Bei seinem Besuch in London am Dienstag kam der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nicht nur zu Gesprächen mit Großbritanniens Premierminister Keir Starmer und Nato-Generalsekretär Mark Rutte zusammen. Der Ukrainer nutzte seinen Aufenthalt auch für ein Interview mit der britischen BBC, wo er sich zum Ukrainekrieg, zum Konflikt im Nahen Osten und zu seiner Beziehung zum US-Präsidenten Donald Trump äußerte. Lesen Sie hier Selenskyjs wichtigste Aussagen.

Ich kann Trump nicht sagen, was er zu tun hat.

Wolodymyr Selenskyj

1. Selenskyjs Beziehung zu Trump

Auf die Rolle Trumps als Vermittler zwischen Russland und der Ukraine angesprochen, sagte Selenskyj, dass er glaube, Trump wolle „diesen Krieg beenden“. Allerdings hätten der US-Präsident und seine Berater aktuell eine Strategie gewählt, die von einem engen Dialog mit Kremlchef Wladimir Putin geprägt ist. Man wähle diese Taktik wohl, „um Putin nicht zu verärgern, da Europa ihn schon verärgert hat“, sagte der Ukrainer.

Selenskyj behauptete in dem Zusammenhang, US-Präsident Donald Trump stehe im Krieg zwischen Russland und der Ukraine aktuell „auf keiner Seite“ und wolle Putin nicht vor den Kopf stoßen. „Ich kann Trump nicht sagen, was er zu tun hat“, sagte der 48-Jährige weiter. Aber er sei überzeugt, dass sich die Staatschefs zeitnah treffen sollten, um „die Beziehung wieder aufleben zu lassen“.

Bei der Vermittlung könne demnach auch der britische Premier helfen: „Ich würde mir wirklich wünschen, dass Präsident Trump sich mit Starmer trifft, damit sie sich auf eine gemeinsame Position einigen können“, sagte Selenskyj.

dpatopbilder - 17.03.2026, Großbritannien, London: Der britische Premierminister Keir Starmer (l-r), der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Nato-Generalsekretär Mark Rutte verlassen die Downing Street 10 nach einem Treffen in London. Selenskyj sucht in London nach neuer Unterstützung für die Ukraine. Foto: Thomas Krych/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Der britische Premierminister Keir Starmer, Wolodymyr Selenskyj und Nato-Generalsekretär Mark Rutte trafen sich am Dienstag in London.

© dpa/Thomas Krych

Trump selbst hatte den Labour-Politiker jüngst als „keinen Winston Churchill“ bezeichnet. Zwar halte der US-Präsident den Briten zwar für einen „netten Mann“, sei aber hinsichtlich seiner Position zum Nahost-Konflikt „enttäuscht“. Starmer hatte wiederholt bekräftigt, dass Großbritannien nicht in einen größeren Krieg mit dem Iran hineingezogen werden will.

Trump sieht Selenskij als Hindernis für Friedensdeal

In einem Interview mit dem Sender „NBC News“ machte der US-Präsident jüngst den ukrainischen Präsidenten für die schleppenden Verhandlungen über ein mögliches Kriegsende verantwortlich. Dabei warf er dem Ukrainer vor, ein größeres Hindernis für einen Friedensdeal zu sein als Kremlchef Wladimir Putin. „Ich bin überrascht, dass Selenskyj kein Abkommen schließen will. Sagen Sie Selenskyj, er soll ein Abkommen schließen, denn Putin ist bereit dazu“, sagte Trump und ergänzte: „Mit Selenskyj ist es weitaus schwieriger, eine Einigung zu erzielen.“ Tatsächlich hatte Selenskyj wiederholt eher sein Bedauern darüber geäußert, dass die Verhandlungen über ein mögliches Kriegsende ins Stocken geraten waren.

2. Auswirkungen des Nahost-Konflikts auf Ukrainekrieg

Die Ausweitung des Nahost-Konflikts, die nach gemeinsamen Angriffen von Israel und den USA auf den Iran nun bereits in die dritte Woche geht, wirke sich Selenskyj zufolge auch auf den Ukrainekrieg aus.

Für Putin ist ein langer Krieg im Iran ein Plus.

Wolodymyr Selenskyj

Im Interview sagte der Ukrainer, er habe ein „sehr ungutes Gefühl“ hinsichtlich der Folgen, weil die Ukraine-Friedensverhandlungen „ständig verschoben“ werden würden. „Dafür gibt es einen Grund – den Krieg im Iran“, sagte Selenskyj. Die nächste Runde der Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA hätte eigentlich in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden sollen, wurde infolge der Angriffe auf den Iran allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben. 

Selenskyj sagte weiter: „Für Putin ist ein langer Krieg im Iran ein Plus. Neben den Energiepreisen bedeutet er die Erschöpfung der US-Reserven und die Erschöpfung der Luftabwehrhersteller. Wir [die Ukraine – Anm. d. Redaktion] haben also einen Ressourcenmangel.

3. Raketenmangel für die Ukraine

Dieser von Selenskyj beschriebene „Ressourcenmangel“ äußere sich vor allem in einem Defizit an Raketen für die Ukraine. Selenskyj zufolge werde es „definitiv“ einen Mangel an Munition für das US-amerikanische bodengestützte Flugabwehrraketen-System „Patriot“ geben. Nun sei die Frage, „wann alle Lagerbestände im Nahen Osten aufgebraucht sein werden“.

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Selenskyj rechnete im BBC-Interview vor: „Amerika produziert 60 bis 65 Raketen pro Monat. Stellen Sie sich vor, 65 Raketen pro Monat ergeben etwa 700 bis 800 Raketen pro Jahr.“ Der Ukrainer führte aus: „Und am ersten Tag des Nahostkrieges wurden 803 Raketen eingesetzt.“