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Potsdam – Ein Schulversager wird Brandenburgs Bildungsminister, ein ertappter Suff-Fahrer neuer Chef der Polizei. BILD stellt die rot-schwarze Landesregierung vor, die am Mittwoch ihr Amt antrat.

Als Schüler war er „stinkend faul“, gestand Gordon Hoffmann (47) bei seiner Wahl zum CDU-Generalsekretär. Den 10.-Klasse-Abschluss habe er „nur mit Hängen und Würgen geschafft“. Die Lehre danach: abgebrochen. Trotzdem hat der Schulversager eine steile Karriere gemacht. Am Mittwochmorgen ernannte Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (64, SPD) den Prignitzer zum neuen Bildungsminister.

250 neue Lehrer, mehr Unterricht

Hoffmanns Job: Das Land von den letzten Plätzen im Bildungsvergleich nach vorn bringen. Dafür bekommt er 250 neue Lehrerstellen. Im Koalitionsvertrag hat die CDU eine zusätzliche Deutschstunde pro Woche und mehr Rechen- und Lesezeit durchgesetzt.

Ach ja: Mit Anfang 20 hat Hoffmann dann doch noch die Kurve gekriegt – auf dem zweiten Bildungsweg: Studienabschluss, Leitungsposten, Landtagsabgeordneter, Generalsekretär. Und jetzt Minister. Hoffmann: „Mein ehemaliger Klassenleiter ist sehr, sehr stolz.“

Innenminister Jan Redmann (CDU) mit seinen stolzen Eltern

Innenminister Jan Redmann (CDU) mit seinen stolzen Eltern

Foto: Michael Sauerbier

Innenminister betrunken erwischt

Auch die Beförderung von Jan Redmann (46) zum Innenminister hat eine schräge Vorgeschichte. Im Wahlkampf 2024 wurde der CDU-Chef von der Polizei betrunken auf dem E-Scooter erwischt. Folge: 8000 Euro Strafe, drei Punkte in Flensburg, Fahrerlaubnis weg. Jetzt ist Redmann Chef von 8700 Polizisten und Vize-Regierungschef. Die Stellenzahl will er auf 9000 erhöhen, der Polizei mehr Handlungsfreiheit geben. Immerhin: Redmann war ein guter Schüler, ist Doktor der Rechtswissenschaft.

Martina Klement (CSU) schwor bei ihrer Vereidigung auf Gott

Martina Klement (CSU) schwor bei ihrer Vereidigung auf Gott

Foto: Soeren Stache/dpa

Wirtschafts-Chefin kommt aus Berlin

Nur Gutes ist über Brandenburgs neue Wirtschaftsministerin Martina Klement (45) zu hören. In Berlin begann sie als Digital-Staatssekretärin die Reform der trägen Behörden. Die Hauptstädter müssen bald nicht mehr monatelang auf Ausweise und Geburtsurkunden warten. „Brandenburg kenne ich schon“, sagt die gebürtige Bayerin mit rollendem „R“ und CSU-Parteibuch. Beim Netzwerken hilft ihr Staatssekretär: Markus Niggemann (47, CDU) war Finanzchef im Cottbuser Rathaus.

Alte Bekannte auf neuen Posten

Die übrigen sieben Minister sind alte Bekannte, haben bisher schon regiert. Aber drei wechseln ihre Posten:

  • René Wilke (41, SPD) zieht vom Innen- ins Sozialministerium. Dort ist er auch zuständig für Arbeit, Gesundheit, Frauen, Familie, Migration und Integration. Dringendste Aufgaben: die Kosten für Rettungs- und Krankenfahrten und die Krankenhaus-Reform.
  • Daniel Keller (39, SPD) wechselt vom Wirtschafts- zum Finanzministerium. Wegen des riesigen Haushaltslochs muss er jährlich Milliarden einsparen. Für viele wird Keller zum Buhmann werden.
  • Robert Crumbach (63, SPD) geht vom Finanz- zum Infrastruktur-Ministerium. Seine Aufgaben: Bauen, Wohnen, Verkehr. Schwierige Aufgaben: Schienen- und Straßenausbau werden besonders stark unter Kürzungen leiden. Mieten und Baupreise steigen, der Wohnungsbau stockt.

Regierungschef Dietmar Woidke (SPD, v.) mit seinem neuen Kabinett

Regierungschef Dietmar Woidke (SPD, v.) mit seinem neuen Kabinett

Foto: Soeren Stache/dpa

Für vier Minister ändert sich nichts

Manja Schüle (49, SPD) bleibt Wissenschafts- und Kulturministerin, wurde gerade zur besten in Deutschland gewählt. Nach Gründung der Medizin-Uni Lausitz muss sie nun den Ausbau des alten Potsdamer Landtags zum Uni-Standort vermitteln – und Kultur-Kürzungen erklären.

Hanka Mittelstädt (38, SPD) macht weiter als Agrar- und Umweltministerin. Schwierig, weil den Bauern Millionen-Zuschüsse der EU gestrichen werden sollen. Die Hobby-Jägerin macht den Wolf zum Jagdwild, bringt Waldbesitzer und Naturschützer gegen sich auf.

Justizminister Benjamin Grimm (SPD) ist auch zuständig für Digitalisierung

Justizminister Benjamin Grimm (SPD) ist auch zuständig für Digitalisierung

Foto: picture alliance/dpa

Benjamin Grimm (41, SPD) darf Justizminister bleiben. Der Top-Jurist digitalisiert nicht nur Gerichte und Staatsanwaltschaften, sondern auch Brandenburgs Behörden. Doch die Nutzung der elektronischen Akte erweist sich als zähes Unterfangen. Kein leichter Job.

Kathrin Schneider (63, SPD) leitet als Staatskanzlei-Ministerin weiter die Potsdamer Regierungszentrale. Als rechte Hand von Ministerpräsident Dietmar Woidke (64, SPD). Macht Deutschlands bald dienstältester Landeschef rechtzeitig vor der Wahl 2029 einem Nachfolger Platz, wird wohl auch Schneider gehen. Beide schweigen über den Ablöse-Termin.

Zuerst müssen sich Woidkes „Kronprinzen“ René Wilke (Minister für Soziales, Arbeit, Gesundheit) und Daniel Keller (Finanzminister) in ihren neuen Ämtern bewähren. Dann können die Karten in Brandenburgs Regierung neu gemischt werden.