In Berlin gingen im Jahr 2024 rund 35 Prozent aller ukrainischen Staatsangehörigen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Bei Geflüchteten aus den wichtigsten Asylherkunftsländern lag die Beschäftigungsquote bei 50 Prozent. Das geht aus dem Bericht zur gesellschaftlichen Teilhabe Geflüchteter der Berliner Integrationsbeauftragten hervor, der am Mittwoch vorgestellt wurde.
Demnach war rund 38 Prozent der ukrainischen Beschäftigten als Fachkraft tätig, bei den Beschäftigten aus den Asylherkunftsländern sogar fast die Hälfte.
Sorgen vor Wegfall der Integrationskurse „Das kann doch auch für den Staat nicht gut sein“
„Das deutsche Beschäftigungswachstum generiert sich zu 100 Prozent aus Menschen aus dem Ausland“, sagte Berlins Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial bei einem Pressetermin. Das entspreche Angaben der Bundesagentur für Arbeit. Die Zahlen zeigten ein differenziertes Bild eines „doch stark negativen Diskurses“ über Migration. Sie appellierte: „Ich möchte, dass wir aufhören, negativ über Migration und Flucht zu reden.“ Das Ankommen von geflüchteten Menschen sei „einer der komplexesten gesellschaftlichen Prozesse“.
Insgesamt nimmt die Beschäftigungsquote unter den Geflüchteten in Berlin zu. So stieg die Quote der Menschen aus den Asylherkunftsländern, die in Arbeit sind, allein von 2023 auf 2024 um 3,9 Prozentpunkte auf 46 Prozent. „Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten, verglichen mit früheren Zuzügen, schneller gelingt“, heißt es in dem Bericht. Eine mögliche Erklärung sei der „Job-Turbo“, mit dem Geflüchtete zusätzliche Unterstützung beim Berufseinstieg erhalten.
Die Berliner Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial und die Politikwissenschaftlerin Anne-Marie Kortas bei der Pressekonferenz zum Thema „Situation Geflüchteter in Berlin“.
© dpa/Andreas Heimann
Insgesamt lebten im vergangenen Jahr rund 177.000 Geflüchtete in Berlin. Der Bericht der Integrationsbeauftragten versteht darunter all jene Menschen, die Asyl beantragt haben oder einen humanitären Aufenthaltsstatus haben. Den Zahlen zufolge besteht die Bevölkerung der Hauptstadt zu etwa fünf Prozent aus Geflüchteten.
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 1.736 Personen leicht zurückgegangen. Die größte Einzelgruppe, ukrainische Geflüchtete, wuchs um 5.235 auf 57.070 Menschen an. Neben den Ukrainern kommen die meisten anderen Geflüchteten aus Syrien und Afghanistan. Insgesamt machen Menschen aus den drei genannten Ländern laut Bericht 59,7 Prozent aller Geflüchteten aus.
Geflüchtete leben vorrangig in Berlins Außenbezirken
Mehr als 30 Prozent der Geflüchteten leben den Daten zufolge seit mehr als fünf Jahren in Berlin, 17 Prozent sogar zehn Jahre oder länger. Für die Fluchtreferentin Anne-Marie Kortas ein Zeichen, dass „Berlin nicht nur eine Stadt des Ankommens, sondern auch des Bleibens“ sei.
Geflüchtete leben in Berlin überall, überdurchschnittlich oft aber in den Randbezirken. Ukrainische Geflüchtete wohnten 2024 laut Bericht vor allem in Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinickendorf und Mitte, während Menschen mit syrischer Staatsangehörigkeit vorwiegend in Lichtenberg, Mitte und Spandau lebten. Afghanische Geflüchtete wiederum wohnten hauptsächlich in Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Spandau.
Ein Viertel der Geflüchteten lebt in Unterkünften des Landesamts für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF). Die restlichen drei Viertel kommen in bezirklichen Unterkünften unter oder haben bereits eigenen Wohnraum bezogen.
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„Wir Geflüchtete sind nicht nur Zahlen“, sagte Khalil Sharaf, der aus Syrien stammt und den die Integrationsbeauftragte eingeladen hatte, von seinen Erfahrungen zu berichten. „Hinter jeder Zahl steht ein Mensch mit einer eigenen Geschichte, mit Sorgen und Hoffnungen.“ Er arbeitet in einem vom Land Berlin finanzierten Nachbarschaftsprojekt im Märkischen Viertel. Er betonte, wie wichtig es sei, dass Menschen Beratungs- und Unterstützungsangebote wahrnehmen könnten.
Niewiedzial bezeichnete vor diesem Hintergrund die Entscheidung des Bundesinnenministeriums, Integrationskurse für eine große Anzahl an Betroffenen zu stoppen, als „absurd“. Kritik gab es auch an dem von der Bundesregierung angekündigten Wegfall der unabhängigen Asylverfahrensberatung. Die aus dem Irak stammende Soziologin Ishtar Al Jabiri betonte, es müsse zu einer modernen Gesellschaft dazugehören, komplexe Strukturen transparent zu erklären. Es gehe um Informationen. Das habe nichts mit Tipps irgendeiner Lobby zu tun, wie es manchmal heiße. Die betroffenen Wohlfahrtsverbände, die dieses Angebot bereitstellen, hatten in der vergangenen Woche darüber informiert, dass das Bundesinnenministerium die Asylberatung ab kommendem Jahr streichen wolle. (mit epd)