
AUDIO: Von der Planung zur Sendung: Der Weg einer Nachricht bei NDR Info (4 Min)
Stand: 19.03.2026 06:26 Uhr
Beim heutigen ARD-Nachrichtentag geht es um das, was auch das Programm von NDR Info im Kern ausmacht: die Nachricht – und wie sie ihren Weg in Radio, Fernsehen und auf NDR.de findet. Dieser Prozess beruht vor allem auf Handwerk und festen Standards. Aber wie funktioniert das im Detail?
Intern heißt sie nur „die 9.30“ – und ist der wichtigste Termin zum Austausch im NDR Info Nachrichtenhaus in Hamburg. Von Montag bis Freitag diskutieren Redakteurinnen und Redakteure, Autoren und Autorinnen in der crossmedialen Themenrunde um 9.30 Uhr, welches die Themen des Tages sind. „Dabei besprechen wir auch, welche Themen eine besondere Relevanz entfalten, die wichtig sind für unser Publikum und wo wir dann gegebenenfalls tiefer einsteigen“, sagt Christiane Uebing, Leiterin des Radioprogramms bei NDR Info.
Nachrichtenauswahl nur im Team

In der 9.30-Uhr-Konferenz werden die wichtigsten Themen des Tages diskutiert, sagt Christiane Uebing, Chefin des NDR Info Radioprogramms.
Die Nachrichtenauswahl sei also niemals eine einsame Entscheidung, sondern erfolge im Team. „Das ist auch besonders wichtig, weil damit wir auch unterschiedliche Perspektiven auf jeweils ein Thema mit in die Berichterstattung reinbringen können“, sagt Uebing. Zudem kämen zunehmend auch von den Hörerinnen und Hörern Themenanregungen. „Über die diskutieren wir dann hier auch. Und wenn wir ein Thema für relevant erachten, dann nehmen wir das mit ins Programmangebot auf.“ Es komme jedoch vor, dass die einzelnen Gewerke die Relevanz unterschiedlich bewerten. Da gebe es rege Debatten.
Thema des Tages: Plädoyers im Staatsanwalt-Prozess
Gewerke – ein typisches NDR Wort. Es steht für die unterschiedlichen Ausspielwege: Fernsehen, Hörfunk, Online und Social Media. Redakteurinnen und Redakteure der jeweiligen Teams stellen in der 9.30-Uhr-Runde vor, welche Top-Themen sie in ihr Programm nehmen. An einem Thema kommt heute keiner vorbei: „Wir gucken auf den Prozess gegen den korrupten Staatsanwalt in Niedersachsen, da finden die Plädoyers statt“, sagt TV-Redakteurin Anna Marohn. Der Prozess gegen den Juristen aus Hannover, der Ermittlungsergebnisse gegen Geld an eine Drogenbande verraten haben soll, hat monatelang die Schlagzeilen bestimmt.
Online: Aus Vorbericht wird schnell aktuelle News

Schnelle Aktualisierungsmöglichkeit und praktisch unbegrenzter Platz machen die Vorzüge der Berichterstattung im Netz aus, so Online-Abteilungsleiter Marcus Bensemann.
Während das Fernsehen für die 15-Uhr-Nachrichten den Aufmacherbeitrag zu dem Prozess plant, ist ein Vorbericht zu dem Thema bereits seit Stunden prominent auf NDR.de und der NDR Info App verlinkt. „Wir warten dann auf die brandaktuellen News und stellen die dann immer versehen mit einem Audio oder Video so schnell wie möglich online“, sagt Marcus Bensemann, Abteilungsleiter von NDR Info Online. Zudem könnten ergänzende Informationen und Hintergründe geliefert werden. „Das Internet ist ja praktisch endlos“, sagt Bensemann. Längenbegrenzungen oder strikte Sendepläne gibt es nicht.
„Die Nachricht erreicht uns in der Regel entweder durch einen Zuruf von Kollegen, die vor Ort sind, oder durch Nachrichtenagenturen, die vor Ort sind, und dann werden die ersten Inhalte sehr schnell in einen Artikel zusammengepackt.“ Aus dem Vorbericht wird somit im Handumdrehen die aktuelle Nachricht zu den Plädoyers.
Hohe Schlagzahl im Nachrichtenzentrum

Tom Heerdegen ist Chef vom Nachrichtenzentrum. Hier entstehen die „Nachrichten für den Norden“ in hoher Schlagzahl.
Auch die Kolleginnen und Kollegen im Nachrichtenzentrum des Hörfunks können sehr zügig auf einen neuen Sachstand reagieren. Es ist der Ort, an dem im NDR Info Haus alle Nachrichten – ob international, bundesweit oder regional norddeutsch – zusammenlaufen. Hier werden rund um die Uhr Nachrichten produziert, mit sehr hoher Schlagzahl.
„Für NDR Info haben wir über den Tag 60 bis 70 Nachrichtensendungen in unterschiedlichen Formaten, also die langen zur vollen und halben Stunde und kurze, kompakte Überblicke um Viertel nach und um Viertel vor“, sagt Tom Heerdegen, Leiter des Nachrichtenzentrums. „Wir haben ein sehr offenes Nachrichtenformat bei NDR Info. Wir können uns entscheiden: Machen wir dazu eine klassische Meldung, also drei, vier, fünf Sätze hintereinander weg, in denen das Wichtigste ohne jeden Schnickschnack erklärt wird. Oder bedienen wir uns an Korrespondententönen, die uns aus der Region zugeliefert werden.“
Nähe als Nachrichtenfaktor
Stets stünden die klassischen Fragen der Nachrichtenauswahl im Fokus: „Was ist neu? Was ist für die Menschen im Norden wichtig? Was ist gesprächswertig?“ Zudem sei Nähe ein ganz wichtiger Faktor. „Was ist nah dran an ihrem Leben? Das kann zum einen wirklich die regionale Nähe sein. Also etwas ist nur 20 Kilometer weg von meiner Haustür, das interessiert mich deshalb. Oder es kann auch eine soziale Nähe sein. Das heißt, dieses Thema ist so nah am Alltagserleben der Menschen, dass wir glauben, dass es sie sehr stark interessieren kann.“
Sorgfalt vor Schnelligkeit
Bis vor zehn Jahren habe es immer geheißen, das Radio sei das schnellste Medium. „Das ist längst nicht mehr der Fall“, sagt Heerdegen, Social Media und das Internet generell seien viel, viel schneller. „Der Anspruch des NDR ist es, möglichst früh am Markt zu sein mit geprüfter Information und nicht einfach etwas rauszuhauen, das wir nachher vielleicht wieder zurückholen müssen oder von dem wir nicht sicher sind, dass es wirklich stimmt“, sagt Heerdegen.
Sorgfalt gehe also vor Schnelligkeit. Dabei helfen Kolleginnen und Kollegen der Verifikation. „Sie machen zum einen Faktenchecks oder überprüfen, ob ein Bild oder ein Audio original oder vielleicht von KI erzeugt ist, ob wir instrumentalisiert werden, ob jemand versucht, uns PR reinzuschieben“, umreißt Heerdegen die zunehmend wichtiger werdende Aufgabe.
Fernsehen: Eine Frage der Bilder – unter Zeitdruck

Hoher Zeitdruck und die Schwierigkeit, bei Gerichtsthemen ausreichend Bilder zu finden, seien große Herausforderungen, sagt NDR Info Video-Teamleiterin Sandra Ratzow.
Deutlich aufwendiger als für den Hörfunk oder Online ist die Umsetzung des Themas „Plädoyers im Prozess gegen den Staatsanwalt“ für das Fernsehen. Denn es bedarf einer Bildebene – und die sei bei Gerichtsprozessen oft nicht sonderlich attraktiv oder abwechslungsreich, sagt NDR Info Video-Teamleiterin Sandra Ratzow. „Man kann nicht einfach so in ein Gericht rein und die Kamera auspacken. Häufig bekommt man auch nur Bilder von vor dem Gerichtssaal.“
Eine weitere Herausforderung: der Zeitdruck. Denn die Bilder aus dem Gericht müssen ja erst noch zu einem Beitrag zusammengeschnitten und betextet werden. „Manchmal muss man auch im Team arbeiten, dass einer schon mal in den Sender fährt, was vorbereitet, ein anderer noch Bilder dreht und zuliefert, weil es manchmal sonst überhaupt nicht zu schaffen wäre“, sagt Ratzow.
Video:
Hannover: Korrupter Staatsanwalt kurz vor der Verurteilung (1 Min)
25 Minuten bis zur Sendung – und noch fehlt der Beitrag

Zum Thema des Tages konnte Thorsten Schröder die Anmoderation schon schreiben, als er nur den Text des Beitrags vorliegen hatte.
Moderator Thorsten Schröder und Redakteurin Anna Marohn werden nicht nervös, als der als Aufmacher eingeplante Beitrag 25 Minuten vor der Sendung noch nicht da ist. „Das dauert ja immer auch ein bisschen, bis ein Filmbeitrag fertig ist. Ist ja kein Radio“, sagt Schröder mit einem Augenzwinkern. „Aber den Text dieses Beitrags habe ich immerhin schon vorliegen, deshalb weiß ich, was in diesem Beitrag vorkommt und kann somit meine Anmoderation ein bisschen anpassen daran.“
Auch unter Zeitdruck gilt: Sorgfalt vor Schnelligkeit. „Das ist ganz oft so, dass es zeitlich ganz eng wird. Da muss man schauen, wie viel Zeit kann man den Reportern geben?“, sagt Teamleiterin Sandra Ratzow. „Auf der anderen Seite ist es so, dass wir verantwortlich für das sind, was wir senden. Der Redakteur vom Dienst muss die Chance haben, sich diesen Beitrag anzuschauen und den Text gegenzuchecken, weil wir das sonst nicht senden können.“
Letzte Ungenauigkeiten beseitigt – und Sendung!
Heute obliegt Anna Marohn der letzte Blick. „Eigentlich ist es ein gutes Zeichen, wenn wir noch nicht alle Stücke eine Stunde vor der Sendung vorliegen haben, weil das heißt, dass wir viele aktuelle Stücke in der Sendung haben“, sagt Marohn. Also genau das, was eine aktuelle Nachrichtensendung leisten solle. Und bis um 15 Uhr ist ja noch etwas Zeit: Eine kleine Ungenauigkeit in einem Halbsatz der Anmoderation kann noch angepasst werden nach Rücksprache mit den Kollegen, die im Gericht waren. Wenig später liegt der Beitrag aus Hannover dann auch vor, besteht die Abnahme – und das Thema des Tages schafft es pünktlich in die Sendung.

Nachrichten- und Informationskompetenz stehen im Mittelpunkt. Viele Nachrichtenredaktionen öffnen ihre Studios und Redaktionen.

Der ARD-Nachrichtentag am 19. März bringt Journalistinnen und Lehrkräfte zusammen, um Nachrichtenkompetenz praxisnah erlebbar zu machen.