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Stuttgart – Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg geht die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart dem Vorwurf der Morddrohung gegen CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel nach. Vor zwei Wochen während des Wahlkampfs hatte Hagel erklärt, er und seine Familie würden bedroht. Nun wurde beim Staatsschutzzentrum „von Amts wegen“ ein Prüfvorgang angelegt, teilte ein Sprecher mit. Die WELT (gehört wie BILD zu Axel Springer) berichtete zuerst.

Wichtig: Es handelt sich dabei noch nicht um ein Ermittlungsverfahren. Bei einem Prüfvorgang wird zunächst nur untersucht, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegt. Gemeinsam mit dem Landeskriminalamt werde der Sachverhalt aufgeklärt und rechtlich bewertet, so der Sprecher weiter. Wie BILD erfuhr, hat Hagel diverses Beweismaterial – darunter auch Drohschreiben – an die Staatsanwaltschaft übergeben. Eines der Drohschreiben, das an seine Privatadresse ging, hatte Hagel bereits vernichtet.

Hagel erstattete keine Anzeige

Eine förmliche Anzeige von Hagel oder der CDU gibt es bislang allerdings nicht. Aus der CDU hieß es, man habe die Polizei zwar kontaktiert und auch ein Gespräch in der Sache geführt, aber zu den Details wolle man sich nicht äußern – auf Anraten der Polizei, wie ein Fraktionssprecher betonte. Grund: Man wolle Nachahmung vermeiden. „Das Wohl und die Sicherheit der Familie von Herrn Hagel stehen für uns an oberster Stelle“, so der Sprecher.

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Quelle: Pool ARD10.03.2026

Im Fall von Hagel prüft die Generalstaatsanwaltschaft auch ohne vorliegende Anzeige, ob eine Straftat vorliegt. DENN: Selbst wenn Polizei oder Staatsanwaltschaft nur durch Medienberichte von einem möglichen Delikt erfahren, müssen sie den Hinweisen nachgehen. Dem Sprecher zufolge gab es bereits „informatorische Befragungen“.

Drohungen waren „sehr explizit“

Wie WELT unter Berufung auf CDU-Kreise berichtet, brachte Hagel die Vorwürfe zunächst in Parteigremien selbst zur Sprache. Die Rede war demnach von massenhaften Beleidigungen und Morddrohungen gegen ihn und seine Familie. Manche Drohungen seien „sehr explizit“ gewesen. Im Gespräch mit dem Portal „The Pioneer“ wurde er kurz vor der Wahl gefragt, ob es stimme, dass er und seine Kinder Morddrohungen erhalten hätten. Seine Antwort: „Leider ja – das ist für uns auch neu, auch als Familie. Ich kannte das so bisher nicht.“

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Auslöser für die Anfeindungen sollen Sexismus-Vorwürfe gegen Hagel gewesen sein. Im BaWü-Wahlkampf war ein acht Jahre altes Video von dem Politiker aufgetaucht, in dem er von den „rehbraunen Augen“ einer Realschülerin schwärmte. Hagel räumte ein, die Äußerung sei „Mist“ gewesen. Doch die Debatte um ihn überschattete den CDU-Wahlkampf danach massiv. Den Grünen, die das Video erneut verbreitet hatten, warf die Partei eine Schmutzkampagne vor.