
Magdeburgs emotionaler Leader Baris Atik ist ein Mann der klaren Worte – das unterstrich er noch einmal. Mentale Tricks sollen helfen. Und eine Erinnerung an das Spiel gegen Preußen Münster aus der vergangenen Saison.
Mit einer Brandrede in Richtung der eigenen Mitspieler will Baris Atik beim 1. FC Magdeburg noch einmal Energie im Abstiegskampf aktivieren. „Vollgas“, „Mentalität“, „volles Brett“ oder „Überzeugung“ waren im Pressegespräch mit dem FCM-Führungsspieler die wohl am häufigsten genannten Begriffe des 31-Jährigen.
Atik: „Brust raus, wir haben nichts zu verlieren“
Atik ist ein Mann der klaren Worte. Das ist keine neue Erkenntnis, wurde vom Mittelfeldmotor der Magdeburger aber noch einmal klar unter Beweis gestellt. „Brust raus, wir haben nichts zu verlieren. Vollgas nach vorn“, fordert Atik nicht nur im kommenden Spiel am Sonntag bei Preußen Münster. „In den letzten acht Spielen entscheiden die Mentalität und der Kopf.“
Sechs Niederlagen aus den jüngsten acht Spielen
Magdeburg steht trotz guter statistischer Werte – Platz eins bei den Torschüssen, Platz zwei beim Ballbesitz, Platz drei bei den Chancen – aber auch Rang zwei bei den Aluminiumtreffern, auf dem letzten Tabellenplatz.
„Statistik hin und her können wir uns irgendwo hinschieben, wo wir wollen. Im Endeffekt ist Fußball ein Ergebnissport“, so Atik. Und die Ergebnisse fehlen. Der FCM hat die drittschlechteste Abwehr. Von den jüngsten acht Spielen haben die Magdeburger nur eins gewonnen, dafür aber sechs verloren.
„Bock, den Bock umzustoßen“
Hoffnung mache dem Magdeburger Führungsspieler die Mentalität im Team: „Wenn ich in die Kabine schaue, dann sehe ich eine Mannschaft, die „Bock hat, den Bock umzustoßen, die Bock hat, Vollgas zu geben. Deswegen bin ich sehr zuversichtlich, dass diese Jungs richtig heiß sind.“ Und da hilft Atik gern auch nach: „Es bringt nichts, alle zu streicheln. Die Spiele werden weniger, die Fehler sind aber die gleichen. Der eine oder andere bekommt Druck und Feuer von mir.“
Gegner Münster – Debakel und Trainerentlassung
Mit Preußen Münster wartet am Sonntag ein Team, das in der vergangenen Woche bei Dynamo Dresden 0:6 unter die Räder kam und daraufhin Trainer Alexander Ende entließ. Der Tabellendrittletzte wird interimsmäßig vom bisherigen Co-Trainer Kieran Schulze-Marmeling betreut.
„Jeder hat noch eine Rechnung offen“
Mit Münster hat der FCM noch eine Rechnung offen. Nicht nur der FCM, auch Atik, der beim 0:5 der Magdeburger in der Vorsaison und dem Ende aller Aufstiegsträume dabei war. Paradoxerweise wechselte Münster auch im vergangenen Jahr vor dem FCM-Spiel seinen Trainer. „Jeder hat noch eine Rechnung offen, dass so etwas nicht wieder passiert“, verspricht Atik.
Er selbst beschäftige sich nicht mit dem drohenden Abstieg des FCM. „Für mich ist es tabu, abzusteigen“, so der mittlerweile dienstälteste Magdeburger Kicker. Auch den Gedanken an eine Niederlage am Sonntag in Münster will er nicht zulassen.
„Wenn Du im Kopf daran glaubst, …“
Dreimal im insgesamt rund 20-minütigen Pressetalk spricht er darüber, warum. „Ich habe der Mannschaft gesagt: ‚Wir müssen uns das manifestieren‘. Ich glaube, wenn du im Kopf daran glaubst dass du das Spiel am Sonntag gewinnst, wirst du das auch gewinnen.“ Psychologisch ist die derzeit auf vielen Social-Media-Kanälen sehr populäre Methode des Manifestierens äußerst umstritten, weil mit permanent positivem Denken auch Risiken verbunden sind. Allerdings ist die wissenschaftliche Datenlage für den Abstiegskampf der zweiten Fußball-Bundesliga auch äußerst dünn.
Klar ist für Atik allerdings schon, welche Schlagzeile er sich für das kommende Spiel in Münster wünscht: „Drei Punkte für FCM ist aber scheißegal, wie es war. Das wäre mir am liebsten.“
Dirk Hofmeister