Vergangene Woche hatte Weimer bekannt gegeben, dass der schon seit 2018 geplante Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek nicht entstehen soll. Begründet hatte Weimer die Entscheidung damit, die Sammlung gedruckter Werke sei nicht mehr zeitgemäß und die DNB solle stattdessen stärker auf digitale Inhalte setzen.
Ein Sprecher des Kulturstaatsministers bestätigte, dass der Neubau vorerst nicht kommen soll. Die Planungen seien wegen der unsicheren Haushaltslage des Bundes ausgesetzt. Eine endgültige Entscheidung stehe noch aus.
Sachsen: Kritik von Kulturministerium und Bibliotheksverband
Barbara Klepsch, die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, mahnt, die Digitalisierung und das gedruckte Buch dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. „Wir brauchen beides.“ Der Erweiterungsbau sei notwendig, um das kulturelle Erbe Deutschlands auch künftig verlässlich zu sichern, so Klepsch.
Lars Rohwer, Vorsitzender des Landesverbandes Sachsen im Deutschen Bibliotheksverband, sagte, die DNB sei das nationale Gedächtnis und stärke zentrale Werte unserer demokratischen Gesellschaft. Der geplante Erweiterungsbau sollte nun auch realisiert werden, fordert Rohwer.
Kritik aus der Politik
Weder sachlich gerechtfertigt, noch angemessen kommuniziert. Mit diesen Worten hat der Leipziger SPD-Bundestagsabgeordnete Holger Mann den Vorstoß von CDU-Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kritisiert. Ab 2031 wäre nicht mehr genügend Platz, die täglich 1.500 neuen Werke aufzunehmen.
Der Leipziger Bundestagsabgeordnete Jens Lehmann von der CDU kritisierte die Kommunikation von Kulturstaatsminster Wolfram Weimer als „politisch instinktlos“ und „unsensibel“.
Absage treibt Kosten in die Höhe
Der Architekturkritiker Nikolaus Bernau geht davon aus, dass letztlich höhere Kosten entstehen würden, sollte der Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig nicht entstehen. Im Gespräch mit MDR KULTUR betonte Bernau: „Es wird nicht etwa billiger, sondern es wird teurer werden – weil, wir brauchen diesen Neubau irgendwann.“