Wenn’s zum Krieg kommt, versammelt sich das Volk hinter der Regierung. So ist es im Regelfall. Eine Mehrheit der Amerikaner (70 bis 80 Prozent) unterstützte 1990/1991 den Golfkrieg, nachdem der Irak Kuwait überfallen hatte. Eine Mehrheit (90 Prozent) stand 2001 hinter dem Afghanistankrieg.
Selbst der Irakkrieg wurde 2003 kurz nach dessen Beginn von rund zwei Dritteln der Amerikaner gutgeheißen. Allerdings kippte die Stimmung ab etwa 2005. Da wurde klar, dass Diktator Saddam Hussein nicht, wie behauptet worden war, über Massenvernichtungswaffen verfügte.
Unsicherheit und Pessimismus
Donald Trumps Krieg gegen den Iran ist schon jetzt unbeliebt. Im Durchschnitt aller Umfragen, ermittelt durch die Webseite realclearpolitics.com, lehnen 48,8 Prozent der Amerikaner die Militäraktion ab, 44,1 Prozent finden sie richtig.
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Allerdings ist das Stimmungsbild volatil. Bei fünf von sieben der wichtigsten Umfrageinstitute ist der Abstand zwischen Zustimmung und Ablehnung zweistellig. Bei Quinnipiac University ist das Verhältnis 53 Prozent (dagegen) zu 40 Prozent (dafür), bei Reuters-Ipsos ist es 43 Prozent zu 29 Prozent.
Insgesamt ist die Stimmung von Unsicherheit und Pessimismus geprägt. In einer Umfrage von Fox News unter registrierten Wählern zu ihrer Meinung zum Krieg steht es zwar 50 zu 50, aber gefragt wurde auch, ob Trumps Politik gegenüber dem Iran die USA sicherer gemacht habe. Das Ergebnis ist eindeutig: 51 Prozent sagten „weniger sicher“, 29 Prozent sagten „sicherer“ (19 Prozent sagten, es mache keinen Unterschied).
Mit anderen Worten: Selbst Anhänger des Präsidenten und Befürworter des Krieges sind unsicher in Bezug auf dessen langfristige Konsequenzen. Viele befürchten, dass er kontraproduktiv sein könnte.
In der Fox-Umfrage sagten 61 Prozent der Befragten, dass vom Iran eine „reale Gefahr für die nationale Sicherheit“ der USA ausgehe. Wird die Frage aber anders gestellt, fällt auch die Antwort anders aus. Quinnipiac wollte wissen, ob der Iran eine „unmittelbare militärische Gefahr für die USA“ gewesen sei. 55 Prozent sagten „nein“, 39 Prozent sagten „ja“.
Die teilweise widersprüchlichen Umfragedaten hängen womöglich mit der Intensität zusammen, mit der Amerikaner den Krieg im Iran verfolgen. Laut Reuters hat gut die Hälfte „viel“ darüber gehört, knapp die Hälfte nur „ein bisschen“ oder weniger.
Nur 17 Prozent der Unter-35-Jährigen halten zu Israel
Auch auf anderen Themengebieten dreht sich die Stimmung gegen Trump und die Republikaner. Beispiel Nahost: In einer neuen Umfrage von NBC News verteilen sich die Sympathien der Amerikaner ziemlich gleichmäßig auf Israel und die Palästinenser. Allerdings halten zwei Drittel der Demokraten (67 Prozent) zu den Palästinensern und nur 17 Prozent zu Israel. Parteiübergreifend beurteilt eine knappe Mehrheit Israel eher negativ als positiv.
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Unter jungen registrierten Wählern – den unter 35-Jährigen – sind die neuen Präferenzen parteiübergreifend noch deutlicher. Fast zwei Drittel beurteilen Israel negativ, während 60 Prozent angeben, mehr mit Palästinensern als mit Israelis zu sympathisieren.
Beispiel Einwanderungspolitik: Trump war im vergangenen Jahr mit 48 Prozent der Latino-Stimmen gewählt worden. Vor allem wegen seiner radikalen Abschiebepraxis sind seine Beliebtheitswerte unter Latinos auf 22 Prozent gesunken. Das könnte sich bei den Midterms, den Zwischenwahlen im November, für die Republikaner äußerst negativ auswirken.
Laut „Economist“ sind die Chancen der Demokraten, die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu erringen, von 69 Prozent auf 85 Prozent gestiegen. Für den Senat, in dem nur ein Drittel der Sitze zur Wahl steht, sind die Chancen für eine Mehrheit von 29 Prozent auf 47 Prozent gestiegen.
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Das sind Momentaufnahmen einer politischen Stimmung, die sich jederzeit ändern kann.
Sollte in naher Zukunft das Regime in Teheran gestürzt werden – oder das in Havanna auf Kuba –, stünden Trump und die Republikaner in vielen amerikanischen Wählerkreisen plötzlich als Helden da.