In einer Sondersitzung des Kultur- und Wissenschaftsausschusses NRW gab es einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zufolge heute erneut scharfe Kritik an der Rektorin der Kunstakademie Düsseldorf, Professorin Donatella Fioretti. Kulturministerin Ina Brandes (CDU), die Antisemitismusbeauftragte Sylvia Löhrmann, Alon Dorn als Vorstandmitglied der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf sowie Rednerinnen und Redner aller Fraktionen haben ihr einen falschen Umgang mit der Einladung der palästinensischen Filmemacherin Basma al-Sharif vorgeworfen. Brandes äußerte, die Akademie-Rektorin werde ihrer Verantwortung als Führungskraft der Hochschule nicht gerecht. Die Rektorin sagte, sie wolle zur Beruhigung der Lage beitragen, blieb jedoch grundsätzlich bei ihrer Position und räumte Kommunikationsfehler ein.
Laut Rektorin wäre Ausladung rechtlich nicht möglich gewesen
Der Termin fand im Anschluss an öffentliche Diskussionen um einen Werkvortrag statt, zu dem al-Sharif von Studierenden der Akademie am 21. Januar 2026 eingeladen worden war. Die Veranstaltung hatten trotz der Proteste stattgefunden. Der Künstlerin wird unter Verweis auf Beiträge in sozialen Medien Antisemitismus vorgeworfen.
Fioretti sagte nun laut dpa, man hätte die Kritik ernst genommen und die Posts der Künstlerin daher überprüft. Sie hätten sich im Rahmen der Meinungsfreiheit bewegt. Eine Ausladung wäre „willkürlich“, also rechtlich nicht möglich gewesen. Es handele sich um eine anerkannte Künstlerin. Die Veranstaltung mit ihr habe einen „seminarartigen Charakter“ im kleinen Kreis gehabt.
Antisemitismus und antipalästinensischer Rassismus hätten in der Akademie keinen Platz, beteuerte die Rektorin. In einer polarisierten Welt müssten Studierende die Chance haben, verschiedene Stimmen zu hören. Mit den Aussagen der Künstlerin stimme sie nicht überein. Es sei aber nicht ihre Aufgabe als Rektorin, „politische Inhalte zu prüfen“.
Jüdische Gemeinde fordert erneut Rücktritt
Wie die dpa berichtet, betonte Alon Dorn von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf in der Sitzung, die Äußerungen von Basma al-Sharif seien antisemitisch, sie spreche Israel das Existenzrecht ab. Es gehe in ihren Posts „um die De-Legitimierung eines Staates, um Narrative von Terrororganisationen und um Symboliken, die Gewalt gegen Juden legitimieren“.
Die Akademie-Leitung sei schon im Dezember gewarnt worden, sagte er laut dpa. Die Sorgen der Jüdischen Gemeinde seien lange bekannt gewesen, auch Aufrufe und Petitionen gegen die Veranstaltung seien nicht gehört worden. Der Vertreter der Jüdischen Gemeinde forderte demnach erneut Fiorettis Rücktritt. Zudem brauche es eine Untersuchung zur Situation jüdischer Studierender an der Hochschule.
Fioretti sagte: „Wir wollen nicht als Gegner der Jüdischen Gemeinde dastehen.“ Sie räumte ein, dass es nicht gelungen sei, transparent zu kommunizieren. „Das hat zu Missverständnissen geführt, für die ich mich entschuldige.“ Das sei sehr stark ein Problem des Kommunikationsteams gewesen, sie hätte aber als Rektorin persönlich die Kommunikation übernehmen und vorher in Kontakt zur Jüdischen Gemeinde treten sollen, erklärte Fioretti.
Brandes: Es geht in dem Konflikt nicht um Kunstfreiheit
Der dpa zufolge warf Ministerin Brandes Fioretti vor, dass sie sich nach wie vor nicht klar von den Positionen der Künstlerin distanziere. Das Ansehen der Akademie habe Schaden genommen.
Ihr Ministerium und die Landesregierung respektierten die Freiheit von Kunst, Wissenschaft sowie die Hochschulautonomie ausdrücklich, unterstrich die CDU-Politikerin. Die Akademie-Leitung hätte die Veranstaltung unterbinden müssen, meinte Brandes. Als Ministerin seien ihr in dieser Frage die Hände gebunden gewesen, eben wegen dieser Freiheit der Hochschule. Aber: „Freiheit geht nur mit Verantwortung.“
Dieser Verantwortung sei Fioretti in den vergangenen drei Monaten und auch in der aktuellen Ausschusssitzung nicht gerecht geworden. Direkt an die Rektorin gewandt bilanzierte Brandes laut dpa: „Das ist natürlich unbefriedigend, was wir heute gehört haben.“
Kritik auch von Antisemitismusbeauftragter und Abgeordneten
Die Antisemitismusbeauftragte Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen) sprach von einer emotional angespannten Lage und einer „sehr eskalierten Situation“, so der dpa-Bericht. Sie bedauerte demnach, dass die Veranstaltung rein intern als „closed shop“ gelaufen sei, was Misstrauen geschürt habe.
Der SPD-Abgeordnete Andreas Bialas wies auf das unermessliche Leid der israelischen und palästinensischen Bevölkerung hin. Diskurs sei wichtig. In der Kunstakademie sei das aber „nicht in angemessener Weise geschehen“. Aus der FDP hieß es, Fioretti lasse die nötige „Führung und Haltung“ vermissen.
HRK-Präsident warnte vor Eingriffen in Hochschulautonomie
Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Professor Walter Rosenthal, hatte am Dienstag per Stellungnahme davor gewarnt, die Rektorin aufgrund der Zulassung der Veranstaltung vorzuverurteilen. Es liege in der Verantwortung von Hochschulen, im Rahmen der grundgesetzlich geschützten Freiheit von Kunst und Wissenschaft, von Forschung und Lehre, einen akademischen Diskursraum zu ermöglichen.
Fioretti leitet die Kunstakademie Düsseldorf seit April 2023. Um die Wahl hatte es Konflikte gegeben. Aufgrund eines Verfahrensfehlers hatte der Wissenschaftsausschuss des Landes die ursprüngliche Wahl von Dezember 2022 für ungültig erklärt. Dagegen hatten Studierende protestiert.