
58 Tage nach dem Finale des Afrika-Cups entschied der afrikanische Fußballverband (CAF), Senegal den Titel abzuerkennen. Die Entscheidung für Marokko versetzt den Weltfußball in Aufruhr.
Das Finale des Afrika-Cups in Marokko wurde im Januar zur Bühne eines der größten sportlichen Skandale des Kontinents. Nach einem umstrittenen Elfmeterpfiff zugunsten Marokkos in der Nachspielzeit hatte Senegals Mannschaft fast geschlossen den Platz verlassen. Weil Brahim Diaz den Elfmeter nach der Rückkehr der Senegalesen verschoss, ging das Spiel in die Verlängerung, die Pape Gueye schließlich zugunsten Senegals entschied.
Die Marokkaner legten anschließend Einspruch ein, der vorerst abgewiesen wurde. 58 Tage später folgte nun die nächste Eskalation: Der afrikanische Fußballverband CAF erkannte Senegal doch noch den Titel ab und erklärte Marokko nachträglich zum Sieger.
Senegals Spieler verspotten Verband
Auf diese umstrittene Entscheidung reagierten einige der senegalesischen Spieler mit deutlichen Worten. „Wir wissen, was wir an jenem Abend in Rabat erlebt haben. Und das kann uns niemand nehmen“, ließ Idrissa Gueye verlauten. Moussa Niakhate setzte auf Provokation: „Kommt und holt sie euch! Die sind doch verrückt!“, schrieb er in seiner Instagram-Story zu einem Bild, auf dem der Innenverteidiger von Olympique Lyon mit der AFCON-Trophäe posiert.
Mitspieler El Hadji Malick Diouf schrieb über Instagram: „Diese Trophäe gewinnt man auf dem grünen Rechteck, aber nicht per E-Mail.“ Pathé Ciss stichelte auf „X“: „Ihr könnt den Heulsusen ruhig noch drei Tore geben.“
Der Tenor ist klar: Senegal sieht sich wenig überraschend weiterhin als legitimen Sieger und das eben auch „in den Augen der ganzen Welt“, wie Yehvann Diouf über Instagram formulierte.
Marokkanische Stars verbergen ihre Freude
Die marokkanischen Spieler blieben indes auffällig zurückhaltend. Spieler wie Stuttgarts Bilal El Khannouss, Yassine Bounou und Noussair Mazraoui äußerten sich öffentlich noch nicht. Auch die Weltstars Achraf Hakimi oder Brahim Diaz, die am Dienstagabend zum Zeitpunkt der Entscheidung in der Champions League auf dem Platz standen, verzichteten auf Statements in den sozialen Medien.
Zumindest Real Madrids Diaz war die Freude ins Gesicht geschrieben, als er nach dem 1:2-Sieg im Stadion in Manchester übers Feld lief. Der Turniersieg würde nicht nur den ersten Titel seit 1976 für die marokkanische Nationalmannschaft bedeuten, sondern auch seinen verschossenen Elfmeter im Finale weitgehend vergessen machen.
Der marokkanische Verband rechtfertigte die Entscheidung des CAF. Sie sei keine Abwertung sportlicher Leistungen, sondern die konsequente Anwendung der Regeln gewesen.
Internationale Kritik am CAF
Wie zu erwarten dominierten in den senegalesischen Medien die kritischen Stimmen: „Der Witz des Jahrhunderts!“, schrieb „Le Soleil“, während „Le Dakarois“ schlicht von einem „Skandal“ sprach. Auch internationale Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Der ehemalige englische U21-Nationalspieler Nigel Reo-Coker fand bei „CBS Sports Golazo“ deutliche Worte: Der Afrika-Cup sei „eine Blamage“, ein weiterer Grund, warum der Wettbewerb negativ wahrgenommen werde.
Auch europäische Medien blickten fassungslos auf das Urteil. „L’Équipe“ aus Frankreich nennt die Entscheidung einen „Donnerschlag“, die spanische „Marca“ sprach vom „Chaos des Jahrhunderts“ und betont, dass dieses Turnier nicht wegen sportlicher Momente, sondern wegen einer Büroentscheidung in Erinnerung bleiben werde.
Auch der deutsch-französische Nationaltrainer des Benin, Gernot Rohr, war entsetzt: „Ich finde es bedauerlich für den Fußball in Afrika und der ganzen Welt, dass so etwas passiert ist. Man stelle sich vor, wie sich die Spieler des Senegal fühlen müssen, die jetzt zwei Monate später den Titel weggenommen bekommen. Das ist fast unmenschlich.“
Und was sagt die FIFA?
Die FIFA kommentierte die Entscheidung nicht weiter. Präsident Gianni Infantino hatte die Tumulte auf und neben dem Platz bereits nach dem Endspiel kritisiert. „Es ist inakzeptabel, das Spielfeld auf diese Weise zu verlassen, und Gewalt darf in unserem Sport nicht toleriert werden“, kritisierte der Schweizer das Verhalten der Senegalesen damals. Generell ist keine Kritik des Weltverbands zu erwarten: CAF-Präsident Patrice Motsepe gilt als sein enger Vertrauter.