würden sich die Menschen sogar sehr viel Mühe geben, bei süd-, südost-, oder osteuropäischen Namen oder bei Namen von außerhalb Europas würden sich die Menschen keine Mühe geben.

Ihn stört es im professionellen Umfeld, wenn sein Name falsch ausgesprochen wird. Bei der Arbeit beispielsweise weist er auf die korrekte Aussprache hin. Im privaten Kontext ist das kein Thema, die Menschen würden ihn ohnehin nicht mit dem Nachnamen ansprechen.

Auch Daniel Michalos hat schon die unterschiedlichsten Varianten seines Namens gehört – vom Hinzufügen eines „Es“ über „Michaelis“ bis hin zu „Michalof“.

Der Mitarbeiter des Forums der Kulturen ist in Deutschland geboren und in Thessaloniki aufgewachsen. Seinen Vornamen könne man auf drei verschiedene Arten aussprechen: neben der deutschen Variante gibt es in Griechenland zwei Möglichkeiten. Die eine Version klingt wie „Daniel“, aber französisch ausgesprochen, die andere wie „Danil“, das „E“ wird hier nicht gesprochen.

Kein Gefühl von Diskriminierung wegen falscher Aussprache

Wenn Daniel Michalos in Griechenland ist, muss er seinen Namen nie buchstabieren, im Gegensatz zu Deutschland. Das ist für ihn eine Erleichterung. „Die Menschen in Griechenland schreiben den Namen auf und wissen, was gemeint ist. Sie wissen wie es geschrieben wird und müssen nicht nachfragen“, erzählt er. „Dort merke ich, dass es ein Stück weit befreiend ist, nicht zu erklären, wie der Name geschrieben wird“.

Generell fühlt sich keiner der vier Betroffenen diskriminiert, wenn der Name falsch ausgesprochen wird. Vielmehr ist es für sie zur Gewohnheit geworden, ihn zu buchstabieren oder auf die korrekte Aussprache aufmerksam zu machen. Wenn es aber auch nach mehrfachem Daraufhinweisen vorkommt, erzeuge das ein ungutes Gefühl und ärgere sie, weil es an Ignoranz grenze.