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Berlin – Es ist das Reizthema unserer Zeit: Migration. Von der Willkommenskultur 2015 bis zur großen Krise. Vor über einem Jahr versprach Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) einen neuen, härteren Kurs in der Migrationspolitik. Was ist seitdem geschehen und wer sind die Flüchtlinge, die bleiben oder gehen müssen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich BILD-Vize Paul Ronzheimer in der aktuellen Folge „Wie geht’s, Deutschland“ (Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1).
Ronzheimer trifft auf Menschen, die längst Teil der Gesellschaft geworden sind und dennoch das Land wieder verlassen müssen. So wie im Fall von Ayse (19) und ihrer Familie, die plötzlich und unerwartet auseinandergerissen wurden.

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Ayse mit ihrer Familie. Die Geschwister gingen in die Schule. Ihre Eltern arbeiteten in Deutschland, zahlten hier ihre Steuern
Foto: Sat.1
Familie war integriert
Versteckt in einem Lkw kam die Familie 2020 illegal aus der Türkei nach Deutschland. „Mein Vater hat sich eine bessere Zukunft für uns Kinder erhofft, eine bessere Bildung“, erzählt die 19-Jährige. Eltern und Kinder integrierten sich schnell, zahlten Steuern in Deutschland, gingen zur Schule, bauten sich ein Leben in Stadtallendorf (Hessen) auf. Und dennoch pochte es kürzlich an der Tür.

Ayse macht eine Ausbildung zur Pflegefachkraft. Ob sie danach in Deutschland bleiben darf, weiß sie nicht
Foto: Sat.1
„Vor einem Monat standen um 5 Uhr morgens zehn Polizeibeamte in unserer Wohnung, packten Sachen von meinem Vater und meinen Geschwistern in Müllbeutel und fuhren sie zum Flughafen“, berichtet Ayse. Der Asylantrag der Familie wurde vor fünf Jahren abgelehnt, ihre Duldung lief vor drei Monaten ab – obwohl sich die Familie darum kümmerte, bleiben zu dürfen, alle Anträge gestellt und eingereicht hatte.
Eltern und Kind auseinandergerissen
Weil Ayse eine Ausbildung zur Pflegefachkraft macht, darf sie vorerst bleiben – und ist jetzt ganz auf sich allein gestellt: „Es ist eine Katastrophe, ich bin traumatisiert“, sagt sie zu Paul Ronzheimer. Der bittet sie, ihren Vater in der Türkei anzurufen. „Es geht mir sehr schlecht“, sagt er auf Deutsch. „Es ist sch***, dass meine Tochter jetzt allein ist. Wir wissen nicht, was wir machen sollen.“ Die junge Frau muss weinen, denn sie weiß: Über eine lange Zeit wird sie ihre Familie nur per Videocall sehen können.

Die junge Frau kann ihre Familie erst einmal nur per Videocall sehen
Foto: Sat.1
„Migration ist von unserer Seite gescheitert“
Paul Ronzheimer resümiert: „Mir tut Ayse wahnsinnig leid, sie vermisst ihre Familie. Bei mir kommen sofort Szenen hoch, die man an anderen Orten in Deutschland sieht, und ich stelle mir die Frage: Warum wurde der jetzt nicht abgeschoben und bei so einer Familie kommt morgens die Polizei? Hier ist die Migration gescheitert – aber wohl eher von unserer Seite.“
„RONZHEIMER – Wie geht’s, Deutschland?“ (Dienstag, 20.15 Uhr, Sat.1 und auf Joyn)
RONZHEIMER-Doku in Sat.1: Sie glauben nicht, wie viel Bürokratie diese Sackkarre auslöst
Quelle: Sat1/Joyn11.03.2026