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Prof. Dr. Konstantinos Karatolios refereierte zum Thema Herzrhytmus-Störungen„20 bis 30 Prozent aller Hirninfarkte gehen auf Vorhofflimmern zurück“, berichtet Prof. Konstantinos Karatolios. © Barbara_czernek

Prof. Konstantinos Karatolios klärt über die Gefahren von Herzrhythmusstörungen auf. Mehr als eine Million Deutsche sind betroffen.

Gießen – Was sind Herzrhythmusstörungen und was kann gegen sie getan werden? Mit diesem Themengebiet beschäftigte sich Prof. Konstantinos Karatolios in seinem Vortrag „Herz aus dem Takt – wann sind sie harmlos, wann gefährlich?“ im Pelahn-Studio in Klein-Linden, das im Anschluss zu einem Tag der offenen Tür einlud.

Organisiert wurde der Vortrag von Wolfgang Klaum von der Deutschen Herzstiftung. In Deutschland leiden mehr als eine Million Menschen an Herzrhythmusstörungen. Ein Thema also, das viele – vorwiegend ältere Menschen – interessiert. Entsprechend gut gefüllt war der Vortragsraum. Konstantinos Karatolios stellte sich den vielen Fragen der Zuhörer. Der Kardiologe erläuterte, welche Arten von Herzrhythmusstörungen es gibt und welche davon akut lebensbedrohlich sind und welche nicht. Zu den unbedenklichen Arten zähle das Herzrasen, das nicht akut lebensbedrohlich sei und das meistens auch von selbst wieder verschwinde. Als Sofortmaßnahme haben sich das Trinken von kaltem Wasser oder das Anspannen der Bauchmuskeln durch Luftanhalten bewährt. Beim Vorhofflattern habe der Sinusknoten im Herzen zumindest zeitweilig seine normale Funktion als Taktgeber verloren. Dies könne durch ein EKG diagnostiziert und anschließend entweder durch Medikamente oder eine Elektrostimulation behandelt werden. Zur Vorbeugung eines Schlaganfalls sei hier möglicherweise die Einnahme von Gerinnungshemmern sinnvoll. Auf jeden Fall sei eine Dokumentation des Geschehens notwendig.

Erhöhte Gefahr für Schlaganfall

Vorhofflimmern sei die häufigste Herzrhythmusstörung. Es entstehe fast immer an den Einmündungen der Lungenvenen (Pulmonalvenen) im linken Vorhof. Die Vorhöfe schlügen dann so schnell, dass sie an der eigentlichen Pumparbeit des Herzens nicht mehr teilnehmen könnten. Dadurch entstünden ungeordnete, chaotische Herzschläge. Dies sei zwar nicht akut lebensbedrohlich, allerdings erhöhe sich dadurch die Gefahr eines Schlaganfalls, da stehendes Blut zur Bildung von Blutgerinnseln neige, die wiederum zum Schlaganfall führen könnten. „20 bis 30 Prozent aller Hirninfarkte gehen auf Vorhofflimmern zurück“, sagte der Professor. Die Diagnose von Herzrhythmusstörungen sei entscheidend. Diese könne durch Pulsmessung oder Blutdruckmessgeräte mit Herzrhythmusfunktion geschehen. Er empfahl sogenannte Wearables und Smartphone-Apps, da diese kontinuierlich aufzeichneten. Auf jeden Fall solle man bei Pulsunregelmäßigkeiten einen Arzt aufsuchen.

Zu den lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen zählten die Kammertachykardie und das Kammerflimmern. In diesen Fällen seien Wiederbelebungsmaßnahmen notwendig, bei denen zuerst der Notruf (112) gewählt werden müsse.