
Stand: 18.03.2026 16:00 Uhr
Im Prozess gegen den Staatsanwalt Yashar G. sind am Landgericht Hannover die Plädoyers gehalten worden. Außerdem kam der Angeklagte noch einmal zu Wort. Noch diese Woche soll das Urteil fallen.
„Mein Leben hat sich grundlegend geändert“, sagte der angeklagte Staatsanwalt am Mittwoch vor Gericht. Er sehe sein Verhalten kritisch und übernehme die volle Verantwortung. Alles, was er sich aufgebaut habe, sei nun verloren. „Dass mein Kind eine Zeit ohne seinen Vater aufwachsen wird, ist die größte Strafe“, sagte Yashar G. „Ich habe viele Menschen enttäuscht und das bereue ich zutiefst.“ Zu dem möglichen Motiv des Angeklagten hieß es von der Verteidigung am Mittwoch, dass Yashar G. von der Drogenbande unter Druck gesetzt worden sei und er weiterhin Angst vor ihnen habe.
Staatsanwaltschaft: Yashar G. war Maulwurf der Justiz
Die Staatsanwaltschaft forderte am Mittwoch acht Jahre und sechs Monate Haft für den 40-Jährigen – wegen Bestechlichkeit und Strafvereitelung im Amt. In ihrem Plädoyer ging sie nochmal alle Taten durch. Über mehrere Monate habe der Angeklagte gegen Geld immer wieder den Stand der Ermittlungen an die Drogenbande weitergegeben. Es sei erwiesen, dass G. der Maulwurf der Justiz, der Informant der Drogenhändler gewesen sei. Der Anklagevertreter der Staatsanwaltschaft sagte, der 40-Jährige habe dem Vertrauen in den Rechtsstaat schweren Schaden zugefügt. Zudem forderte er die Einziehung von 45.000 Euro, weil Yashar G. für jede gestandene Tat 5.000 Euro bekommen haben soll. Zwar will der 40-Jährige pro Tat nur 2.500 Euro bekommen haben, dafür spreche aber nichts, so die Staatsanwaltschaft.
Verteidigung fordert untersten Strafrahmen
„Die Verteidigung hingegen hat in ihren Schlussvorträgen den Wert des Geständnisses nochmal stark gemacht“, sagte Eike Kassebaum, Sprecher des Landgerichts Hannover. Sie habe sich auch dafür ausgesprochen, dass der verständigte Strafrahmen nur am untersten Rand angewendet wird. „Also eine Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren und zwei Monaten,“ sagte Kassebaum. Die Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung liegen so nah beieinander, weil sich die Prozessbeteiligten im Vorfeld auf eine maximale Strafe geeinigt hatten. Bedingung dafür war, dass Yashar G. ein Geständnis ablegt – das hatte er im Januar getan. Das Geständnis habe aber nur ein Mindestmaß erfüllt und sei eher taktisch gewesen, sagte die Staatsanwaltschaft.
Staatsanwalt gestand im Prozess neun Fälle
Lange hatte der 40-Jährige seine Unschuld beteuert. Sehr wortreich sprach er im Prozess am Landgericht Hannover von seinem Leben als Flüchtlingsjunge aus dem Iran, von seinem Aufstieg und dass er hart ermittelt habe. Er hätte dies niemals für wenige Tausend Euro Schmiergeld aufs Spiel gesetzt. Im Januar gestand er dann doch neun von 14 Fällen. Der Rest der Vorwürfe wurde eingestellt. Seit einem Jahr sitzt er auf der Anklagebank. Weil er Ermittlungsgeheimnisse an eine Drogenbande verraten haben soll, sollen sich mehrere Beschuldigte in einem Verfahren ihrer Festnahme entzogen haben. Das Brisante: Obwohl in der Staatsanwaltschaft Hannover bereits frühzeitig Verdachtsmomente gegen Yashar G. vorlagen, konnte dieser bis 2024 als Staatsanwalt an dem Verfahren weiterarbeiten.

Yashar G. hat vor dem Landgericht Hannover gestanden, in neun Fällen Informationen gegen Bezahlung weitergegeben zu haben.
Mitangeklagten erwartet Bewährungsstrafe
Für den mitangeklagten Boxtrainer Amir F. forderte die Staatsanwaltschaft am MIttwoch eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung sowie eine Geldauflage von 15.000 Euro. F. hatte im Prozess sieben von zwölf Anklagepunkten gestanden. In seinem Studio in Hannover sollen die Geldübergaben stattgefunden haben. Amir F. gilt als Mittelsmann zwischen der Drogenbande und dem Staatsanwalt.

Der 39-Jährige soll Dienstgeheimnisse an Drogenschmuggler verraten und vor Razzien gewarnt haben. Was bisher bekannt ist.
Politische Aufarbeitung folgt noch
Am Freitag will das Gericht ein Urteil sprechen. Der Fall wird aber weiter Gesprächsthema bleiben. Denn er hat eine politische Seite, die noch aufgearbeitet werden soll. Die CDU in Niedersachsen spricht von einem Skandal und will im April einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss beantragen. Dafür reichen ihre Stimmen im Landtag. Die Christdemokraten werfen Justizministerin Kathrin Wahlmann (SPD) vor, trotz Hinweisen auf die Maulwurftätigkeit des Staatsanwalts nicht eingeschritten zu sein. Ein Thema des Untersuchungsausschusses wird die Frage sein, warum der Staatsanwalt noch bis Februar 2024 im Drogendezernat arbeitete, obwohl gegen ihn schon seit Sommer 2022 ermittelt wurde. Allerdings soll die niedersächsische Justiz 2020 erstmals von dem Leck erfahren haben. Damals war noch CDU-Politikerin Barbara Havliza Justizministerin.

Der Spediteur hatte Behörden über den korrupten Staatsanwalt in Hannover informiert. Nun wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt.

Vor Gericht muss sich Yashar G. wegen Korruption verantworten. Im Landtag wird sich ein Untersuchungsausschuss mit dem Fall beschäftigen.

Die niedersächsische Justiz wusste bereits seit 2020 von engen Kontakten zwischen Yashar G. und einem Mitglied der „Hells Angels“.