Iranische Luftangriffe setzen die Golfstaaten unter Druck. Die Ukraine hätte die passende Abwehr – darf sie aber nicht liefern.
Die Golfstaaten stehen seit Beginn des Iran-Kriegs massiv unter Beschuss. Tausende iranische Drohnen und Raketen treffen laut „Reuters“ US-Botschaften, Militärbasen, Ölterminals, Häfen, Flughäfen und Wohn- und Geschäftsgebäude. Eingesetzt werden dabei auch Kamikaze-Drohnen des Typs Shahed, die im Tiefflug auf ihre Ziele stürzen.
Während die Staaten am Golf dringend nach wirksamer Abwehr suchen, kämpft die Ukraine seit Jahren gegen sehr ähnliche Angriffe. Russland setzt dort ebenfalls Shahed-Drohnen ein, um Stromversorgung, Logistik und Infrastruktur zu treffen. Aus dieser Bedrohung heraus ist eine neue Waffe entstanden.
ANZEIGEUkraine baut eigenen Shahed-Killer „Sting“
Die ukrainische Firma Wild Hornets hat mit „Sting“ eine eigene Abfangdrohne entwickelt. Das kleine Fluggerät jagt gegnerische Shaheds und zerstört sie im Rammangriff. Die Sting-Drohne wurde schnell zu einem wichtigen Teil der ukrainischen Luftverteidigung.
Laut „Reuters“ fliegt sie bis zu 280 Kilometer pro Stunde, hat eine Rundum-Antenne und eine Reichweite von rund 37 Kilometern. Sring rast auf die angreifende Drohne zu und bringt sie mit Sprengladungen zum Absturz.
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Wild Hornets gibt an, die Abfangdrohne habe seit Juni 2025 bereits mehr als 3.000 russische Shaheds abgeschossen. Über 10.000 Stück werden demnach pro Monat produziert. Der Stückpreis liegt bei etwa 2.000 Dollar oder weniger, während eine Shahed zwischen 20.000 und 50.000 Dollar kostet.
Eine Shahed-Drohne iranischer Bauart picture alliance / Middle East Images | Anonymous Golfstaaten drängen auf Lieferung
Die Fähigkeiten der Abfangdrohne macht Sting für den Golf interessant. Sie sind zudem deutlich günstiger als Patriot-Raketen, die im Millionenbereich liegen. Laut „Reuters“ haben Staaten im Nahen Osten daher bei ukrainischen Herstellern angeklopft. Wild Hornets bestätigt, dass Anfragen aus der Region eingehen.
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Das Fachmagazin „TWZ“ zitiert Wild-Hornets-Sprecher Alex Roslin mit den Worten: „Unsere Priorität ist die Verteidigung der Ukraine. Exporte von Drohnen sind nicht erlaubt.“ Die Produktionskapazität wäre zwar vorhanden, doch ohne Freigabe aus Kiew bleibt die Ware im Land.
Kiew zieht die Exportbremse
Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte zuletzt, die Ukraine wolle für Unterstützung im Nahen Osten vor allem Geld und Technologie. Drei Teams von Luftabwehr-Experten seien bereits in die Region entsandt, um Erfahrungen aus vier Jahren Abwehr von Shahed-Angriffen zu teilen. Gleichzeitig kritisiert er ukrainische Firmen und ausländische Regierungen, die versuchen, ohne Zustimmung aus Kiew Geschäfte bei Anti-Drohnen-Technik anzubahnen.
Wild Hornets stellt klar, dass das Unternehmen nur exportieren wird, wenn die Regierung dies ausdrücklich verlangt. „Wir haben Anfragen in unserem Posteingang, aber wir reagieren im Moment nicht darauf“, so ein Vertreter zu „Reuters“.