Sensationsfund in Stuttgart: Relikte aus der Römerzeit: Noch mehr Pferdeskelette am Hallschlag entdeckt Im Hallschlag wurden weitere Pferdeskelette auf der Baustelle an der Düsseldorfer Straße entdeckt. Foto: S. Roth/LAD

Vor einem Jahr ist auf einer Baustelle am Hallschlag ein großer römischer Pferdefriedhof entdeckt worden. Jetzt gab es dort weitere Funde.

Dass der vor einem Jahr entdeckte römische Pferdefriedhof im Hallschlag noch größer war als bislang angenommen, zeigen nun weitere Grabungsergebnisse im Hallschlag. „Die Baustelle an der Düsseldorfer Straße wurde in diesem Jahr erweitert“, erklärt Grabungsleiterin Sarah Roth vom Landesamt für Denkmalpflege. So hat die archäologische Fachfirma ArchäoBW im Auftrag des Bauherrn, der SWSG, im östlichen Randbereich der Grabungsfläche vom vergangenen Jahr auf rund 60 Quadratmetern seit Anfang Februar weitere rund zehn Pferdeskelette gefunden.

Insgesamt 119 Skelette wurden gefunden

„Jetzt haben wir insgesamt 119 Skelette gefunden“, bilanziert Roth. Damit wird der Fundort im Hallschlag nochmals bedeutsamer. So handelt es sich um den bislang größten römischen Pferdefriedhof Deutschlands, der hier auf der Baustelle in Stuttgarts größtem Stadtbezirk Bad Cannstatt entdeckt wurde.

Hier wurden die Skelette auf der Baustelle entdeckt. Foto: Grafik/Lange

Hier baut derzeit die SWSG eigenen Angaben zufolge 312 neue Wohneinheiten. Erste Funde waren im September 2024 auf dem rund 1,7 Hektar großen Areal entdeckt worden.

Die neuen Funde lagen tiefer und sind noch besser erhalten

Eine weitere positive Nachricht hat die Archäologin: „Da in diesem Bereich des Friedhofs die Überdeckung mit Erde noch etwas mächtiger war, liegen hier ein paar besonders gut erhaltene Exemplare.“ Und das unweit des Kastells, in dem im Jahre 90 nach Christus auf rund vier Hektar Fläche eine römische Reitereinheit untergebracht war.

Diese Skelette lagen tiefer in der Erde und sind noch besser erhalten. Foto: S. Roth/LAD

Auch diese Skelette werden nun nicht nur auf Alter, Geschlecht, Krankheiten und Belastungsspuren untersucht. Auch werde nach möglichen Todesursachen geforscht. Klar ist inzwischen, dass die Pferde nicht sehr groß waren. Sie hatten ein Stockmaß von etwa 1,40 Meter. In der nun untersuchten Fläche schienen einige Pferde in vermutlich schon vorhandene Gruben gelegt worden sein. „Vielleicht handelt es sich um ehemalige Lehmentnahmegruben, die man später zum Entsorgen der Pferde verwendete“, so Roth. Darin unterscheidet sich das jetzige Grabungsareal von dem bisherigen, wo die Archäologen meinen zu sehen, dass die Gruben eigens für die Pferde angelegt wurden.

Die Pferde haben etwa im ersten/zweiten Jahrhundert nach Christus gelebt, in der Zeit, als die Römer in Cannstatt waren. Der römische Schinderanger, sprich Pferdefriedhof, befand sich in der heutigen Düsseldorfer Straße und in angrenzenden Bereichen.

Grabungsleiterin Sarah Roth bei den ersten Ausgrabungen Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Mitte des zweiten Jahrhunderts wurde die römische Reitereinheit nach Welzheim verlegt. Roth geht davon aus, dass dann auch die Geschichte des Pferdefriedhofs auf dem Hallschlag endet. Seit kurzem werden Funde vom Hallschlag im Rahmen einer archäozoologischen Masterarbeit an der Universität Tübingen bearbeitet. Dabei werden zehn Pferdeskelette untersucht. „Dadurch wird die untersuchte Stichprobe von 28 Tieren vergrößert“, erklärt Roth. Dieses Jahr seien noch die ersten invasiven Analysen an ausgewählten Tieren geplant, um herauszufinden, ob die Tiere vielleicht aus der Gegend um Cannstatt stammten.

Weitere Informationen soll es im Jahrbuch über Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg des Landesamts für Denkmalpflege geben, welches voraussichtlich im Juli erscheinen soll. Auch hat die britische Archäologiezeitschrift Current World Archaeology im Frühjahr einen Artikel veröffentlicht.